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Feuerwehreinsatz mit Drohne
Nie wieder ohne Drohne - Feuerwehreinsätze mit risikofreiem Überblick

Die Drohne verschafft den Helfern bei komplizierten Feuerwehreinsätzen einen besseren Überblick.
Die Drohne verschafft den Helfern bei komplizierten Feuerwehreinsätzen einen besseren Überblick. FOTO: Froitz-Peter Linden / TV
Prüm . Die Feuerwehr Prüm ist die einzige im Eifelkreis, die bei ihren Einsätzen eine Kameradrohne verwendet. Das Gerät hat sich in seinem ersten halben Jahr so bewährt, dass es bald noch mehr davon geben soll. Von Fritz-Peter Linden
Fritz-Peter Linden

Klar, das Ding macht spektakuläre Aufnahmen. Es liefert Einsatzbilder, wie man sie bisher nie zu sehen bekam. Aber um coole Fotos ging es weniger, als die Freiwillige Feuerwehr Prüm vor einem halben Jahr eine Kameradrohne kaufte: „Ganz und gar nicht“, sagt Wehrführer Lothar Bormann.

Der Grund ist ein anderer: Denn die Drohne verschafft den Wehrleuten bei kniffligen Einsätzen einen risikofreien Überblick. „Du kannst mit dem Ding an einer Hauswand langfliegen und siehst, in welchem Zimmer es brennt“, sagt Bormann.

Das gelte besonders an Orten, wo es, etwa wegen der Bebauung, schwierig sei, die Lage zu beurteilen. Oder in Straßen mit ungünstiger Topografie – etwa im Prümer Kreuzerweg, wo sich viele Häuser mit der Rückseite an den steil abfallenden Hang krallen.

Da komme man mit den üblichen Mitteln gar nicht dran. Mit der Drohne aber, sagt Bormann, könne man sich im Fall eines Feuers die Situation von allen Seiten anschauen – auch von dort, wo eine Drehleiter nicht oder nur mit Gefahren für die Wehrleute hinkomme.

Die Drohne hilft aber nicht nur dort, wo Flammen wüten: Einer ihrer ersten Einsätze war im Sommer in Bleialf, als dort aus einem vor der Schule abgestellten Sattelzug eine mutmaßlich gefährliche Flüssigkeit auf die Straße leckte (der TV berichtete). Bevor dann die in Schutzkleidung gepackten Spezialisten sich den Laster aus der Nähe anschauen und eine Probe entnehmen konnten, hatten die Prümer bereits ihre Drohne hingeschickt, über dem Sattelzug schweben und Fotos machen lassen.

Das sei schon richtig gut gewesen, sagt Tobias Kickertz, der stellvertretende Wehrführer. Er kümmerte sich auch um die Anschaffung des Geräts. „Du fliegst drüber, erhältst ein hochauflösendes Foto und kannst jedes Detail ranzoomen.“ Die Drohne werde aber auch in anderen Situationen eingesetzt: bei Flächenbränden, bei der Suche nach vermissten Personen, bei Unfällen.

Drohne für risikofreien Überblick bei Feuerwehreinsätzen in Prüm FOTO: Von Fritz-Peter Linden

Auch dabei, sagt Lothar Bormann, habe sich das Gerät bereits bewährt: Denn die Polizei nutze die Luftbilder, um sie, zum Beispiel, den Fachleuten zur Verfügung zu stellen, die nach einem Unglück mit einem Gutachten zum Hergang beauftragt werden.

Finanziert haben den Kauf die Verbandsgemeinde (VG) Prüm und, zu einem Viertel, der Förderverein der Feuerwehr. Gesamtkosten: etwa 2500 Euro „mit allem Drum und Dran“, sagt Kickertz. Zu diesem Drum und Dran gehören unter anderem ein Koffer, Akkus und ein iPad.

Auch VG-Bürgermeister Aloysius Söhngen sieht darin eine sinnvolle Anschaffung: Spätestens, sagt er, „nachdem ich das Ding zum ersten Mal in Bleialf im Einsatz gesehen habe.“ Und auch bei der Jahresabschlussübung der Prümer Wehr vorletzte Woche in der Hahnstraße habe sich das gezeigt: Da konnten die Wehrleute mit dem Gerät in die Räume des, zum Glück nur zum Schein, brennenden Hauses im Stadtzentrum hineinschauen und die Lage prüfen – „was sonst nicht möglich wäre“, sagt Söhngen. Deshalb habe man auch bei der VG, als es um den Erwerb der Drohne gegangen sei, sofort gesagt: „Wir machen das.“

Nützlich, ja – dennoch sind die Prümer bisher die einzige Wehr im Eifelkreis, die mit einer Drohne arbeitet, das bestätigt Kreisfeuerwehrinspekteur Jürgen Larisch. Im Kreis Trier-Saarburg sei, soweit er wisse, eines der Geräte im Einsatz, im Kreis Bernkastel-Wittlich gebe es drei.

„Das ist auf jeden Fall sinnvoll“, sagt Larisch, beim Einsatz in Bleialf habe sich das erstmals gezeigt. Und auch das Land plane den Kauf von drei Geräten – zunächst für die Rettungshundestaffeln, die sie bei der Personensuche einsetzen sollen.

„Im Kreis haben wir auch schon Dinge in die Wege geleitet“, sagt Larisch. Man denke darüber nach, weitere Drohnen zu kaufen, um sie Wehren, dem Technischen Hifswerk, dem Roten Kreuz und anderen Helfern und Katastrophenschützern zur Verfügung zu stellen.

In Prüm ist man schon ein bisschen weiter. Eine Handvoll Wehrleute, sagt Tobias Kickertz, mache gerade den Drohnenführerschein. „Wir haben viele junge Leute, die mit dem Handy in Perfektion umgehen. Da können die auch leicht eine Drohne fliegen“, sagt er und lacht. „Wir üben auch schon mal an der Feuerwache. Die Nachbarn wissen das schon alle. Wir machen aber keine Fotos und fliegen den Leuten auch nicht in die Fenster rein.“

Denn zum Spaß haben die Wehrleute das Ding eben nicht gekauft. Auch wenn es natürlich trotzdem coole Fotos macht.

Kommentar

Gut geschaltet

Zugegeben, die Dinger können einem auf die Nerven gehen. In diesem Fall aber nicht. Die Prümer Feuerwehrdrohne ist ein wirklich hilfreiches Gerät, das auch noch Gefahren für die Retter verringert. Zumal sie sich Regeln für die korrekte Verwendung gegeben haben. Und die ersten damit, aber hoffentlich nicht die letzten, waren sie auch noch. Also: auf Zack gewesen, wenig investiert, viel erreicht, beispielhaft.

f.linden@volksfreund.de