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Ein Eifeler Instrument mit unerhörter Resonanz: Campanula ist weltweit einzigartig

Bald werden neue Saiten aufgezogen: Insgesamt zwei Wochen verbringen (von links) Instrumentenbauer Helmut Bleffert, Rudi Plattes und Georg Faust, ehemaliger Cellist der Berliner Philharmoniker, in Großlangenfeld mit dem Bau zweier Campanulas. Links ein vollendetes Exemplar. TV-Foto: Vladi Nowakowski
Bald werden neue Saiten aufgezogen: Insgesamt zwei Wochen verbringen (von links) Instrumentenbauer Helmut Bleffert, Rudi Plattes und Georg Faust, ehemaliger Cellist der Berliner Philharmoniker, in Großlangenfeld mit dem Bau zweier Campanulas. Links ein vollendetes Exemplar. TV-Foto: Vladi Nowakowski FOTO: (e_pruem )
Großlangenfeld. In Helmut Blefferts Werkstatt in Großlangenfeld geben sich prominente Musik-Profis und begeisterte Amateure die Klinke in die Hand. Neben Instrumenten zur Klangtherapie entwirft und baut Bleffert vielbeachtete Celli, Bratschen und Violinen - und die Campanula, die immer mehr Musiker in ihren Bann zieht. Vladi Nowakowski

Großlangenfeld. Unten im Atelier schleift Rudi Plattes die Rundungen der Korpusdecke seines Instruments bis zur Vollkommenheit. Was da gerade entsteht, ist eine Campanula: ein Instrument, von dem Plattes, ehemaliger Gymnasialdirektor aus St. Vith, seit Jahren schwärmt. "Es wird wohl die erste Campanula in Belgien werden", sagt Plattes, der gemeinsam mit Georg Faust, bis 2012 erster Cellist der Berliner Philharmoniker, in Großlangenfeld zu Gast ist.

Der Profi und der Amateur bauen sich in zwei Wochen ihre Campanula unter Anleitung von Helmut Bleffert selbst - "noch bis Samstag, dann sind sie einsatzbereit", hofft Rudi Plattes.
Auf dem Weg zur oberen Etage des ehemaligen Bauernhauses - vorbei an Dutzenden von Celli, Violen und Violinen, Wichtelgeigen und Exemplaren der keltischen Streichleier Chrotta - greift Bleffert nach einem Instrument, das entfernt an ein Cello erinnert, wären nicht über dem Korpus und auf einer spitz zulaufenden Kopfplatte noch zusätzliche Saiten angebracht. "Campanula ist die lateinische Bezeichnung für die Schlüsselblume", erklärt der Instrumentenbauer. "Ihre Form ist das Ergebnis eines Auftrags, ein Instrument nach einem Pflanzenbild zu entwickeln."

In dem Moment, in dem Bleffert seine Erfindung anspielt, wird hörbar, was so viele Musiker fasziniert: Während die vier Spielsaiten, die wie bei einem Cello gestimmt sind, gestrichen werden, schwingen die 16 Resonanzsaiten, die über der Korpusdecke liegen, mit. Die Obertöne, die sich von der Campanula aus über den gesamten Raum verteilen, erzeugen einen überirdisch schönen Klang, und, bis die Saiten ausschwingen, einen natürlichen Hall. Es erzeuge eine tiefe innere Ruhe, die Campanula zu spielen, sagt Bleffert, der bereits seit Anfang der 1970er Jahre Instrumente zur Musiktherapie herstellt. "Profis lernen das freie Spielen, zu dem sie in ihrer beruflichen Laufbahn oft keinen Zugang finden. Doch für mich beginnt der Zauber eines musikalischen Vortrags erst dort, wo der Mensch sich zeigt."

Georg Faust, Profimusiker und von 1985 bis 2012 erster Cellist der Berliner Philharmoniker, sitzt am Großlangenfelder Küchentisch und erklärt, warum ihn die Campanula verzaubert: "Ich habe als Solist, Kammermusiker und als Lehrer auf dem Cello alles beackert." Doch es gelte neue Klangwelten zu entdecken, in denen es noch keine Vorbilder gebe und auch noch kein umfangreiches Repertoire.

"Ich kenne Helmut seit rund 30 Jahren", sagt Georg Faust. Schon damals habe er eine Campanula ausgeliehen und ausprobiert, doch: "ich war zu sehr mit dem Cello beschäftigt, ein Hochleistungsmusiker, der keine Zeit hatte, sich einem weiteren Instrument zu widmen."Zeit für die Neuentdeckung


Nun sei die Zeit reif, die Campanula wieder zu entdecken, sagt Faust. Und er will noch mehr unternehmen, denn inzwischen sei ein Förderverein entstanden, der Stipendien vergibt und Konzerte organisiert. "Ich möchte meinen Namen einsetzen, um junge Musikstudenten an die Campanula heran zu führen", sagt Georg Faust. "Denn das Instrument wirkt ungemein inspirierend."Extra

Helmut Bleffert (Jahrgang 1951, geboren in Altenahr) hat die ersten Campanulas vor 30 Jahren entworfen, inzwischen seien rund 100 Exemplare "über den Planeten verteilt". Der Klang und die Qualität der Celli, Geigen und Bratschen, die in seiner Werkstatt entstehen, sind preisgekrönt. 1973 trat Helmut Bleffert das Studium der Malerei an der Kunstakademie in Düsseldorf an, kurz zuvor war Bleffert in den kleinen Eifelort Winterscheid gezogen, wo auch das erste Instrument entstand, der Nachbau einer indischen Sarangi. Durch einen Zufall kam Bleffert 1978 zur Herstellung von keltischen Chrotten für die Musiktherapie, seit 1980 baut er auch klassische Streichinstrumente. In Großlangenfeld arbeitet der Maler und Instrumentenbauer seit rund fünf Jahren. Inzwischen nutzen immer mehr angesehene Musiker und Komponisten die Campanula, vor zwei Jahren gab es ein erstes, viel beachtetes Festival in Schifferstadt. Hörproben des Instruments gibt es bei youtube. now