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Ein Leben geprägt von Verfolgung

Die höchste Auszeichnung, die eine Stadt oder Gemeinde vergeben kann, ist die einer Ehrenbürgerschaft. Die Stadt Daun hat in ihrer Vergangenheit mit dieser Ehrung bisher nur drei Personen ausgezeichnet. Über den ersten Ehrenbürger Max Grünbaum ist nur wenig bekannt.

Daun. Max Grünbaum wurde 1874 in Hessen geboren und trat als junger Mann in die Leonhard Tietz AG in Köln - der heutigen Kaufhof AG - ein. Dort rückte er zum Generaldirektor und Mitinhaber der Firma auf und war an der Entwicklung des Unternehmens zu einem bedeutenden Warenhauskonzern entscheidend beteiligt.

Der passionierte Jäger pachtete eine Jagd in Weiersbach und lernte so Daun und seine Umgebung kennen. Dabei stellte er für sich fest, dass die Mineralquellen und die heilsame Vulkaneifel-Luft der Gesundheit der weiblichen Angestellten des Kölner Kaufhauses förderlich sein könnten.

Bei seinen Jagdaufenthalten in Skandinvien lernte er Holzfertighäuser kennen und hielt diese für sein Vorhaben in der Eifel für geeignet. Grünbaum ließ 1909 in Schweden ein solches Holzhaus (das heute noch steht) fertigen und in Daun im Philosophenweg 1 für sich und seine Familie als Sommerwohnung aufbauen.

Die guten Erfahrungen mit diesem Fertighaus führten 1911 dazu, dass die Firma Leonhard Tietz den Bau eines "Erholungs- und Ferienheimes für weibliche Angestellte zu Daun" beschloss. Bald standen die für Schweden typischen roten Blockhäuser mit ihren weißen Fensterrahmen und grünen Läden im Liesertal.

Grünbaum weilte seit 1909 mit seiner Familie regelmäßig in Daun. 1929 gründete er in der Boverather Straße an der Bahnlinie nach Gerolstein die Dauner Burgbrunnen GmbH, die bis heute im Familienbesitz und im Geschäft mit Kohlensäure und technischen Gasen vertreten ist. Kurz nach der Machtübernahme der Nazis hatten er und seine Familie antijüdische Diskriminierungen und Verfolgung zu erleiden. Da spielte es keine Rolle, dass er bereits lange vor der Hitlerdiktatur vom Judentum zur evangelischen Konfession konvertiert war.

Auf der Flucht vor den Nazis, Vermögen beschlagnahmt



Allein sein jüdischer Name und seine Ahnenreihe waren Grund genug, ihn zu verfolgen. Seine Führungsposition bei der Leonhard Tietz AG musste er bereits Anfang 1933 aufgeben. Dann erließ die Trierer Gestapo den Befehl, Grünbaum als Juden, einflussreichen Wirtschaftsführer und politischen Gegner zu verhaften. Von einem Beamten des Landratsamts Daun wurde er aber rechtzeitig gewarnt. Grünbaum emigrierte 1933 mit seiner Familie über Holland nach Brüssel, 1934 weiter nach London, wo sein Sohn Arnold lebte. 1935 kehrte die Familie zurück und verlegte ihren Wohnsitz nach Daun, wo Grünbaum aber keine Ruhe fand. Wieder erging ein Haftbefehl der Gestapo, und wieder wurde er gewarnt. Im April 1936 floh er mit seiner Familie nach Brüssel. Sein gesamtes Vermögen und aller Besitz wurden 1938 in seiner Abwesenheit beschlagnahmt, teilweise zwangsversteigert, vermietet oder Nazibonzen zur Bewirtschaftung übertragen. 1941 hatten deutsche Truppen Belgien besetzt, und erneut wurde Hatftbefehl für Grünbaum - diesmal von der Gestapo in Belgien - erlassen. Nur mit Mühe gelang es ihm, mit seiner Frau bei Freunden unterzutauchen und in einem Versteck in Brüssel zu überleben.

Nach dem Tod seiner Frau Lina 1949 kehrte Grünbaum endgültig nach Daun zurück. Sein enteigneter Besitz wurde ihm von der französischen Besatzungsmacht zurückgegeben. Am 17. Mai 1949 ernannten ihn Amtsbürgermeister Josef Drückes und Stadtbürgermeister Alois Deblon "in Anerkennung seiner langjährigen Verdienste um die Entwicklung und das soziale und wirtschaftliche Aufstreben des Kurortes Daun zum Ehrenbürger der Gemeinde Daun". Auch der Dauner Burgbrunnen wurde rückübereignet. Jahrelange Entbehrungen, Krieg und Verfolgung hatten Grünbaums Kräfte schwinden lassen. Er starb am 5.12.1952 mit 78 Jahren in Daun. Als Erinnerung an ihn trägt in Daun der "Max-Grünbaum-Weg" seinen Namen.

Schwedische Idylle in Daun: Max Grünbaums Haus im Philosophenweg 1. TV-Foto: Alois Mayer
Schwedische Idylle in Daun: Max Grünbaums Haus im Philosophenweg 1. TV-Foto: Alois Mayer