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Geschichte
Die Eifel im Krieg: Als das Land in Flammen stand

 März 1945: US-Panzer rollen nach Prüm.
März 1945: US-Panzer rollen nach Prüm. FOTO: US Army
Bleialf/Bitburg. Manfred Klein und Robert Fuchs zeigen in Bitburg zum vorerst letzten Mal den ersten Teil ihrer – sehenswerten – Dokumentation über die Ardennen-Offensive 1944. Zugleich bereiten die beiden Bleialfer Reservisten Teil 2 vor. Und dafür kamen sie in den Besitz von Filmmaterial, das noch nie öffentlich zu sehen war. Von Fritz-Peter Linden
Fritz-Peter Linden

Zurzeit macht ein Film weltweit Furore, für den Peter Jackson verantwortlich ist: Der Regisseur der Herr-der-Ringe-Trilogie hat nämlich Aufnahmen aus dem Ersten Weltkrieg in akribischer Kleinarbeit kolorieren lassen – und sogar teils vertont: Lippenleser fanden heraus, was die Menschen auf den Aufnahmen sagten, Jackson ließ dann Schauspieler alles nachsprechen.

Historische Aufnahmen aus einem Krieg kolorieren – für Manfred Klein und Robert Fuchs nichts Neues, auch wenn ihnen viel weniger Geld zur Verfügung steht als Jackson. Die beiden Reservisten der Kameradschaft Bleialf-Schneifel haben das nämlich auch bereits gemacht, für den ersten Teil ihrer multimedialen Dokumentation „Grenzland in Flammen“ über die Ardennen-Offensive im Dezember 1944 – Adolf Hitlers vergeblichen Versuch, mit 200 000 Soldaten die alliierten Streitkräfte zurückzuschlagen.

 General George S. Patton mit Soldaten in Bollendorf.
General George S. Patton mit Soldaten in Bollendorf. FOTO: US Army

Die Produktion haben sie in den vergangenen Jahren bereits etliche Male in der Eifel, in Belgien und sogar in Norddeutschland gezeigt, jedesmal in vollbesetzten Sälen (der TV berichtete). Aus zwei Gründen: Das Thema interessiert die Eifeler nach wie vor, zumal damals in der Region Weltgeschichte geschrieben und die Befreiung Europas eingeleitet wurden. Aber auch, weil das Ding einfach sehr gut gemacht ist – handwerklich wie inhaltlich. Kein Wunder: 1700 Stunden Arbeit haben Klein und Fuchs in ihre Dokumentation gesteckt. Sie befragten Zeitzeugen, entwickelten Computersimulationen zu den Gefechtsverläufen in der Region und recherchierten in deutschen und internationalen Archiven. Sie drehten neue Sequenzen, kombinierten sie mit historischen Aufnahmen – und legten dabei größten Wert auf historische Genauigkeit. Was sie daraus gemacht haben, beeindruckt jeden Zuschauer.

 Großkampenberg 1944: rechts der Kameramann.
Großkampenberg 1944: rechts der Kameramann. FOTO: US Army

Am Mittwoch, 6. Februar, ist „Grenzland in Flammen“ zum vorerst letzten Mal zu sehen, um 18 Uhr im Foyer der Kreissparkasse (KSK) in Bitburg, bei freiem Eintritt. Das übrigens auch, weil die Kulturstiftung der KSK die beiden bei der Arbeit an „Grenzland“ unterstützt hat.

 Die Autoren: Manfred Klein ...
Die Autoren: Manfred Klein ... FOTO: Fritz-Peter Linden

Fuchs und Klein aber sitzen inzwischen längst am zweiten Teil ihrer Dokumentation. Und während der Recherche, sagt Manfred Klein, „sind uns zahlreiche, bislang nie veröffentlichte Originalfilme über den Zweiten Weltkrieg in der Eifel angeboten worden“.

 ... und Robert Fuchs.
... und Robert Fuchs. FOTO: Fritz-Peter Linden

Die meisten – plus viele Fotos – stammen aus dem US-Nationalarchiv in Washington. Und sie seien schlicht „unglaublich“, sagen die beiden. Etwa 40 Filme haben sie dort erstanden, meist zwischen sechs Minuten und einer Viertelstunde lag.

