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Demnächst nur noch ein einziger Kunde für Tesla Grohmann in Prüm

Reserviert für Tesla – das gilt jetzt erst recht: ein Wagen der Marke an der Ladestation in Prüm. TV-Foto: Fritz-Peter Linden
Reserviert für Tesla – das gilt jetzt erst recht: ein Wagen der Marke an der Ladestation in Prüm. TV-Foto: Fritz-Peter Linden FOTO: (g_geld )
Prüm. Alle anderen raus: Tesla Grohmann in Prüm soll künftig nur noch für den US-Autohersteller arbeiten und entwickeln. Fritz-Peter Linden

Prüm Spannende Tage rund um Tesla Grohmann Automation in Prüm: Die 680 Mitarbeiter haben am Freitag erfahren, dass Firmengründer Klaus Grohmann raus ist (der TV berichtete) - und schon folgt der nächste Streich. Denn sie sollen in absehbarer Zeit, anders als zunächst verkündet, nur noch für den kalifornischen Elektro-Autohersteller arbeiten, in der Entwicklung neuer Automatisierungstechnik. Die bisherigen Aufträge für Kunden außerhalb werden noch abgearbeitet, danach ist Feierabend.

Den Grund für diese Entscheidung teilt Tesla auf TV-Anfrage mit: Man benötige alle Kapazitäten in Prüm, um die Fertigung des Model 3 in großer Stückzahl voranzutreiben, sagt eine Pressesprecherin des Unternehmens. Darüber hinaus, so heißt es in einer schriftlichen Stellungnahme, gebe es "beträchtliche Arbeit" im Hinblick auf die Produktion weiterer Tesla-Projekte. Und auch dabei werde das Werk in Prüm eine zentrale Rolle spielen: Im Lauf der Zeit werde es deshalb "erheblich" ausgebaut. Gleichzeitig arbeite man "an einer schnellen und reibungslosen Übertragung derzeitiger Kunden an andere Zulieferer".

Die Kundschaft weiß bereits Bescheid: "Die Neuigkeiten von Grohmann sind für uns natürlich kein Anlass zur Freude", sagt BMW-Pressesprecher Michael Rebstock zum TV. Das Ende der Zusammenarbeit komme allerdings nicht ganz unerwartet, zudem sei man auch nicht zum ersten Mal damit konfrontiert, dass ein Zulieferer ausfalle.
Man habe sich seit der Übernahme von Grohmann Engineering durch Tesla ohnehin bereits Gedanken gemacht, wie es im Fall des Falles weitergehen könne. "Jetzt hat man uns diese Entscheidung abgenommen." BMW sei vorbereitet: "Es ist ja für unser Management nicht das erste Mal, dass umdisponiert werden muss."
Wie reagieren die Mitarbeiter im Prümer Werk? "Das muss man erst mal verdauen", sagt der Betriebsratsvorsitzende Uwe Herzig. Immerhin bestätigt sich nun die Befürchtung vieler Beschäftigter, dass man die bisherige Kundschaft verlieren könne. Deshalb hätten viele Kollegen kritisch auf die neue Ansage reagiert. Auch Herzig macht sich Gedanken: "Wenn du quasi nur noch einen Kunden hast, bist du immer abhängig." Außerdem drohe Betriebsblindheit - es bestehe die Gefahr, dass man den Blick auf Entwicklungen jenseits des Unternehmens verliere.

Allerdings sieht der Betriebsratsvorsitzende auch positive Aspekte: Man werde "vom Sondermaschinenbau zur Edelschmiede" wachsen, sei ein starkes Unternehmen "am Puls der Zeit". Und: "Bisher waren wir renditeorientiert. Das steht jetzt an zweiter Stelle. Das Wichtigste ist jetzt das Produkt."
Unterdessen geht die Suche nach neuen Mitarbeitern bei Tesla Grohmann weiter: Gefragt sind "Weltklasse-Ingenieure, die uns dabei helfen, die Maschine zu entwickeln, die die Maschine baut", heißt es auf der Tesla-Website. Und: "Diese Aufgabe ist nicht für jeden geeignet. Sie müssen die unbedingte Leidenschaft haben, einige der schwierigsten Probleme der Welt zu lösen."

Damit die erhofften Weltproblemlöser auch zu kriegen sind, fordert die Gewerkschaft IG Metall (die in der Grohmann-Belegschaft seit der Tesla-Übernahme mehr als 150 neue Mitglieder zählt) vom Unternehmen die Einwilligung in Tarifverhandlungen. Bisher liegt aber lediglich ein Angebot vor, den Beschäftigten 150 Euro mehr im Monat zu bezahlen.
Die IG Metall, sagt der Trierer Gewerkschaftssekretär Patrick Georg, habe deshalb für den heutigen Donnerstag zur Mitgliederversammlung eingeladen: Es sei gerade jetzt wichtig, dass den Beschäftigten Arbeitsplatzgarantien gewährt würden. Und diese Forderung "werden wir auf der Mitgliederversammlung beschließen". Außerdem streben die Metaller die Vereinbarung einer Mindestbeschäftigtenzahl an und den Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen.

Viel verlangt, vor allem von einem amerikanischen Arbeitgeber. Oder? "Wir haben ja hier kein amerikanisches Recht", sagt Patrick Georg. Und Tesla sei nicht der Erste aus der Branche, der das akzeptieren müsse - "wie schon Ford und General Motors".Extra: TESLA ZIEHT AN FORD VORBEI

(dpa/fpl) Henry Ford machte das Auto vor mehr als 100 Jahren dank Fließband zum erschwinglichen Massenprodukt. Tesla-Chef Elon Musk versucht jetzt das Gleiche mit der Elektromobilität. Viele glauben, dass das dem 45-Jährigen gelingen wird: Am Aktienmarkt übersteigt der Tesla-Börsenwert mit gut 49 Milliarden Dollar (46 Milliarden Euro) aktuell den von Ford und liegt nur noch knapp hinter US-Marktführer General Motors. Dabei schreibt Tesla weiter rote Zahlen, in den vergangenen fünf Jahren fielen rund 2,3 Milliarden Dollar an Verlusten an.