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Freie Minuten und viel Witz machen ein Buch

Autor Jean-Paul Prüm schreibt gutgelaunt über einen schlechtgelaunten Busfahrer. Foto: Privat
Autor Jean-Paul Prüm schreibt gutgelaunt über einen schlechtgelaunten Busfahrer. Foto: Privat FOTO: (e_bit )
Prüm/Stuttgart/Berlin. Heute erscheint das Erstlingswerk von Autor und Musiker Jean-Paul Prüm: ein Roman über den schlechtgelaunten Busfahrer Schorsch. Was ihn mit seiner Figur und der Abteistadt verbindet und warum er lieber unter Pseudonym schreibt, hat Prüm dem TV erzählt. Eileen Blädel

Prüm/Stuttgart/Berlin. Eins vorweg: Verraten dürfen wir nicht, wer Jean-Paul Prüm ist. Seine Eltern seien "Ur-Prümer", wie er erzählt, wenn auch sein bürgerlicher Nachname nicht ganz eifeltypisch klingt. Der heute 33-Jährige hat sein Abitur am Regino-Gymnasium gemacht, in Stuttgart studiert und arbeitet mittlerweile als Sozialwissenschaftler.
Unter dem Namen Jean-Paul Prüm hat er jetzt einen Roman veröffentlicht, erste Lesungen in Stuttgart und Leipzig sind auch schon angesetzt (siehe Extra). Und in der Eifel? "Ich hoffe schon, dass Jean-Paul Prüm auch irgendwann in Prüm lesen wird", sagt er. Gut möglich, dass er dann auf alte Bekannte trifft - bis dahin hören wir ihm gerne zu, was er uns über sein erstes Buch zu erzählen hat, in dem es um einen Busfahrer geht. Unter anderem.
Was hat es mit Ihrem Namen auf sich?

Jean-Paul Prüm: "Ich habe mich nach meinem Geburtsort genannt, an dem ich die ersten 19 Jahre meines Lebens gerne verbracht habe. Und dann gibt es da noch einen Eifel-Autor, der Krimis schreibt… Der Name ist aus einem Scherz heraus entstanden, ich mag aber den Gedanken, unter Pseudonym zu agieren."
Sind Sie auch mal Fahrer eines Reisebusses gewesen?
Prüm: "In der Schulzeit war ich für Klassenausflüge öfter mal gezwungen, in einem Reisebus zu sitzen. Und als Freizeitbetreuer dann auch. Gelenkt habe ich nie einen. Aber ich habe schon mit 19 rumgescherzt, dass ich mal ein Buch über Busfahrer schreibe."
Warum?
Prüm: "Busfahrer sind spezielle Charaktere in einer speziellen Situation, und das hat mich gereizt: Sie sind zwangsläufig Tag für Tag mit Gruppen zusammen, mit denen sie vielleicht gar keine Zeit verbringen wollen. Ich bin Busfahrern begegnet, die waren noch derber unterwegs, als es meine Figur ist - ich habe sie eher entschärft."
Wer ist Schorsch?
Prüm: "Ein richtiges Vorbild für die Figur gibt es eigentlich nicht. Dafür eine Verbindung zwischen ihm und mir, wenn es auch die einzige ist: Wir haben an den gleichen Orten gelebt. Schorsch ist Prümer. Er hat einen Linienbus nach Gerolstein gefahren, aber Mist auf seiner Route gebaut, und dann lernt er eine Frau aus Stuttgart kennen und zieht dorthin - das erfährt man alles in Rückblenden. Die Reise führt quer durch Italien, Florenz, Genua, Pisa - auch alles Orte, die ich schon mal gesehen hab."
Ihre Reise hat Sie auch aus Prüm weggeführt.
Prüm: "Ich bin für das Studium nach Stuttgart gegangen, wo ich heute lebe. Außerdem spiele ich Gitarre in der Stuttgarter Punkrock-Band Kill Valmer. Die Musik ist mein zweites Hobby, das habe ich schon in meiner Jugend für mich entdeckt."
Und das Schreiben?
Prüm: "Ich habe mich spontan im vergangenen Frühjahr in freien Minuten hingesetzt und einfach getippt, ohne mir bewusst zu sein, was ich mit den Buchstaben machen will, die ich da fabriziere. Der Schreibprozess war leicht für mich. Auf einmal hatte ich ein fertiges Buch da liegen, aber ich wollte von anderen wissen, ob man es überhaupt als Buch bezeichnen kann. Meine Freundin fand es lustig. Über Freunde landete es bei meinem jetzigen Verlag. Ich hatte wahnsinniges Glück."
Arbeiten Sie schon am nächsten Projekt?
Prüm: "Ich schreibe tatsächlich schon wieder. Aber ich habe gerade erst angefangen und will wirklich noch nicht zu viel verraten. Nur, dass es kein zweites Buch über Busfahrer wird. Und kein Krimi."Extra

Interessenkoalitionen und Machtkämpfe: Die gibt es im Bus von Georg, auch Schorsch genannt. Der schlechtgelaunte Fahrer ist dazu verdonnert, mit einer Gruppe von Jugendlichen und deren Betreuern nach Italien zu brettern. Kann ja nur schiefgehen? Genau. Schorsch, ein typischer Antiheld, selten um derbe Ausdrücke verlegen, hält sich allerdings selbst für Bruce Willis und Inspector Columbo in einem und muss sich auf der Fahrt vor allem mit dem übereifrigen Reiseleiter Torben auseinandersetzen. Dabei bringt ihn sein schräger Humor immer wieder in Bredouille. Ebenfalls weit reisen muss im Moment noch, wer den Autor bei einer Lesung erleben will: Er ist am Freitag, 18. März, in Leipzig, Sonntag, 20. März, in Stuttgart und Donnerstag, 7. April, in Esslingen bei Stuttgart. Weitere Termine stehen derzeit noch nicht fest. eib Jean-Paul Prüm: Schorsch - Der Chef im Bus bin ich. Schwarzkopf & Schwarzkopf. 288 Seiten. 9,99 Euro.

FOTO: (e_bit )