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Kirche
Wallung in Prüm: Eine Pfarrei und ihre Baustellen

Beeindruckendes Gerüst: Die Innensanierung der Basilika läuft. Die Pfarrei hat aber noch andere Baustellen.
Beeindruckendes Gerüst: Die Innensanierung der Basilika läuft. Die Pfarrei hat aber noch andere Baustellen. FOTO: Fritz-Peter Linden
Prüm. Während der Basilika-Sanierung weicht die Pfarrgemeinde für Gottesdienste in andere Orte aus. Allerdings ziehen da nicht alle mit. Auch deshalb fordert der frühere Pfarrer Robert Lürtzener mehr Messen im städtischen Konvikt. Von Fritz-Peter Linden
Fritz-Peter Linden

„So 100 Leute hab ich schon zusammen“, sagt Robert Lürtzener. Der frühere Prümer Pfarrer sammelt nämlich gerade jene Schäfchen, die während der sanierungsbedingten Sperrung ihrer Basilika doch lieber im heimischen Konvikt Gottesdienste feiern würden. Anstatt woanders: bei den Vinzentinern in Niederprüm, in der evangelischen Kirche in der Hillstraße oder in anderen Orten der Pfarreiengemeinschaft.

Lürtzener machte das ganz offensiv: Jüngst, nach einer Messe im Konvikt, „hab ich mich vor die Tür gesetzt und ein Schild geschrieben: Wer sonntags eine Messfeier wünscht, der soll sich melden.“ 70 hätten das sofort getan, mittlerweile seien es bereits mehr als 100.

Robert Lürtzener vor einigen Jahren, mit alter Wirkungsstätte im Hintergrund.
Robert Lürtzener vor einigen Jahren, mit alter Wirkungsstätte im Hintergrund. FOTO: Fritz-Peter Linden

Die Pfarrgemeinde Prüm hat gerade so allerhand zu bewältigen. Da ist die Sanierung des Basilika-Innenraums: In der Kirche stehen beeindruckende Gerüste, nahezu 1,5 Millionen Euro wird alles kosten und gut ein Jahr dauern. Das Gebäude darf, mit Ausnahme der Drei-Ärzte-Kapelle, nicht betreten werden.

Beeindruckendes Gerüst: Die Innensanierung der Basilika läuft. Die Pfarrei hat aber noch andere Baustellen.
Beeindruckendes Gerüst: Die Innensanierung der Basilika läuft. Die Pfarrei hat aber noch andere Baustellen. FOTO: Fritz-Peter Linden

Die Pfarrei weicht seitdem aus mit ihren Messen, Taufen, Beerdigungen, Hochzeiten und anderen Feiern. So traten die Prümer Kommunionkinder am Weißen Sonntag in Pronsfeld vor den Altar.

Da ist aber auch die Frage, wann denn die Nachfolge von Pfarrer Christian Müller geregelt wird, der die Prümer vor drei Jahren frühzeitig verließ. Und ob sie sich, auch vor dem Hintergrund der Bistumsreform (immer weniger Kirchgänger, immer weniger Seelsorger), überhaupt noch dauerhaft regeln lässt.

Formal ja: Seit März verwaltet der Trierer Weihbischof Franz-Josef Gebert die Pfarrei. Er übernahm von Vinzentiner-Pater Egon Kettern, der erkrankt ist und wohl nicht mehr auf den Posten zurückkehren können wird.

Aber der Weihbischof ist eben nicht immer da. Anders Robert Lürtzener, der Vorgänger von Christian Müller. Zwar hat sich Lürtzener beim Eintritt in den Ruhestand dazu verpflichtet, in seiner ehemaligen Pfarrei nicht mehr tätig zu werden – die gängige Praxis soll einen reibungslosen Einstieg des Neupfarrers ermöglichen. Aber der ist ja längst wieder weg. Und so sieht sich Lürtzener zum Handeln gezwungen.

