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Die alte B 51-Brücke? Da war doch noch was im Rommersheimer Wald!

Roland Münz, der alte Prümer Revoluzzer. TV-Fotos (2): Fritz-Peter Linden
Roland Münz, der alte Prümer Revoluzzer. TV-Fotos (2): Fritz-Peter Linden FOTO: (e_pruem )
Prüm/Rommersheim. Nach unseren Berichten über die Bauruine im Rommersheimer Wald hat sich Roland Münz gemeldet - und Erinnerungen ausgebuddelt. Fritz-Peter Linden

Prüm/Rommersheim Da hat Roland Münz schnell noch mal im Archiv gewühlt und uns einige Geschichten mitgebracht - ausgelöst von unseren Berichten über die nutzlose Brücke, die seit den 70er Jahren im Rommersheimer Wald vor sich hingammelt und damals wie heute mit allerlei Graffiti und Parolen besprüht und bemalt wurde.

Münz hat noch frühe Fotos davon aus dieser Zeit - auf seinen Bildern sieht man, wie kreativ und pragmatisch die Eifeler mit dem Bauwerk umgingen: "Die wurde als Holzlager genutzt", sagt er und zückt gleich ein Beweisfoto - siehe unten.

Roland Münz war aber auch, zusammen mit einer Gruppe weiterer junger Prümer, ein früher Umweltaktivist. Auch davon hat er noch ein Dokument: ein Flugblatt vom August 1979. Denn in der Abteistadt gründet sich in jenem fernen Sommer die "PAU" - die "Prümer Aktion Umweltschutz". Ihre Mitglieder, so steht es auf dem maschinengetippten und handschriftlich ergänzten Blatt, wollen "ausschließlich friedlich und überparteilich aktiv werden" und kommen "aus allen Teilen der Bevölkerung".
Sie ziehen nicht nur gegen Brücken in der Natur zu Felde: Auf dem Blatt machen sie auch klar, wofür und wogegen sie noch alles eintreten wollen - für Landschafts-, Gewässer- und Lärmschutz (vor allem vor Fluglärm) und für die "Verwertung unersetzlicher Rohstoffe", sprich: Recycling.

Heute hat sich das mit dem - meist militärischen - Fluglärm ziemlich gegeben über dem Eifel-Himmel. Und die anderen Dinge sind alles Selbstverständlichkeiten. Damals aber war es noch eine Neuigkeit, als die PAU auf dem gleichen Wurfzettel verkündete: "Ab jetzt: öffentl. Altglascontainer auf dem Krankenhausparkplatz!"
Ein Anliegen sticht hervor: "Wegen der unermeßlichen Gefahr der Kernenergie nimmt der Kampf gegen die Atomkraft einen vorrangigen Raum in der PAU-Arbeit ein", schreibt die Initiative.

Wie groß diese Gefahr tatsächlich war und ist, zeigt der bis dahin schwerwiegendste Unfall in Harrisburg, Pennsylvania: Im Reaktor auf Three Mile Island war es im April 1979 zur Kernschmelze gekommen. Das Thema blieb beängstigend aktuell - es folgte die Tschernobyl-Katastrophe, es folgte Fukushima - und derzeit sorgen sich viele wegen der nahen Pannenreaktoren im belgischen Tihange und im französischen Cattenom.
Zu den Mitgliedern der Initiative zählte damals auch Manfred Michels - jener Künstler, über den wir vor zwei Wochen berichteten: Michels, der heute in Saarbrücken lebt, hat die nutzlose, für die damals dort geplante B 51 (oder Europastraße 42, in der Eifel deshalb oft nur "die E" genannt) gebaute Brücke mit einem Ameisen-Graffiti versehen.

Gärtnermeister Roland Münz blieb in seiner Heimatstadt, heute handelt er in der Hillstraße mit Blumen und betreibt dort seine Gärtnerei. Es sei gut, sagt er, dass der zunächst geplante Verlauf der "E" damals "gestorben ist. Es wäre eine Schande gewesen, wenn die durch die Schönecker Schweiz gegangen wäre".
Allerdings waren es nicht die PAU-Aktivisten, die den Bau der B 51 an dieser Stelle verhinderten: Es seien, so mutmaßt er, wohl eher "jagdliche Interessen" gewesen: "Die wurden am Schluss vorgeschoben, damit man die A 60 präferieren konnte."

Die B 51 hingegen führt nun zur Autobahn und verschont die Schönecker Schweiz. Auch dazu fällt Roland Münz eine Anekdote ein: Denn in der ursprünglichen Planung sollte die Autobahn näher an Pronsfeld vorbeiführen. Nun habe es aber damals im Bundesverkehrsministerium einen Mann mit Verbindung nach Prüm gegeben, Nachname Carrell. "Und der muss mit dafür gesorgt haben, dass es an der A 60 eine Verschwenkung in Richtung Prüm gab."
Und die, sagt Roland Münz, heiße deswegen seither im Volksmund "Carrell-Busen." Stimmt's? Ja - aber das ist schon wieder eine eigene Geschichte, die uns unter anderem nach Mainz führt. Wir berichten in Kürze weiter!Extra: DAS JAHR 1979


Weitere Ereignisse von damals: Margaret Thatcher wird britische Ministerpräsidentin. Schah Reza Pahlevi flieht aus dem Iran. Ayatollah Ruhollah Musawi Khomeini kehrt aus dem französischen Exil zurück und ruft die Islamische Republik aus, während im Irak Saddam Hussein die Macht übernimmt. US-Präsident Jimmy Carter vermittelt zwischen Israel und Ägypten, die Israelis verlassen den Sinai. Die CDU ernennt Franz-Josef Strauß zu ihrem Kanzlerkandidaten. Erstmals zieht eine "Grüne Liste" in ein Landesparlament ein - in Bremen. Die US-Botschaft in Teheran wird gestürmt, die Angreifer nehmen die Mitarbeiter als Geiseln und verlangen die Auslieferung des Schahs. Der NATO-Doppelbeschluss zur Stationierung von Atomwaffen löst bundesweit Proteste aus. Sowjetisches Militär marschiert in Afghanistan ein. Damals wie heute britische Königin: Elizabeth II.

Die Brücke im Rommersheimer Wald als Holzlager … Foto: Roland Münz
Die Brücke im Rommersheimer Wald als Holzlager … Foto: Roland Münz FOTO: Münz Roland (e_pruem )
… und das Flugblatt der „PAU“.
… und das Flugblatt der „PAU“. FOTO: (e_pruem )