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Erziehung
Junges Gemüse, blühende Farben

Alles kleine Könner: Die Kinder in der Tagesstätte Lasel.
Alles kleine Könner: Die Kinder in der Tagesstätte Lasel. FOTO: Fritz-Peter Linden
Lasel. Der Kindergarten in Lasel ist vom Land zur Konsultationstagesstätte ernannt worden. Dahinter steckt ein besonderes Erziehungs- und Bildungskonzept. Der TV hat sich ebenfalls konsultieren lassen, von einigen klugen Sechsjährigen. Von Fritz-Peter Linden
Fritz-Peter Linden

Cooles Komitee: Tim und Thorben, beide sechs Jahre alt, empfangen den Besucher vom Volksfreund vor der Tür der Kindertagesstätte Lasel. Und erzählen, was sie da so alles haben: „Ein Kletterhaus“, sagt Thorben, „zwei Rutschen und ...“ Tim übernimmt: „... und einen Forscherschuppen!“ Boah. Und was macht ihr da? „Forschen! Und experimentieren!“

Willkommen in der – Achtung, langes Wort! – Konsultationskindertagesstätte Lasel. Den Titel hat die Einrichtung im Nimstal soeben vom Bildungsministerium des Landes erhalten. Und sie wird drei Jahre lang mit 15 000 Euro aus Mainz in ihrer Arbeit unterstützt.

In der Forscherwerkstatt der Kita Lasel: Hier wird „Farbe ohne Gift“ gemacht.
In der Forscherwerkstatt der Kita Lasel: Hier wird „Farbe ohne Gift“ gemacht. FOTO: Fritz-Peter Linden

„Das ist schon etwas Besonderes“, sagt Kindergartenchefin Brigitte Wanken-Leibisch. Lasel sei eine von nur neun Einrichtungen im Land, die sich aktuell so nennen dürfen. Bewerben kann man sich dafür seit 2007, maximal zehn Kindergärten werden in jedem Durchgang für drei Jahre ausgewählt.

Also, Konsultationskita – was ist das nun? Für das Landes-Programm, sagt Brigitte Wanken-Leibisch, setze sich jede Einrichtung einen Schwerpunkt. „Bei uns ist das Bildung für nachhaltige Entwicklung.“

Klingt immer noch sperrig, heißt in Lasel aber, dass man den Schützlingen „Freude an eigenen Fragen und am Philosophieren“ vermitteln will, sie in ihrem Tatendrang unterstützen, ihnen Erlebnisse und Erfahrungen ermöglichen, aus denen sie Bleibendes lernen.

Wie die Sache mit den Farben: Mit denen, siehe oben, experimentieren sie nämlich kräftig: „Aus Rotkohl“, erklärt Tim, „kann man Farbe machen.“ Echt, und nicht nur aus Gemüse: Thorben zählt locker drei weitere Substanzen auf – „Zitronensäure, Natron und Soda. Damit haben wir die Farben geändert. Grün, blau – oder heller. Und wir haben Sumpfkalk!“ Wow. Wieso? „Damit können wir die Farben auch ändern.“ Kaum zehn Minuten da, haben uns die Jungs schon was beigebracht.

Dass sie mit ihren Farben auch gleich die Ostereier angemalt haben, versteht sich von selbst. Nicht aber, dass die Eierschalen anschließend zu Pulver zerstampft wurden und aufbewahrt: Denn damit kann man später wieder malen, wenn man sie mit Wasser oder Öl verflüssigt. So geht nachhaltig.

Nebenan schnippeln vier weitere Kinder Rhabarber in kleine Stücke. Alles kommt in einen großen Topf. Es sei gerade Rhabarberzeit, sagt die Kita-Chefin. Gemeinsam, regional und saisonal: Gekocht wird alle paar Tage. „Und die Gäste werden auch alle von den Kindern bewirtet“, sagt Brigitte Wanken-Leibisch. Schon kommt Jakob (6) um die Ecke und fragt den Besuch, ob er etwas trinken möchte. Er rollt den Servierwagen heran und zapft ein Glas Kräuterbowle – souveräner als manch ein Erwachsener. Top.

Die Erfahrungen der Kita Lasel mit ihrem Bildungsprogramm sollen auch anderen Einrichtungen zur Verfügung gestellt werden. So kann man sich dort zum Besuch anmelden, die Arbeit in der täglichen Praxis verfolgen, mitarbeiten, Fachgespräche führen – Konsultationen eben.

Kinder, schreiben die Erzieherinnen, „wollen experimentieren, wollen die Welt entdecken und erforschen, Kontakte knüpfen und sich mitteilen, wollen ernst genommen werden und sich in ihre Fantasiewelten zurückziehen können.“ All das müsse „in der Materialauswahl, dem Alltagsangebot und der Haltung zum Kind bei uns seine Entsprechung finden“.

Gleichzeitig will man den Kleinen Werte nahe bringen und sie ermutigen, Haltung zu zeigen, Verantwortung zu übernehmen, respektvoll miteinander umzugehen. Beim TV-Besuch in Lasel ist das alles spürbar: Die Kinder sind selbstbewusst, offen und rücksichtsvoll. Beim Fototermin am Kletternetz, pardon, dem „Bienenkorb“, entsteht zwar ein wildes Gewimmel, aber kein Gezänk. Und alle achten darauf, dass sich niemand wehtut.

Draußen sind sie ohnehin stundenlang. Neben den Spielgeräten und der Forscherstation haben sie einen eigenen Garten, ein Hochbeet, ein Gewächshaus. Motto: säen, pflegen, ernten.

Die Kita kooperiert mit der Berufsbildenden Schule Prüm – damit die dort ausgebildeten Erzieher von der Arbeit in Lasel ebenfalls profitieren können. Die Zusammenarbeit, sagt die stellvertretende Schulleiterin Michaela Widowsky, laufe bereits seit Jahren. „Wann immer wir einen Experten im Unterricht zu Themen der Praxis brauchen, ist die Kita in Lasel hilfsbereit und hat so schon unglaublich wertvolle Beiträge zum Unterricht der Fachschule Erzieher und auch im Beruflichen Gymnasium geleistet.“

Brigitte Wanken-Leibisch sei seit vielen Jahren im Prüfungsausschuss der Erzieher tätig. Die Kita nehme „jederzeit Praktikanten auf, die dort auf sehr hohem fachlichen Niveau gefordert und gefördert werden“ und sei schlicht „eine absolut bemerkenswert kompetente Einrichtung, die völlig zu Recht Konsultationskita geworden ist“.

Das Vorgehen in Lasel sei in 20-jähriger Arbeit gewachsen „und von den Eltern mitgetragen“, sagt Brigitte Wanken-Leibisch. Deshalb sei das auch nicht einfach nur ein Projekt: „Das ist Alltag, der hier gelebt wird.“

Man merkt es. Auch in Mainz: Vertreter des Bildungsministeriums zeigten sich sehr angetan vom Angebot: Man lege jedem Interessierten „den Besuch dieser Kita besonders ans Herz – es lohnt sich diesen Schatz in der Eifel zu entdecken!“ Und die jungen Herrschaften, die dort schon manchem Großen zeigen, wo es lang geht.

Wer sich für einen Besuch in Lasel interessiert, kann sich dort melden unter Telefon 06553/2249, Montag bis Donnerstag zwischen 14 Uhr und 16 Uhr. Oder per E-Mail an: kiga.lasel@t-online.de