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Der Mann mit dem Messer setzt sich zur Ruhe

Das Skalpell legt er nun zur Seite: Karl-Georg Hermans in Arbeitskleidung im Operationssaal des St. Joseph-Krankenhauses in Prüm. TV-Fotos: Archiv/Fritz-Peter Linden, Stefanie Glandien
Das Skalpell legt er nun zur Seite: Karl-Georg Hermans in Arbeitskleidung im Operationssaal des St. Joseph-Krankenhauses in Prüm. TV-Fotos: Archiv/Fritz-Peter Linden, Stefanie Glandien
Prüm. Karl-Georg Hermans, Chefarzt der Chirurgie, geht am 1. September in den Ruhestand. Der Mediziner arbeitete 26 Jahre lang im St. Joseph-Krankenhaus in Prüm. Sein Nachfolger wird Thomas Beyer. Stefanie Glandien

Prüm. Ist es zu hoch gegriffen, wenn man sagt: Dieser Mann war am Prümer St. Joseph-Krankenhaus eine Institution? Nein, im Fall von Karl-Georg Hermans ist es das sicher nicht. Obwohl der scheidende Chefarzt der chirurgischen Abteilung sofort energisch abwinken und sagen würde: "Alles Quatsch!".
Er mag weder große Worte noch viel Wirbel um seine Person. Bloß keine an Grabreden erinnernden Abschiedsworte zum Ende der Karriere. Denn die hat der 65-Jährige in Prüm gemacht. Der gebürtige Euskirchener war Oberarzt in Homburg, als er eher zufällig von der Stelle im Prümer Krankenhaus erfuhr. 26 verdienstvolle Jahre in der Eifel folgten. In seinem Spezialgebiet Prothetik - dem Ersatz von Hüften und Knien sowie Gelenkspiegelungen - machte sich Hermans schnell einen Namen bis über die Grenzen Triers und Kölns hinaus. "Es bestand ein erheblicher Bedarf - das machte damals weit und breit keiner", sagt Hermans.
Rund 5000 Knie und Hüften hat er seinen Patienten eingesetzt. Im Durchschnitt operierte er fünfmal am Tag, 25 Mal die Woche, 1000 Mal im Jahr. "Ich habe sicherlich 25 000 Menschen operiert", rechnet der Arzt hoch.
Schon sein Vater war Chirurg. "Deswegen wollte ich das auf keinen Fall machen. Mein Vater war nie zu Hause", erinnert sich Hermans. Doch statt Maschinenbau studiert er dann doch Medizin, tritt in die Fußstapfen seines Vaters und absolviert 14-Stunden-Tage. "Ich habe immer viel gearbeitet, aber mich nie gestresst gefühlt", sagt er. Nach der Besprechung am Morgen, Operationen und Dienst in der Ambulanz tagsüber, standen noch die Visiten an. Da passierte es regelmäßig, dass der Doktor dann zwischen 22 und 22.30 Uhr abends durch die Krankenhausflure ging. Auf Beschwerden reagierte er gerne immer augenzwinkernd mit dem Spruch: "Ich bin doch nicht als Zwilling auf die Welt gekommen. Ich kann nur hintereinander arbeiten."
In seiner freien Zeit verreiste Hermans gerne, bevorzugt nach Afrika und Asien. Das hat er auch in Zukunft vor. "Ich werde jedenfalls keine Kochkurse belegen und auch nicht den Rasen mähen", widerspricht Hermans Gerüchten über seine Zukunft. Da will er sich aber auch nicht gerne allzu tief in die Karten gucken lassen, nur so viel: "Ich werde keine Privatpraxis aufmachen, aber ich habe auch nicht vor, nichts zu tun. Ich bin in der Region so bekannt, dass ich mir vorstellen könnte, dass mich noch jemand beschäftigen will."

Auch sein Engagement für das Friedensdorf will er weiter fortführen. Schon jahrelang hat er immer wieder verletzte Kinder aus Katastrophen- und Kriegsgebieten ehrenamtlich operiert.
Doch nun heißt es erst mal Abschied nehmen. "Mir hat der Job großen Spaß gemacht", sagt Hermans, dem eine gute Arbeitsatmosphäre immer wichtig war. Und da er sich in der Region wohlfühlt, wird er auch in Prüm wohnen bleiben.

Karl-Georg Hermans.
Karl-Georg Hermans.