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Literatur
Ulrike Blatter feiert Buchpremiere in Stadtkyll

Ihre Oma war aus Stadtkyll: Ulrike Blatter.
Ihre Oma war aus Stadtkyll: Ulrike Blatter. FOTO: Andrei Melinte
Stadtkyll. Die Autorin mit großmütterlichen Wurzeln in der Eifel stellt ihren neuen Roman „Der Hütejunge“ vor. Er erzählt vom Aufwachsen in den Kriegsjahren. Von Fritz-Peter Linden
Fritz-Peter Linden

Das könnte ein Abend werden, an dem viele ihre eigenen Erinnerungen wiedererkennen: „Der Hütejunge“, Ulrike Blatters fünfter Roman, ist einerseits die Aufarbeitung ihrer persönlichen Familienhistorie und erzählt zugleich die Geschichten der Eifeler Kriegskinder. Ulrike Blatter ist gebürtige Kölnerin, aber seit ihrer Kindheit, schreibt sie, „immer mit einem Fuß in der Eifel“ – und, wie ihre Stadtkyller Oma Katharina Hohn zu sagen pflegte, „mit dem Kopf in den Wolken“.

Held des Romans ist ein Junge aus dem Dorf, der 1934 als letztes von sechs Geschwistern geboren wird und vaterlos aufwächst. Die Familie gilt als politisch unzuverlässig. Schon früh müssen die Kinder arbeiten – auch der Jüngste. Der Lohn des Hütejungen: das tägliche Mittagessen und ein Paar Winterschuhe pro Jahr.

Der Nationalsozialismus lockt mit Gemeinschaft und Abenteuer. Die Kirche schaut auf Sitte und Moral. Wer in der Schule zu viele Fragen stellt, gilt als dumm. Während die Welt der Erwachsenen immer widersprüchlicher wird, und manch einer Angst hat vor dem, was die eigenen Sprösslinge draußen ausplaudern könnten, erschaffen sich die Kinder ein eigenes Universum voller Lebensfreude, mit wilden Spielen und Draufgängertum. „Der Roman gibt Denkanstöße, deckt eigene Erinnerungen auf und macht politische und gesellschaftliche Zusammenhänge deutlich“, sagt Schriftstellerin Gudrun Pausewang, zweifache Trägerin des Jugendliteraturpreises, zum „Hütejungen“.

Ulrike Blatter hatte 1994 zum 60. Geburtstag ihres Vaters eine Rede voller Anekdoten geschrieben. Damit traf sie offenbar einen Nerv: Verwandte und Freunde begannen ihr eigene Geschichten zu erzählen, alles Berichte, die sie nicht vergessen konnte und irgendwann aufschrieb. Hinzu kamen in den nächsten Jahren viele Interviews mit Zeitzeugen, so dass das Panorama immer vielfältiger wurde.

Die Geschichten der Kriegskinder ließen Ulrike Blatter nicht mehr los und führten dazu, dass sie inzwischen hauptberuflich als Autorin arbeitet. Seit fast zwanzig Jahren arbeitet die Ärztin und Psychotherapeutin außerdem ehrenamtlich für Kinder und junge Erwachsene in Bosnien.

Die Buchpremiere ist am Freitag, 19. Oktober, 19 Uhr, im Festsaal des Restaurants La Sirena in der Auelstraße. Einen Vorverkauf gibt es nicht, der Eintritt kostet 5 Euro.

Ulrike Blatter: Der Hütejunge, cmz-Verlag Rheinbach, 398 Seiten, Bildteil historische Fotos, 20 Euro.