 Schloss und Kirche St. Dionysius in Niedersgegen.
Schloss und Kirche St. Dionysius in Niedersgegen. FOTO: US Army

Einen davon zeigt uns Manfred Klein bei seinem Besuch in der Prümer TV-Redaktion: Er dokumentiert einen Panzerangriff der US-Armee im Raum Weinsheim, am 3. März 1945 – die erste Einstellung zeigt, wie die Fahrzeuge in das stark zerstörte Prüm hineinrollen und dann weiter hinauf nach Weinsheim: „Der Kameramann hat die 11. Panzerdivision begleitet“, sagt Klein, „man sieht den Aufmarsch bei Weinsheim und dann, wie die Panzerspitze am Niesenberg vorbei in Richtung Baselt und Fleringen vorstößt.“

 Schäden in der Prümer Basilika.
Schäden in der Prümer Basilika. FOTO: US Army

Es sind tatsächlich beeindruckende Aufnahmen. Das gilt auch für die Fotos: Auf einem ist der Einzug der US-Infanterie in Großkampenberg zu sehen. Am Bildrand erkennt man rechts einen Kameramann. Und den Film, den dieser Mann damals drehte, sagt Klein, „den haben wir auch“.

 Minensuche in Herforst.
Minensuche in Herforst. FOTO: US Army

Im zweiten Teil ihrer Dokumentation wollen sich die Autoren allerdings auch mit den Grausamkeiten befassen, die jenseits der Kämpfe damals begangen wurden, darunter sagt Klein, auch „Vergehen an der Zivilbevölkerung, die dem Ganzen schutzlos ausgeliefert war“. Es sei ihnen wichtig, auch das zu erzählen, von diesen Toten zu berichten: Denn das zu sehen, sagt Klein, „das muss wirklich jeden davon überzeugen, was das für ein Verbrechen ist“.

 Der Prümer Johannismarkt im März 1945.
Der Prümer Johannismarkt im März 1945. FOTO: US Army

Und auch dazu haben sie Filmmaterial: Darunter ist auch die Ermordung zweier jüdischer, deutschstämmiger Angehöriger der US-Streitkräfte: Murray Zappler und Kurt Jacobs. Sie waren Emigranten, die damals von den Amerikanern eingesetzt wurden, um deutsche Gefangene zu befragen, weil sie deren Sprache beherrschten. Sie gehörten einem Regiment an, das während der Kämpfe auf der Schneifel von den Deutschen eingekesselt wurde. Dabei befreite die Wehrmacht auch einen Gefangenen, der zuvor von Zappler und Jacobs befragt worden war. Und dieser Mann wies nun seinen Hauptmann darauf hin, dass die beiden Juden waren. „Der hat sie dann aus der Gruppe der Gefangenen hervortreten und erschießen lassen. Mit dem Kommentar: Juden haben keinen Platz in Deutschland.“ Schauplatz der Tat: Ihrenbrück.

 In der Eifel während der Kämpfe 1944/1945: die Tiergartenstraße in Prüm.
In der Eifel während der Kämpfe 1944/1945: die Tiergartenstraße in Prüm. FOTO: US Army

Klein und Fuchs sind noch lange nicht fertig mit ihrer Arbeit, die sie „von der Hand in den Mund“ und mit den Einnahmen aus den Vorführungen finanzieren: Teil 2 wird, auch angesichts der neuen Dokumente, noch brauchen bis zur Präsentationsreife. Sie arbeiten halt sehr genau. Und danach haben sie schon ein weiteres Vorhaben im Blick: einen Film über die Explosionskatastrophe auf dem Prümer Kalvarienberg vor 70 Jahren. Denn auch davon haben sie Filmmaterial erhalten, das noch nie jemand zu sehen bekam. Klein: „Was wir dafür noch suchen, sind Augenzeugen.“

Wer einen Eindruck von Teil 2 erhalten will, kann sich eine zweiminütige Vorschau im Internet ansehen.