| 17:58 Uhr

Geschichte
Die Erinnerung soll wach bleiben

Nach der Umgestaltung wurde der Bleialfer Ehrenfriedhof neu gesegnet. Die Reservistenkameradschaft legte zur Erinnerung an die Kriegstoten einen Kranz nieder.
Nach der Umgestaltung wurde der Bleialfer Ehrenfriedhof neu gesegnet. Die Reservistenkameradschaft legte zur Erinnerung an die Kriegstoten einen Kranz nieder. FOTO: Frank Auffenberg
Bleialf . Nach Kriegsende setzte sich der Bleialfer Michael Blum dafür ein, gefallene Soldaten, die auf dem Schneifelrücken gefunden wurden, in einer Kriegsgräberstätte beizusetzen. Der Ehrenfriedhof wurde nun saniert und neugestaltet.

Wenn am kommenden Volkstrauertag im November wieder an die Opfer von Kriegen und Gewaltherrschaft gedacht wird, richten sich alle Augen auf den größten Ehrenfriedhof in Rheinland-Pfalz, in Daleiden. 3224 Kriegstote sind dort begraben - die zentrale Gedenkfeier des Landes wird dort in diesem Jahr ausgerichtet. Doch nicht nur in Daleiden wird der Opfer gedacht. In Bleialf sorgte nach Kriegsende 1945 Michael Blum dafür, dass die über den Schneifelrücken verstreuten Leichname von gefallenen Soldaten geborgen und würdevoll bestattet wurden. Nach umfangreichen Sanierungsarbeiten wurde die Anlage jetzt erneut eingeweiht und gesegnet.

„Das Grab, der Friedhof, ist ein Stück Geschichte. Jede Inschrift erzählt uns ihre eigene Geschichte“, sagt Bleialfs Ortsbürgermeisterin Edith Baur. Der Ehrenfriedhof sei seit seiner Anlegung allerdings sehr in die Jahre gekommen, so dass es höchste Zeit war, ihn nach all den Jahrzehnten neu instand zu setzen.

Gemeinsam erarbeiteten Raimund Schneider von der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) Trier und Edith Baur ein Konzept zur Sanierung. Für die Umsetzung fand man in der Reservistenkameradschaft Bleialf einen tatkräftigen Partner – die Runde von pensionierten Bundeswehrmitgliedern brachte sich in die Modernisierung allein durch 400 ehrenamtliche Arbeitsstunden mit ein.

Über drei Monate dauerte die Herrichtung: Begrenzungs- und Fußplatten wurden von den freiwilligen Helfern gereinigt, die gesamte Fläche abgetragen und neu eingesät. Die alte Hecke wurde ersetzt und auch die Gedenksteine mussten überarbeitet werden. Neben den Reservisten packten auch ortsansässige Firmen und Mitarbeiter der Gemeinde mit an.

„Ich hatte jede Tafel in der Hand und fragte mich, wer war dieser Mensch, dessen Namen ich hier halte“, sagt Josef Sohns, Vorsitzender der Bleialfer Reservisten. 236 Soldaten liegen in Bleialf in Einzelgräbern, Laut der Kriegsgräberliste sind aber 244 Tote dort bestattet. Die Verbandsgemeinde Prüm geht davon aus, dass in der Sammelgrabstätte damit acht Kriegstote liegen.

Sohns bedauert das schwindende Interesse an den Ehrenfriedhöfen. „Ich habe den Eindruck, dass junge Leute die Anlagen meiden. Vielleicht verbinden sie damit zu sehr die Erinnerung an den Nationalsozialismus. Aber die Friedhöfe sind eine Auseinandersetzung mit unserer Geschichte, was nicht heißt, dass wir das Geschehene akzeptieren“, sagt Sohns. Kriegsgräberstätten wie der Ehrenfriedhof in Bleialf erinnerten eindrücklich daran, dass Europa seit mehr als 70 Jahren im Frieden lebe – eine Situation, die es zuvor nie gegeben habe.

Auch ADD-Vizepräsidentin Begoña Hermann erinnert an die mahnende Bedeutung der Anlage. „Die Botschaft und die Aufforderung der Opfer, die hier begraben sind, lautet, sich aktiv für den Frieden, den Frieden unter allen Menschen und Völkern, einzusetzen.“ Man solle an diesem Ort, der unsere Geschichte belaste, Einsichten gewinnen, die positive Auswirkungen auf das zukünftige Denken und Handeln haben werden, sagt sie.

Finanziert wurde die Sanierung zum einen aus Mitteln, die pauschal jährlich an die Gemeinde für die Pflege der Kriegsgräberstätte gezahlt werden, aber auch aus einem Instandsetzungsfonds der ADD. Die Neugestaltung und Wiederaufarbeitung der Tafeln hat etwa 7500 Euro gekostet. Übrigens seien die Arbeiten doch etwas umfangreicher ausgefallen als beim Planungsbeginn vor zwei Jahren gedacht, merkt Begoña Hermann an. Die Anlage sei nun durch die Umgestaltung mit der neuen Begrenzungshecke einsehbarer und überschaubarer geworden, sagt sie, „und erzeugt als Gedenkstätte auf die Friedhofsbesucher eine intensive und besondere Wirkung und Atmosphäre.

Aloysius Söhngen, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Prüm, betont die Bedeutung der kleinen Ehrenfriedhöfe und besonders der Namenstafeln, um das Gedenken vom Abstrakten zu lösen. „Es ist wichtig, dass jeder einzelne Name erkennbar ist. So wird das Schicksal jedes Toten greifbarer.“

Feierlich wurde der neu hergerichtete Ehrenfriedhof eingeweiht und eingesegnet. Foto: Frank Auffenberg
Feierlich wurde der neu hergerichtete Ehrenfriedhof eingeweiht und eingesegnet. Foto: Frank Auffenberg FOTO: Frank Auffenberg
Feierlich wurde der neu hergerichtete Ehrenfriedhof eingeweiht und eingesegnet. Foto: Frank Auffenberg
Feierlich wurde der neu hergerichtete Ehrenfriedhof eingeweiht und eingesegnet. Foto: Frank Auffenberg FOTO: Frank Auffenberg
Feierlich wurde der neu hergerichtete Ehrenfriedhof eingeweiht und eingesegnet. Foto: Frank Auffenberg
Feierlich wurde der neu hergerichtete Ehrenfriedhof eingeweiht und eingesegnet. Foto: Frank Auffenberg FOTO: Frank Auffenberg