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Gemäldegalerie und Gnadenhof für Tiere

Kronenburg. Im idyllischen Kronenburg im Oberen Kylltal sind jetzt in dem neu aufgebauten Hasenberghof auf drei Etagen 90 Landschafts-Gemälde der Düsseldorfer Schule zu bewundern - und das kostenlos. Bernd Kehren

Kronenburg. Neustart für den Hasenberghof in Kronenburg: Der alte Hof wurde komplett abgerissen und der U-förmige Dreiseithof nach früheren Plänen rekonstruiert.
Neben dem Kunstkabinett im eigentlichen Hofgebäude finden sich im hinteren Bereich Stallungen und landwirtschaftliche Flächen zur Aufzucht von Haustierrassen, die vom Aussterben bedroht sind. Weitere Einrichtungen sind als Gnadenhof für Tiere bestimmt. Geplant ist, dass auf dem großen Areal im kommenden Jahr auch rare, nur noch an bestimmten Stellen vorkommende, ebenfalls vom Aussterben bedrohte Obstsorten wieder kultiviert werden. Ermöglicht wurde dieses kostspielige Projekt durch die Dr. Axe-Stiftung in Bonn. Die Stiftung wurde 1997 von dem vor drei Jahren gestorbenen Bonner Kaufmann Dr. Hans-Günther Axe ins Leben gerufen. Sie unterstützt Opfer von Gewalttaten, gewährt finanzielle Beihilfen an Krankenhäuser, fördert Kunst und Kultur, leistet Zuwendungen für Forschung und Lehre an deutschen Universitäten, widmet sich der Altenhilfe und fördert den Tierschutz.
Einer freut sich besonders über das, was hier auf dem Hasenberg mit Blick auf die Burg entstanden ist: Adolf Stein. Er hat den Hof mit seinem Bruder Siegbert bewirtschaftet, zeitweise mit bis zu 200 Stück Vieh. Adolf Steins Eltern wohnten und arbeiteten unterhalb des Hasenbergs auf dem Hof von Paul Becker, dem ersten bezahlten Lehrer Kronenburgs. Adolf Stein wurde in einem Bett über dem Torbogen des Burgberings geboren. Noch heute schläft er in diesem Bett. Die Eltern erbten den Hof, verkauften ihn und bauten 1953 für 80 000 Mark den Hasenberghof, von dem man auf Adolf Steins Geburtszimmer hinabblicken kann. Adolf Stein konnte ein besonderes Gemälde von Katharina Dettmann erwerben, der Tochter des verstorbenen Kronenburger Künstlers Rolf Dettmann. Das Porträt zeigt Maria Becker, eine der beiden Töchter von Paul Becker.
Adolf Stein arbeitet auf dem Hasenberghof als "Oberaufseher" mit. "Für mich ist das der schönste Lebensabschnitt", freut sich der 61-Jährige. "Ich hoffe, dass ich noch lange dabei sein kann." 1986 verpachtete er den Hof. Unter anderem wurde dort eine Käserei betrieben. Vor zwei Jahren kaufte die Dr. Axe-Stiftung die Immobilie. Im wiedererrichteten Hasenberghof befindet sich rechts das Kunstkabinett, links die Wohnungen der drei hauptamtlichen Mitarbeiter, die sich um die Tiere kümmern, und eine große Küche.
Unter dem Titel "Landschaften von Andreas Achenbach bis Fritz von Wille - Ideal und Wirklichkeit" werden die 90 Gemälde der Düsseldorfer Kunstakademie präsentiert. Die Gemälde aus der Dr. Axe-Stiftung, die der Malerei der Düsseldorfer Schule verpflichtet ist, werden immer wieder ausgetauscht. Hier kann der Besucher sich einen guten Eindruck über die Entwicklung der deutschen Landschaftsmalerei verschaffen. Diese Gattung wurde zu einer der erfolgreichsten in der Malerei des 19. Jahrhunderts. Gezeigt werden Ansichten aus der Eifel, von der Ahr, aus dem Harz und aus Italien. Olaf Teichmann, der Architekt der Dr. Axe-Stiftung, baute den Hof im Auftrag von Anneliese Neumann, der Vorsitzenden des Vorstands der Stiftung, wieder auf. Dr. Axe habe im Hasenberghof die Anlage gefunden, in der er seine Pläne in einer "fantastischen Lage" habe verwirklichen wollen, was nun nach seinem Tode geschehen ist. Dr. Heinz Rütz, der Vorsitzende des Dahlemer Planungsausschusses, stattet Teichmann einen Besuch ab. "Für die Gemeinde ist das Objekt eine sehr große Bereicherung", so Dr. Rütz. "Man kann es kaum besser machen. Es bereichert die gesamte städtebauliche Entwicklung Kronenburgs. Es soll auch als Maßstab dafür dienen, was hier noch angesiedelt werden kann, ohne den Charakter Kronenburgs zu zerstören."
Das Kunstkabinett ist mittwochs und freitags von 14 bis 17 Uhr und samstags und sonntags von 12 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.