| 21:37 Uhr

"Eklatanter Fehler beim Streckenkauf"

Wird der Schienenverkehr von der Eifelquerbahn (im Bild der Bahnhof Daun) künftig doch nach Prüm verlängert? Rechtliche Hürden könnten den Gleisabbau verhindern. Foto: Vulkan-Eifel-Bahn
Wird der Schienenverkehr von der Eifelquerbahn (im Bild der Bahnhof Daun) künftig doch nach Prüm verlängert? Rechtliche Hürden könnten den Gleisabbau verhindern. Foto: Vulkan-Eifel-Bahn
Die Vulkan-Eifel-Bahn (VEB) will eine mögliche Entwidmung der stillgelegten Bahnstrecke Prüm-Gerolstein mit aller Macht verhindern. Ohne Entwidmung könnten die Schienen nicht abgebaut und durch einen Radweg ersetzt werden. Von unserem Redakteur Marcus Hormes Von Marcus Hormes

Prüm/Gerolstein. Im Dezember entschied sich der Rat der Verbandsgemeinde (VG) Prüm mehrheitlich für einen Radweg auf der Bahntrasse Prüm-Gerolstein. Die Stadt Gerolstein als Eigentümerin des zweiten Streckenabschnitts wird sich voraussichtlich am 11. März anschließen (siehe Extra).Doch all dies könnte hinfällig sein, wenn es nach der Überzeugung von VEB-Chef Jörg Petry geht. Er will seine Ankündigung (der TV berichtete) wahr machen und eine Entwidmung verhindern: "Die neuen Eigentümer der Strecke haben einen eklatanten handwerklichen Fehler beim Kauf gemacht. Sie haben die Strecke nicht wie andere Kommunen vorher entwidmen lassen."Bürgermeister Söhngen äußert sich zuversichtlich

Nach dem Allgemeinen Eisenbahngesetz kann das Eisenbahn-Bundesamt die "Freistellung von Bahnbetriebszwecken" nur dann feststellen, "wenn kein Verkehrsbedürfnis mehr besteht und langfristig eine Nutzung der Infrastruktur im Rahmen der Zweckbestimmung nicht mehr zu erwarten ist". Genau dieses Verkehrsbedürfnis könnte die VEB anmelden, wenn sie als Eisenbahn-Infrastrukturunternehmen im Sinne des Gesetzes zur Stellungnahme aufgefordert wird.Schon vorhab hat die VEB Einspruch gegen einen möglichen Entwidmungsantrag eingelegt: "Darüber gibt es ein Aktenzeichen beim Eisenbahn-Bundesamt", berichtet Petry. Weitere Unternehmen hätten Interesse an einem Betrieb der Strecke bekundet. Wie ernst und sinnvoll das Vorhaben der VEB zur Anknüpfung an die bestehende Eifelquerbahn (53 Kilometer lange Strecke zwischen Gerolstein und Kaisersesch, die seit Jahren für den Ausflugsverkehr genutzt wird), zeige der Verkehrsvertrag mit dem Zweckverband SPNV Nord. Dieser Vertrag hätte schon 2007 und 2008 ermöglicht, dass auch zwischen Prüm und Gerolstein Züge rollen.Da eine Entwidmung also faktisch unmöglich sei, hätten Gerolstein und VG Prüm den Kaufpreis von 420 000 Euro in den Sand gesetzt. Petry: "Wir sind bereit, über alles zu reden. Bahn und Radweg sind auch gemeinsam möglich."Aloysius Söhngen (CDU), Bürgermeister der VG Prüm, gibt sich dennoch zuversichtlich: "Wir warten die Entscheidung in Gerolstein ab. Das Bundesamt wird sich erst äußern, wenn ein Antrag auf Entwidmung vorliegt." Auf der Strecke sei 28 Jahre lang kein Personenzug mehr gefahren. Auch Prüm-Pronsfeld sei beim Kauf noch nicht entwidmet gewesen: "Wir haben das Geld aufgewendet, um über die Strecke nach Gerolstein verfügen zu können — und das werden wir auch tun." Meinung Vorboten eines Erdbebens Totgesagte leben länger. Das scheint auch für die Bahnstrecke Prüm-Gerolstein zu gelten. Nach dem Beschluss in Prüm und vor dem zu erwartenden Votum in Gerolstein schien das Schicksal der Gleise besiegelt. Doch die vermeintliche Formsache Entwidmung könnte sich als unüberwindbare Hürde vor dem Ziel Radwegbau herausstellen. Die betonte Gelassenheit in den Rathäusern würde sich in eine Mischung aus Verärgerung, Ratlosigkeit und Peinlichkeit verwandeln. Könnte, würde — erst eine Entscheidung des Bundesamts brächte Gewissheit. Fest steht bisher: Die Kommunen sind unnötig ein großes Risiko eingegangen. Sie haben viel Geld für einen Grundstücksstreifen ausgegeben, der sich zwar bestens zur Verdichtung des Radwegenetzes eignen würde, aber mit der Last einer Widmung für Bahnbetriebszwecke belegt ist. Eine Last, die sich an anderer Stelle (Prüm-Pronsfeld) abwerfen ließ. Eine Last, die diesmal zum Betonklotz am Bein werden könnte — und ein politisches Erdbeben mit massiver Kritik an den Verantwortlichen auslösen könnte. m.hormes@volksfreund.deEXTRA Gerolsteins Stadtbürgermeister Karl-Heinz Schwartz (CDU) sieht in Sachen Bahnstrecke keinen Grund zur Aufregung. Im Gerolsteiner Haupt- und Finanzausschuss am heutigen Donnerstag erwartet er einen Beschluss pro Radwegbau, ebenso im Stadtrat am 11. März. Dann folge der Antrag auf Entwidmung beim Eisenbahn-Bundesamt. "Wir müssen erst einmal sagen, was wir wollen. Sonst können wir keine Entscheidung von einer Behörde erwarten", sagt Schwartz. Den Bestrebungen der VEB sehe er derweil gelassen entgegen. Womöglich beauftragt der Ausschuss nur die Verwaltung, die Chancen eines Entwidmungsantrags zu prüfen. (cus)