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Bronze ist bereits gebongt

Niederprüm. Viel getan, viel erfahren - und bereits jetzt viel gewonnen: Das Vinzenz-von-Paul-Gymnasium Niederprüm ist unter den nominierten Einrichtungen für die Preise beim bundesweiten Wettbewerb "Trialog der Kulturen". Fritz-Peter Linden

Niederprüm. Sie haben einen Lauf, die Niederprümer Schüler: Mit ihrem Theaterstück "Vinzenz trifft Nathan", entwickelt für den Wettbewerb "Trialog der Kulturen", machten sie bereits vor gut einer Woche Furore (der TV berichtete).
Und jetzt gleich der nächste Grund zur Freude: "Wir sind Preisträger!" Hedwig Serwas, Lehrerin am Vinzenz-von-Paul-Gymnasium, schickt die erfreuliche Nachricht per E-Mail aus den Ferien: Soeben hat die Herbert-Quandt-Stiftung, die den "Trialog" ausrichtet, mitgeteilt, dass die Schule eine derjenigen ist, die am Donnerstag, 8. Oktober, im hessischen Bad Homburg vor der Höhe ausgezeichnet werden.

Neun von 22 Teilnehmern sind fürs Finale ausgewählt - und dass die Niederprümer einen Preis erhalten werden, steht fest. Nur eben noch nicht, welchen: Sie sind gemeinsam mit einer Schule in Saarbrücken und einer in Nohfelden für Rheinland-Pfalz und Saarland nominiert, die weiteren Finalisten kommen aus Bremen, Hamburg und Hessen.
60 000 Euro werden verteilt, der Drittplatzierte pro Bundesland wird 4500 Euro erhalten, der Zweite 6500, der Erste 9000 - zusätzlich zum Startgeld über 3500 Euro, das die Stiftung allen Schulen bereitstellte. "Dritter sind wir auf jeden Fall", freut sich Schulleiter Andreas Ostermann.

Das gesamte vergangene Schuljahr sei von der Aktivität rund um den Wettbewerb geprägt gewesen, sagt Ostermann: Die Niederprümer fuhren beispielsweise in die Keupstraße in Köln und zur dortigen Moschee.
Andrej Filatov aus der Klasse 10 erzählt auf der Website des Gymnasiums ( www.vvpg.de ), wie die Schüler dort an einem Friseursalon Halt machen: "Hier fand am 9. Juni 2004 … das furchtbare Nagelbombenattentat statt, bei dem 22 Menschen verletzt wurden, vier davon schwer … Im November 2011 konnte der Anschlag der rechtsterroristischen Gruppe Nationalsozialistischer Untergrund zugeordnet werden."

In Trier besuchten die Schüler die Synagoge der jüdischen Kultusgemeinde, und bei beiden Besuchen, sagt Jeremy Hansen (16), der auf der Bühne den Nathan spielte, habe man Erhellendes erlebt. Zum Beispiel, wie gering doch die Unterschiede unter den Religionen seien: "Es sind eigentlich nur drei Auslegungen von ein und demselben."
Was ihn ebenfalls beeindruckte: Wie sich die Kölner Muslime gegen die Extremisten des Islamischen Staats positionieren: "Die waren da wirklich entschlossen zu sagen: Nein, das ist nicht das, woran wir glauben."
Jetzt also heißt es Daumen drücken: "Für den 8. Oktober gilt es nun einen Theaterausschnitt auszuwählen, der in Bad Homburg präsentiert werden kann, und einen dreiminütigen Film zu schneiden", sagt Hedwig Serwas. "Wir sind sehr gespannt."Meinung

Die Probe aufs Exempel
Man spürte es bereits bei der Aufführung des Theaterstücks: In Niederprüm haben sich die Jugendlichen und ihre Lehrer intensiv mit dem "Trialog der Kulturen" befasst, auch jenseits der Bühne. Einem Thema, das nicht nur die Schüler ganz aktuell besonders berührt, angesichts der vielen Flüchtlinge, die aus Angst ums nackte Leben ins Land kommen: Menschlichkeit und echte Toleranz, sie werden da gerade mal aufs Neue auf die Probe gestellt. Und während sich manche bereits wieder von den Hetzern aufstacheln lassen, sind die Schüler nun noch besser gegen geistige Brandstifter und Blödbacken gerüstet. Bei all der Schwere des Themas sollte aber auch das nicht vergessen werden: Sie haben schon jetzt, auf vielen Ebenen, gewonnen. Das Wettbewerbsgeld ist da nur die gern genommene Zugabe. f.linden@volksfreund.deExtra

Die Herbert-Quandt-Stiftung schreibt den Wettbewerb seit zehn Jahren aus. Ziel: eine bessere Verständigung zwischen Christen, Juden und Muslimen in Deutschland. Roman Weigand, Pressechef der Stiftung, erläutert die Kriterien: Es gehe darum, wer am nachhaltigsten gearbeitet habe, wer das beste pädagogische Konzept entwickelte. Und: "Wurden die drei monotheistischen Religionen berücksichtigt, war es also ein echter Trialog der Kulturen?" Die Niederprümer haben dabei offenbar vieles richtig gemacht. fpl