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"Der Radweg profitiert von der Bahn"

In der Diskussion um die künftige Nutzung der stillgelegten Bahnstrecke Prüm-Gerolstein setzt Jörg Petry von der Vulkan-Eifel-Bahn auf eine Doppel-Lösung: Die Gleise sollen erhalten bleiben, ein Radweg teilweise parallel verlaufen. Von unserem Redakteur Marcus Hormes Von Marcus Hormes

Prüm/Gerolstein. Der Wunsch nach einem durchgängigen Radweg zwischen Prüm und Gerolstein kristallisiert sich immer mehr als Favorit bei Bürgern und politischen Entscheidungsträgern heraus. Müssen dafür die Gleise weichen? Nein, meint Jörg Petry, Geschäftsführer der Vulkan-Eifel-Bahn (VEB). Eine Reaktivierung der Bahnverbindung für touristische Schienenbus-Fahrten schließe den Radweg-Wunsch nicht aus: "Beides ist machbar. Der Radweg profitiert von der Bahn — und umgekehrt." Dafür nennt Petry Argumente.Die Stationen: An den meisten Orten zwischen Prüm und Gerolstein führt die Bahn weit vorbei. Für den Bahnbetrieb ist das nicht entscheidend, weil für Ausflügler als Kern-Kundschaft vor allem die beiden Endpunkte zählen. Bei einem Radweg wäre jedoch eine Trassenführung durch die Ortschaften für Radler wie für Gastronomen wesentlich attraktiver.Das Höhenprofil: Von Gerolstein bis Gondelsheim-Bahnhof hätten Radler 16 Kilometer machbare, aber stetige Steigung ohne Attraktionen unterwegs zu bewältigen. Beim Rückweg von Prüm aus käme ebenfalls eine Steigung bis Gondelsheim-Bahnhof dazu. "Gerade die Familienfreundlichkeit ist für einen Radweg wichtig", sagt Petry. "Mit der Bahn können Radler je nach Bedarf Abschnitte bequem überwinden."Der Platz: Bis 1930 war die Strecke durchgehend zweigleisig. Abschnittsweise ließe sich der damals abgebaute zweite Bahnkörper für einen Radweg nutzen. Es gibt allerdings Engstellen wie Brücken sowie Abschnitte, auf denen der verbliebene Bahnkörper in die Mitte verlagert wurde.Die Ausweichroute: "Es gibt viele asphaltierte Wirtschaftswege mit wenig Verkehr, die ohne große Mühe als Radwege zu nutzen wären", hat Petry ermittelt. Über diese Wege könnten etwa Gerolstein-Oos, Schwirzheim und Weinsheim-Gondelsheim angebunden werden. Gondelsheim-Bahnhof könnte zu einem Verknüpfungspunkt Rad/Bahn mit Gastronomie werden. Statt über Willwerath soll der Radweg durch Weins heim führen und erst zwischen Hermespand und Dausfeld wieder auf die Bahntrasse treffen. Von Gerolstein-Zentrum bis zum Stadtteil Lissingen führt schon der Kylltal-Radweg.Westeifelbahn schließt an Eifelquerbahn an

Die Kosten: "Die teilweise Nutzung vorhandener Wege und die insgesamt kürzere Strecke würden den Radweg erheblich billiger machen", stellt Petry fest. Für einen dreijährigen Bahn-Probebetrieb (am Wochenende) von Mai bis Oktober kalkuliert die VEB mit Investitionen von rund 400 000 Euro für die Schienen-Infrastruktur. Bei 50 Prozent Landeszuschuss und 50 000 Euro von der VEB müssten die Kommunen die restlichen 150 000 Euro zahlen (siehe Extra). Für einen Dauerbetrieb wären weitere Investitionen nötig. Pro gefahrenen Zugkilometer bekommt die VEB einen Landeszuschuss über den Zweckverband SPNV Nord (Schienen-Personen-Nahverkehr).Die Vernetzung: Die Rad- und Wanderwege vom Rhein über das Kyll- und Prümtal wären auch per Schiene vernetzt, die Region durch die Anbindung ans Schienennetz touristisch besser erschlossen — bei jedem Wetter. An die von der VEB betriebene Eifelquerbahn zwischen Ulmen/Kaisersesch und Gerolstein würde sich die Westeifelbahn bis Prüm anfügen.Den Vorwurf, Schienen-Verkehr grabe Omnibus-Unternehmen das Wasser ab, weist Jörg Petry zurück: "Die Regionallinie 500 fährt parallel zur Eifelquerbahn, wir tun uns nicht weh. Der Bus hat ein Akzeptanz-Problem bei Touristen, wird aber zum Beispiel auf dem Schulweg oder zum Einkaufen genutzt und fährt im Gegensatz zu uns täglich und ganzjährig."Liebe Leserinnen und Leser, was halten Sie von "Bahnverkehr plus Radweg"? Welche Vor- und Nachteile hat diese Variante? Mailen Sie uns Ihre Meinung an eifel-echo@volksfreund.de. Name und Anschrift bitte nicht vergessen.Meinung Prüfen vor dem endgültigen Aus Der Radweg Prüm-Gerolstein wird kommen. Fragt sich nur, wo genau er verlaufen wird. Mit seinem Vorschlag will Jörg Petry den Wind aus den Segeln der Kritiker nehmen, die Radwegbau plus Schienenverkehr als zu teuer ablehnen. Die teilweise Nutzung asphaltierter Feldwege unbesehen zu verwerfen, wäre fahrlässig. Gerade der Blick auf die Kosten verlangt eine ordentliche Prüfung. Wie Schienenbusse angenommen würden, lässt sich schwer vorhersagen. Wie bei der Eifelquerbahn wird es nie ohne öffentliche Zuschüsse laufen. Was die touristische Gleisanbindung der Region und dem Land wert sind, will wohlüberlegt sein. Ein Abbau der Infrastruktur wäre das endgültige Aus — auch für die derzeit offenbar wenig populäre Option Draisinenbahn. m.hormes@volksfreund.deEXTRA Die stillgelegte Bahntrasse gehört der VG Prüm (15 Kilometer) und der Stadt Gerolstein (acht Kilometer). Beide Kommunen entscheiden über die künftige Nutzung und müssen grundsätzlich die Kosten tragen. Der VG-Rat Gerolstein hat in seiner jüngsten Sitzung einen Nachtragshaushalt beschlossen. Darin sind 52 000 Euro für die Reaktivierung der Bahnstrecke vorgesehen, falls die Stadt Gerolstein sich nicht in der Lage sieht, ihren Kostenanteil zu tragen. Neben Radweg und Schienen-Verkehr ist die Variante Draisinenbahn im Rennen. Mit Spannung erwartet wird die Sitzung des VG-Rats Prüm am 23. Oktober. Ob dort ein Beschluss zur Bahnstrecke gefasst wird, ist offen. Am 24. Oktober will sich der Prümer Stadtrat mit dem Thema befassen. (cus)