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Die Kommission beeilt sich schon - Waxweiler will beim Dorfwettbewerb überzeugen

Nur zwei Stunden hat die Jury Zeit, um sich vor Ort ein Bild des Bewerbers zu machen. TV-Foto: Frank Auffenberg
Nur zwei Stunden hat die Jury Zeit, um sich vor Ort ein Bild des Bewerbers zu machen. TV-Foto: Frank Auffenberg FOTO: Frank Auffenberg (aff) ("TV-Upload Auffenberg"
Waxweiler. Zweimal hat Waxweiler bereits beim aktuellen Dorfwettbewerb überzeugt und sich für die Landesebene qualifizierte. Gestern prüfte erneut eine Jury den Ort. Frank Auffenberg

Waxweiler Der Mann aus dem Innenministerium gibt gleich die Marschrichtung vor: "Es ist nicht böse gemeint, aber ich möchte, bevor wir die Tour beginnen, darauf hinweisen, dass wir exakt zwei Stunden Zeit haben. Konzentrieren sie sich also bitte auf das ganz Wesentliche", sagt Franz Kattler, Referatsleiter für Dorferneuerung. Mit fünf Juroren besucht er das Prümtal, um Waxweiler beim Landeswettbewerb zu beurteilen.
Ein enger Zeitrahmen, den die Gäste auch sehr genau befolgen. Zwei Stunden geht es quer durch den Ort, per Auto und zu Fuß. Dann folgt die Bewertung in den fünf Kategorien.
Auf Regional- und auf Gebietsebene konnte sich Waxweiler bereits in der Sonderkategorie Innenentwicklung gut behaupten (der TV berichtete, siehe Info), doch reichen zwei Stunden aus, um ein Dorf in allen seinen Facetten wirklich kennenzulernen? "Absolut - man darf nicht vergessen, dass wir uns ja im Vorfeld schon mit dem Bewerber befasst haben und uns vor Ort nur ein Gesamtbild machen", sagt Kattler.
"Langsam sind wir in Übung", sagt Waxweilers Ortsbürgermeister Manfred Groben. "Wir werden ja bereits zum dritten Mal in diesem Durchgang besucht, allerdings soll es zum Ende hin doch knapp werden - man hat halt einiges zu bieten: Auf zur Mariensäule, vorbei am Herz-Jesu-Seniorenheim, weiter zur Seniorenresidenz "Alte Schule", und wenn man schon hier ist, gleich weiter zur Grundschule und zum Kindergarten. Es bleibt noch Zeit für einen Besuch der Kirche, für einen Dorfbummel, und schon steht der Moment der Wahrheit vor der Tür. "Sie haben sich gut präsentiert. Bis zur Entscheidung ist es noch hin, aber unseren ersten Eindruck wollen wir noch persönlich mitgeben", sagt Kattler.
Thomas Weyrich, zuständig für Entwicklungskonzepte und wirtschaftliche Initiativen, lobt, wie konsequent die Waxweiler in den vergangenen Jahren ihre Projekte umgesetzt haben. "Man sieht, dass hier sehr viel passiert ist. 400 Arbeitsplätze sind für einen Ort dieser Größe erstaunlich viele." Allerdings regt er auch an, das Tourismuskonzept zu verbessern. "Zum Beispiel brauchen Sie eine einheitliche Beschilderung. Man findet sich nicht gut zurecht." Bedauerlich sei an anderer Stelle die Zurückhaltung von Privatleuten beim Bau von Fotovoltaikanlagen. "Das könnten mehr sein."
Genau hier zeigt sich aber, dass eine Jury auch mal unterschiedlicher Meinung sein kann. "Ich begrüße das eher. Die Baugestaltung im Ort ist sehr schön, farblich interessant, und ich persönlich vermisse hier keine Fotovoltaik", sagt Rosa Vollmuth, zuständig für Baugestaltung und Entwicklung. Waxweiler biete seinen Bürgern und Gästen viele Erholungsflächen an: "Es gibt eine Menge Grün im Ort, dass Sie die Flächen an der Prüm und den Dorfplatz nun ins Visier nehmen, ist gut und sinnvoll."
Auch Sabine Günther, sie kümmert sich um Grüngestaltung und -entwicklung, begeistert sich für die Bepflanzung: "Besonders schön ist, dass fast jedes Haus begrünt ist. Der Pflegezustand ist fast überall sehr gut." Sie habe aber bemerkt, dass die Kastanien im Ort von Miniermotten befallen sind. "Das müssen Sie im Auge behalten." Im Privatraum gefalle ihr aber der exzessive Gebrauch von Steingärten nicht besonders. "An manchen Stellen sieht man nur Schotter. Da ist zu viel versiegelt worden."
"Generell ist wieder festzustellen, dass Sie in einer wunderbaren Kulturlandschaft leben", sagt Jürgen Köstel. Er befasst sich mit der Kategorie Dorf in der Landschaft. Man könne sich nur glücklich schätzen, solch einen rührigen Eifelverein vor Ort zu haben. "Die Wanderwege sind sehr gut gepflegt." Dass Waxweiler bereits an der Renaturierung und dem Umbau der Wehrstufe in der Prüm arbeite, sei nur zu begrüßen.
Auch das Dorfleben stimme, sagt Isabell Steinhauer-Theis, die das bürgerschaftliche Engagement bewertet. Die Zahl an Vereinen sei fantastisch, und auch die Integration von Flüchtlingen stimme glücklich. "Das scheint hier gut zu klappen."Extra: SPORTLICHER WETTBEWERB WIRD GUT ANGENOMMEN


Im aktuellen Durchgang des Wettbewerbs "Unser Dorf hat Zukunft" haben in Rheinland-Pfalz 193 Gemeinden am Wettbewerb teilgenommen. Nach zwei Durchgängen auf Kreis- und Regionalebene haben sich 23 Dörfer schließlich für die Teilnahme auf Landesebene qualifiziert. Waxweiler tritt als einer der Sieger von 2012 in der Sonderkategorie "Innenentwicklung" an. Innenminister Roger Lewentz wird die Sieger der Sonderklassen am Freitag, 24. November, bei einem Festakt in Kaiserslautern auszeichnen.