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Die unendliche Geschichte

Prüm. Die Rhein-Sieg-Eisenbahn (RSE) aus Bonn will wieder Züge von Gerolstein nach Prüm fahren lassen. Den Antrag des Unternehmens auf eine Betriebsgenehmigung hat das Land jedoch abgelehnt. Dagegen wehrt sich die RSE seit vergangenem Jahr vor Gericht, ein Ende des Streits ist noch immer nicht abzusehen. Christian Brunker

Prüm. Während andernorts angesichts des bevorstehenden Sommers die Räder, Inline-Skates oder Wanderstöcke aus dem Keller, Speicher oder Schuppen geholt werden, um die Radwege der Region zu neuem Leben zu erwecken, wird man entlang der Bahntrasse von Prüm nach Gerolstein wohl noch lange warten müssen, bis auch dort geradelt oder geskatet werden kann. Immerhin ist wandern entlang der Gleise möglich, hat aber eher den Charme einer Dschungeldurchquerung. Statt Wanderstöcken ist eher eine Machete vonnöten.
Seit dem vergangenen Herbst läuft ein neues Kapitel in der offenbar unendlichen Geschichte: Vor dem Verwaltungsgericht Mainz klagt die Rhein-Sieg-Eisenbahn (RSE) gegen das rheinland-pfälzische Verkehrsministerium. Dieses hatte den Antrag der RSE für eine Betriebserlaubnis auf der Strecke abgelehnt. Die RSE will die Strecke wieder aktivieren und sie einer touristischen Nutzung, beispielsweise durch die Vulkaneifelbahn (VEB) aus Gerolstein, öffnen.
Welche Gründe den Ausschlag für die Ablehnung gegeben haben, darüber schweigt sich das Ministerium seitdem aus, weil sie das Unternehmen beträfen. Als "nichtig" hingegen bezeichnete RSE-Betriebsleiter Daniel Preis die angeführten Gründe, ebenfalls ohne sie konkret zu nennen. Ausschlaggebend sei vielmehr, dass die Erhaltung der Schienenstrecke politisch nicht gewollt sei.
In der Tat planen die Verbandsgemeinde Prüm und die Stadt Gerolstein als Besitzer der Strecke seit Jahren eine Radweg-Verbindung von Kylltal- und Prümtalradweg. Zudem könnte der Nimstalradweg angebunden werden, der beim Bahnhof in Gondelsheim auf die Bahntrasse stößt - wenn er denn einmal ausgebaut wird.
Kompromiss möglich


Die Befürworter der Reaktivierung betonen, dass sowohl Bahnbetrieb als auch ein familienfreundlicher Radweg möglich sind. Man sei kein Gegner des Radwegs, sagt Bernd Kruse vom Vorstand der Interessengemeinschaft Westeifelbahn und weist auf bestehende Alternativen wie die Variante, die der Geowissenschaftler Christopher Eul in seiner Bachelorarbeit skizziert hat (der TV berichtete): Sie würde es erlauben, einen Radweg anzulegen, ohne die Eisenbahninfrastruktur zerstören zu müssen. Die Erhaltung der Gleisanlagen ist für Kruse auch nicht nur Selbstzweck: "In der Aufnahme eines musealen Eisenbahnverkehrs in der ersten Stufe einer Wiederinbetriebnahme der Bahnstrecke sehen wir zudem einen touristischen Anziehungspunkt für das Prümer Land und eine sinnvolle Ergänzung zum bestehenden Radwegenetz. Doch ob und wann es so weit kommt, steht derzeit noch nicht einmal in den Sternen: Am Verwaltungsgericht Mainz ist noch kein Verhandlungstermin festgelegt, derzeit werden die von beiden Seiten eingereichten Unterlagen geprüft.
Wann mit einer Entscheidung frühestens zu rechnen ist, kann der Pressesprecher des Gerichts nicht sagen.Meinung

Unerfüllter Wunsch nach Klarheit
Endlich Klarheit über die Zukunft der seit Jahren ruhenden Bahnstrecke von Prüm nach Gerolstein: Dieser fromme Wunsch wird wohl noch lange unerfüllt bleiben. Denn welche Seite auch immer in der ersten Instanz gewinnt, schon jetzt ist klar, dass von den Unterlegenen die nächsthöhere Instanz angerufen wird - und weitere langjährige Verfahren ins Haus stehen. Ausgang offen. Die Verlierer bleiben auf - oder vielmehr - an der Strecke: Die Gemeinden von Prüm über Willwerath, Gondelsheim bis Gerolstein, wo weder eine touristische Bahnlinie noch ein Radweg vorbeiführt. Stattdessen haben sie eine brachliegende Trasse, die in dieser Form auch niemandem nützt. c.brunker@volksfreund.deExtra

Nur von fern beobachtet die Verbandsgemeinde Prüm das Geschehen. "Wir sind da außen vor, weil wir nicht am Prozess beteiligt sind", sagt Aloysius Söhngen, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Prüm. Man stehe aber in Kontakt mit dem Land und bemühe sich gemeinsam, weiterzukommen. Zur aktuellen Situation sagt Söhngen nur: "Das kann man mit dem Begriff ,Elend\\' übersetzen." red