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Fast eine Nacht wie jede andere

Mit Böllern und Raketen wird wie hier in Waxweiler das neue Jahr mit Getöse begrüßt. Foto: Fritz Knob
Mit Böllern und Raketen wird wie hier in Waxweiler das neue Jahr mit Getöse begrüßt. Foto: Fritz Knob FOTO: (e_pruem )
Prüm. Feuerwerk, Alkohol und Emotionen: Während die einen feiern, bereiten sich andere darauf vor, im Notfall helfen zu können. Richten sich Retter und Helfer auf eine Ausnahmesituation ein oder geht man gelassen in den Jahreswechsel? Der TV fragt nach. Frank Auffenberg

Prüm. Fondue, Sekt und viel Geballer - heute ist es so weit: Das Jahr 2015 geht vorbei. Doch nicht jeder freut sich unbedingt auf diese Nacht der Nächte. Während hier gefeiert wird, hält man sich dort für den Notfall bereit: Knaller, Alkohol und überschäumende Emotionen können schließlich zu einem explosiven Gemisch werden. Aber stimmt das eigentlich? Steht den Mitarbeitern von Feuerwehr, Krankenhäusern, Rettungsdiensten und Polizei eine Nacht im Ausnahmezustand bevor? Nein, zumindest ist alles nicht so dramatisch, wie sich Laien das vorstellen.

"In erster Linie ist die Silvesternacht für uns eine Nacht von vielen. Wenn andere feiern, besonders wenn viele feiern, dann fließt halt auch viel Alkohol, und wo viel Alkohol fließt, da fliegen auch mal die Fäuste", sagt Christoph Cremer, Leiter der Polizeiinspektion Prüm. Darauf richte man sich ein, aber "das muss nicht unbedingt heißen, dass wir auch im Dauereinsatz sind. Es gibt Jahre, in denen wir in der Nacht zum neuen Jahr nur wenig zu tun haben. Wie viele Beamte im Dienst sind, könne er nicht verraten, man bereite sich auf den Abend aber genauso vor wie auf jeden anderen Festtag. Lob findet Cremer für die Autofahrer in der Region. "Es gibt in den Abendstunden immer hier und da einen Unfall, aber es ist zu bemerken, dass die Leute, wenn es auf zwölf Uhr zugeht, entweder gleich in ihren Heimatorten bleiben und dort feiern oder, wenn sie unterwegs waren und was getrunken haben, das Auto nicht mehr bewegen." Und feiert man denn auf der Wache? Sollte es ruhig sein, würde das Team sicher gemeinsam was essen und alkoholfrei auf das neue Jahr anstoßen: "Das hängt aber ganz von der Einsatzlage ab. Die Kollegen von den Rettungskräften sind aber wohl stärker belastet."

"Nicht unbedingt", räumt Patrick Geiter, stellvertretender Leiter beim Rettungsdienst des Deutschen Roten Kreuzes, ein. "Der Rettungsdienst ist wie immer voll besetzt. Aufstocken müssen wir aber nicht", sagt er. An den drei Rettungsstandorten im Eifelkreis Bitburg-Prüm seien insgesamt 20 Leute im Einsatz. "Eine besondere Gefahrensituation ist für uns am Silvesterabend, trotz Feuerwerk und Feierei, nicht zu erkennen." Auch die Retter würden sicher versuchen, gemeinsam das neue Jahr zu begrüßen: "Ob das klappt, wird sich aber erst am Abend selber zeigen - keiner ist wie der andere."
Ein Eindruck, den auch Lothar Bormann, Wehrführer der Freiwilligen Feuerwehr Prüm, teilt: "Für uns ist es ein ganz normaler Tag, aber eben auch an ganz normalen Tagen kann viel Unvorhergesehenes passieren." Man könne ja leicht den Eindruck bekommen, dass beim Hantieren mit Feuerwerkskörpern gerade zum Jahreswechsel viel passiere, aber Fehlanzeige: "Gehe ich von den Erfahrungen der letzten Jahre aus, rechne ich nicht unbedingt damit. Ich persönlich erinnere mich auf Anhieb nicht an einen Einsatz, der von Feuerwerkskörpern verursacht wurde."

Er betont aber auch, dass er jedem, der mit Knallern hantiert, unbedingt rate, die Anleitung des Herstellers zu befolgen und vorsichtig zu sein, "denn passieren kann immer etwas." Die Brandbekämpfer hielten sich zumindest bereit und seien auf alles gefasst: "Wir haben für solche Nächte einen Stamm an Leuten, die sich jederzeit auf einen Einsatz einstellen können, dazu gehört natürlich auch, dass sie nichts trinken." Auch im St.-Josef-Krankenhaus blickt man der Nacht gelassen entgegen: Alle Abteilungen sind besetzt, die Bereitschaft steht", sagt Roswitha Bartz von der Krankenhausleitung. Planen könne man aber leider kaum etwas: "Für die Nacht rechnen wir immer mit Patienten, die mit kleineren Verletzungen zu uns kommen. Dementsprechend ist auch eine kleine Feier nur schwer planbar. Die Kollegen hoffen aber stets, zumindest einen ruhigen Moment zum Anstoßen zu finden."

Und was ist mit der Natur und den Tieren? "Nein, ich glaube nicht, dass unsere Wälder vom Feuerwerk gestört werden", sagt Peter Wind, Leiter des Prümer Forstamts. Er mache sich keine Sorgen um den heimischen Wald oder eine zu starke Lärmbelästigung für die Tierwelt. "Gott sei Dank gehen die Leute nicht zum Knallen in die Wälder. Wir setzen da ganz auf den gesunden Menschenverstand." Sollte man den Jahreswechsel aber in der Nähe eines Waldrands verbringen, bittet er aber schon um eine Sache: "Räumen Sie Ihren Müll weg. Geplatzte Knaller und Raketen sollten definitiv nicht einfach liegen gelassen werden. Aber das sollte eigentlich überall selbstverständlich sein."