Er habe mehrere Male beim Bistum versucht, eine Lösung herbeizuführen. Auch dem Weihbischof habe er den Vorschlag gemacht, sonntags um 10.30 Uhr im Konvikt die Messe zu feiern. Er müsse das auch nicht immer selbst machen, sagt Robert Lürtzener, aber einspringen würde er schon gern.

Passiert aber sei bisher in der Sache, sagt er, „gar nichts“. Deshalb habe er sich direkt an die Kirchgänger gewandt. Und auch wenn die Basilika nur für gut ein Jahr gesperrt sei: „Es droht die Zerstörung einer angesehenen Pfarrgemeinde“, sagt der 77-Jährige, der vier Jahrzehnte lang Pastor in Prüm war. Für die Gemeinde nämlich sei es wesentlich, „dass sie sonntags zur Eucharistiefeier zusammenkommt“. Und außerdem seien viele, darunter auch ältere Prümer, eben nicht dazu bereit, in anderen Orten zur Messe zu gehen.

Lürtzeners Vorstoß bringt Wallung in die Stadt. Für Udo Weis, den Vorsitzenden des Pfarrgemeinderats, „eine verfahrene Situation“. Er verstehe zwar, dass sich der Ex-Pfarrer zum Helfen verpflichtet fühle. Aber Lürtzener habe das eben auch nicht mit den Verantwortlichen in Stadt und Pfarreiengemeinschaft abgesprochen. „Das schaukelt sich jetzt negativ hoch“, sagt Weis.

Dass sich viele nicht dazu bereit zeigen, die Messe auch in einem anderen Ort als Prüm zu besuchen, ist für ihn schwer zu verstehen: „Wenn ich mit dem Auto zur Basilika fahre, dann kann ich auch nach Niederprüm oder Rommersheim fahren.“

Und andererseits habe man in vielen Dörfern schon lange die Situation, „dass da keine Messe mehr in der Kirche ist“. Da müssten die Kirchgänger eben reisen. Die Pfarrei bietet deshalb auch einen Fahrdienst zu den Gottesdiensten an. Aber das werde kaum von den Prümern wahrgenommen, sagt Udo Weis.

Er betont noch einmal, dass er zwar Lürtzeners Anliegen verstehe. „Aber es ist gegen die Absprache. Und gegen die Idee, dass man in der Pfarreiengemeinschaft solidarisch handelt.“ Diese Solidarität aber, sagt Udo Weis, „bricht auseinander“.

Und der Weihbischof? Es sei nun einmal „eine Ausnahmesituation“, sagt Franz Josef Gebert. Und dass es unterschiedliche Vorstellungen für die Lösung gebe, „das ist klar“. Aber andere Gemeinden müssten in einem solchen Fall ihre Messen in Hallen halten, da habe es Prüm besser getroffen. Und die aktuellen Regelungen seien nach intensiver Beratung mit allen Gremien und Verantwortlichen abgesprochen. „Deswegen sehe ich von mir aus keinen Grund, das zu ändern.“

Im Konvikt sei er bereits zweimal gewesen – da funktioniere die Orgel nicht, statt Sakristei gebe es „eine Rumpelkammer. In Niederprüm hat man alles, was eine schöne Kirche braucht.“ Dass jemand dort nicht hinwolle, „scheint mir eher ein Statusproblem zu sein“.

Klare Worte hat er auch für Robert Lürtzener: Als Ex-Pfarrer, sagt Gebert, „muss man sich in besonderer Weise zurückhalten“. Es sei „gegen jeden Anstand und „völlig ungehörig, wenn er sich so in Dinge einmischt, die ihn nichts mehr angehen“.

Das trage im Übrigen auch dazu bei, dass Trier sich in Prüm so schwer damit tue, einen neuen Pfarrer zu finden. „Das muss man so klar sagen“, unterstreicht Franz Josef Gebert. „Dazu stehe ich auch.“

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