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Ein Kuhstall wie gemalt

Lyuba und Werner Holper im Stall vor ihrem Selbstporträt. Auch Ziege Bilka musste mit aufs Bild. TV-Foto: Wilma Werle
Lyuba und Werner Holper im Stall vor ihrem Selbstporträt. Auch Ziege Bilka musste mit aufs Bild. TV-Foto: Wilma Werle
Irrhausen. Der wohl bunteste Kuhstall der Eifel steht in Irrhausen (Eifelkreis Bitburg-Prüm). Aber nicht, weil Bauer Werner Holper dort lila Kühe züchtet, sondern weil seine aus der Ukraine stammende Frau Lyuba immer wieder zum Pinsel greift. Sie malt sich damit ihre Sorge um die Heimat von der Seele. Wilma Werle

Irrhausen. Rechts vom Bauernhof ein mit bunten Blumen bemaltes Wasserfass, am Zaun zwei lustige, aus Holz gewerkelte Kühe - das ist das neue Zuhause von Lyuba Holper.
Seit mehr als fünf Jahren macht die 53-Jährige nicht nur das Leben ihres Mannes Werner Holper (55) bunter, sondern auch jede freie Wand, die im Haus zu finden ist - sogar im Stall.
Was aber bunt und fröhlich aussieht, entsteht zumeist aus tiefer Traurigkeit: "Immer wenn ich mit meiner Familie und mit meinen Freunden in der Ukraine telefoniere und sie mir von den schlimmen Unruhen erzählen, bin ich so traurig und aufgeregt, dass ich nicht mehr schlafen kann. Dann greife ich zum Pinsel, meistens nachts", erzählt sie mit Tränen in den Augen.
"In meinem Herzen und in meinen Gedanken bin ich immer in der Ukraine. Da sind so viele Probleme in meinem Kopf, aber man kommt damit nicht weiter."
Also setzt sie sich hin und greift zum Pinsel, "manchmal nur ein paar Minuten, auch wenn ich nicht weiß, was dabei raus- kommt. Aber ich muss die Gefühle aus mir herausmalen, dann geht\'s wieder."
Gelernt hat Lyuba die Malerei nicht. Dennoch sind ihre Kunstwerke sehenswert. Spontane Zeichnungen mit phantasievollen Motiven entstehen mit Bleistift auf Papier; Acryl und Öl benutzt sie für Arbeiten auf dem Keilrahmen.
Auch ihre Angst während der blutigen Unruhen auf dem Maidan-Platz in der ukrainischen Hauptstadt Kiew im vorigen Jahr hat sie festgehalten. In der Bildmitte eine Grabstelle mit Menschen herum, am Fuße zwei Tauben, links im Bild mit zornigem Gesicht der Krieg, rechts fünf rotgeweinte Augen - für jeden Erdteil eines: Die ganze Welt schaut auf den Maidan.
Besonderes Talent zeigt Lyuba Holper aber, wenn es darum geht, großflächig zu malen.
Ganze Zimmer sind im Hause Holper mit detailgetreuen Blumenornamenten geschmückt, auch der Stall ist vor ihrem Pinselstrich nicht sicher. "Wenn ich das Melkgeschirr anhänge, muss ich immer fünf Minuten warten. Das ist Zeit zum Malen", sagt sie. In der Milchkammer lachen lustige Affen von den Wänden, Märchenszenen zieren den Aufstieg zum Heuboden, im Stall prangt ein großes Selbstporträt an der Wand: Lyuba und Werner Holper auf der Gartenbank.
Unverkennbar, auch wenn es schon einige Spritzer abbekommen hat. "Ich war zuerst schon etwas verwundert", meint Werner Holper, aber seine Frau ist sich sicher, dass die Kühe dadurch auch mehr Milch geben. "Das tut denen gut, außerdem singe ich im Stall."
So ganz überzeugt ist Werner Holper von dieser Theorie noch nicht: "Naja, wir haben auch neue Kühe gekriegt, und es kommt ja zudem auf die Futterqualität an", gibt er lachend zu bedenken, kann aber den Stolz auf seine Frau dabei nicht verbergen.
Einig sind die beiden auch noch nicht, was die Zukunft ihres Stalles angeht. Während er sich zeitlich noch nicht festlegen will, wann es denn genug ist mit der Sieben-Tage-Woche im Stall ohne Wochenende und ohne Urlaub, hat Lyuba Holper schon konkrete Pläne.
"Wenn wir die Kühe verkaufen", sagt sie, "werde ich alles ordentlich putzen und einen Treffpunkt für das Dorf daraus machen, mit Kaffee und Plätzchen. Platz ist ja genug. Es ist nicht gut, dass im Alter jeder alleine zu Hause sitzt."
Und dann will sie auch ihre Bilder zeigen, von denen bis jetzt in Irrhausen noch kaum einer weiß - und erst recht nicht, wie sie entstanden sind.