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Der fliegende Highlander: Steven Rößler-McAulay

FOTO: (e_pruem )
Alendorf/Esch. Schotte, Eifeler - und einer der besten Weinkenner im Land: Der "Schlemmer-Atlas" zählt Steven Rößler-McAulay zu den 50 Top-Experten. Der TV hat den 55-Jährigen, der auch als "Fliegender Sommelier" herumdüst, im Oberen Kylltal besucht und mit ihm ein paar Geschichten entkorkt. Fritz-Peter Linden

Alendorf/Esch. Kleine Trink-, pardon, Recherchetour an den Rand des Oberen Kylltals: Da schiebt sich, auf der Höhe von Esch und Feusdorf, ein nordrhein-westfälischer Zipfel nach Süden. Mittendrin: Alendorf. Dort lebt, mit Ehefrau Daniela, Steven Rößler-McAulay. 55 Jahre alt - und gebürtiger Schotte.

Schotte, okay. Das Kilt-Klischee (hat er, trägt er gelegentlich) überspringen wir gleich und nehmen das nächste: Whisky. Steven Rößler-McAulay nimmt zwar auch gerne mal einen zu sich - aber der ist dann meistens aus Irland und schreibt sich mit "e" vor dem "y".
Nein - er macht in Wein. Und das gelingt ihm so gut, dass ihn jetzt der "Schlemmer-Atlas" unter die 50 besten Experten ("Sommeliers") in Deutschland gewählt hat. Und in der kommenden Ausgabe des Magazins "Der Feinschmecker" kann man ein Porträt über ihn lesen - als Eifeler Weltkind mitten zwischen den Berufskollegen aus dem Berliner Hotel Adlon und vom Münchener Zweisternetempel "Tantris". Das ist ihm - er sei doch nur ein kleiner Gewerbetreibender vom Dorf, sagt er - fast schon ein bisschen unheimlich.

Vor 55 Jahren wurde Rößler-McAulay in Motherwell bei Glasgow geboren. Es sei eine typische schottische Kindheit gewesen, sagt er: "Das Motto: Wir können uns kein Kind leisten? Scheißegal, wir kriegen vier."
Mit 16 türmte er, nicht zuletzt des Stiefvaters wegen, zum Militär, zum Regiment der "Gordon Highlanders", mit 20 habe er alles an Disziplin und Durchsetzungsfähigkeit drauf gehabt, was man braucht. Dann kam er mit der britischen Rheinarmee nach Deutschland - und blieb, weil es ihm hier gefiel.

Und warum Alendorf? "Ich hab das Haus 2003 gesehen, als es angeboten wurde. Ein Traum." Er sei schon ziemlich heimisch hier in den Eifeler Medium-Highlands, auch wenn ein Drittel der Leute ihn noch anschaue "wie das Kaninchen im Scheinwerfer". Und die anderen? "Ein Drittel ist ganz normal. Und ein Drittel kenn ich noch nicht."Seminare überall


Wie hat er Daniela kennengelernt? "Wir wurden verkuppelt. Bei einer Weinprobe. Bei mir zu Hause. Das war am 7. August 2008. Seit dem 8. 8. 2008 sind wir ein Paar." Und Kollegen: Daniela ist ebenfalls anerkannte Beraterin, für deutsche Weine - und spezialisiert auf Erzeugnisse von der Saar. Eine großartige Anbauregion, findet er, die derzeit besonders von der globalen Ewärmung profitiere: "Die feiern einen Spitzenjahrgang nach dem anderen."
Von der Eifel aus startet er regelmäßig als "Fliegender Sommelier" zu Weinseminaren und anderen Veranstaltungen, für die er als Fachmann gebucht wird - in der Heimat zum Beispiel auch im Hillesheimer Hotel Augustiner-Kloster. Und deutlich darüber hinaus: Er kommt durch die ganze Republik. Oder die Republik ruft bei ihm an, um sich beraten zu lassen. Wenn sie nicht gleich in Alendorf reinschaut, denn auch dort bietet er seine Seminare und Weinproben an. Und dann sind durchaus schon mal Gäste dabei, die wegen seiner Expertise aus Hamburg oder Hannover oder dem benachbarten Ausland anreisen.
Dabei hat er doch etwas ganz anderes gelernt, ursprünglich: Rößler-McAulay wurde nach seiner Zeit als Berufssoldat zuerst Finanzberater. Auch das machte er gut (und brachte ihm das Geld für sein Haus ein). Aber dann packte ihn die Lust auf guten Wein - in Darmstadt: Dort hatte er ein Seminar zum Thema Altersversorgung für Mitarbeiter der Europäischen Weltraumorganisation ESA gehalten. Abends im Hotel bot ihm die Chefin einen besonderen Wein an. "Dabei hab ich zwischen dem 21. und dem 39. Lebensjahr gar keinen Alkohol getrunken." Es folgte eine Reise ins Burgund: Auf einem Weingut kaufte er drei Flaschen, verschenkte zwei, probierte die Dritte und fühlte sich veräppelt: 50 Mark ausgegeben - dafür? "Ich hatte alles falsch gemacht: die Flasche 15 Jahre zu früh geöffnet, nicht dekantiert, einfach so getrunken." Und da habe er sich vorgenommen, das von nun an richtig zu machen: "Das war der Anfang." Zumal ihm der Vorbesitzer seines Hauses einen großen Weinkeller hinterlassen hatte, der gefüllt sein wollte. Das ist mittlerweile erledigt.
Und was für einen Rat hätte der Weinbotschafter für die TV-Leser? "Es geht mir darum, den Leuten den Wein nahezubringen." Dabei solle sich niemand von elitärem Geschwätz und großspurigen Fachbegriffen verrückt machen lassen. Und erst recht nicht von den Punkten, die etwa ein Robert Parker verteile. Lieber dem eigenen Geschmack vertrauen - und Steven Rößler-McAulay, der nicht nur ein wunderbares Deutsch spricht, sondern auch klar und deutlich über Wein reden und dabei herzhaft lachen kann. Wohlsein!

Mehr unter: www.sommelier-select.comExtra

Der TV bat Steven Rößler-McAulay um Empfehlungen für erschwingliche Weine. Auf geht's: Weingut C.H. Berres, Ürzig, Telefon 06532/2513: Impulse Riesling 2014, 8,80 Euro: "Der Wein, der Trocken- und Halbtrockenfans gleichwohl begeistert." Ürziger Würzgarten Riesling Auslese 2012, 15,50 Euro: "Trockenfrüchte und Nuancen von Mango und Passionsfrucht, am Gaumen Rosine und Aprikose, herrlich!"

Weingut Markus Hüls, Kröv (06541/8189369): Gutsriesling Qualitätswein trocken, 2015, 8,50 Euro - "selektive Handarbeit in Steillagen ergibt Top-Qualität, einen eleganten Charakterwein mit Tiefgang". Spätburgunder Qualitätswein trocken, 2014, 13,50 Euro: "Der rote Vorreiter von der Mosel, Terroir-geprägter Burgunder-Spaß im Glas." Und, klar, schnell noch was von der Saar: Weingut Peters, Wiltingen, (06501/18753): 2015er Scharzhofberger Riesling Spätlese trocken, 9,76 Euro: "Ein Wein von einem der legendärsten Weinberge der Welt, der einzigartige Boden liefert Mineralität pur." Sauvignon Blanc Qualitätswein trocken, 2015, 8,10 Euro: "Der einzige Sauvignon Blanc von der Saar, ein köstlicher Exot, mit reifer Frucht und spannend eingebundenen Stachelbeeraromen." fpl