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Gipfelkunst: Völlig losgelöst von der Erde

Die Skulptur des Lünebacher Künstlers Christoph Mancke (Foto oben rechts) soll im September am Erbeskopf zum Blickfang werden. Fotomontage: Christoph Mancke und Foto: Dirk Guldner
Die Skulptur des Lünebacher Künstlers Christoph Mancke (Foto oben rechts) soll im September am Erbeskopf zum Blickfang werden. Fotomontage: Christoph Mancke und Foto: Dirk Guldner
Erbeskopf/Lünebach. Bis September soll das Plateau des Erbeskopfes neu gestaltet werden. Die dafür vorgesehene Skulptur entsteht im Atelier des Lünebacher Bildhauers Christoph Mancke. Stefanie Glandien

Erbeskopf/Lünebach. Auf dem Schreibtisch im Lünebacher Atelier des Bildhauers Christoph Mancke liegen zwölf Konstruktionspläne. Was sich hinter den technischen Zeichnungen verbirgt, kann auf einer Computeranimation schon bewundert werden: Seine neue Skulptur mit dem Titel Windklang. Ein langer Holzsteg führt schwebend durch eine große Skulptur, dahinter eröffnet sich dem Betrachter ein fast endloser Blick über die Silhouette des Hunsrückrückens. In die Ferne blicken oder auf die Skipiste springen? Die liegt nämlich unterhalb des begehbaren Monuments, das auch einer Skisprungschanze nicht unähnlich ist.
Entstanden ist der Entwurf im Rahmen eines Ideenwettbewerbs für die Neugestaltung des Erbes kopf-Plateaus. Schon lange bestand beim Zweckverband Wintersport, Natur und Umweltbildungsstätte Erbeskopf der Wunsch, das Plateau neu zu gestalten. Hans-Dieter Dellwo, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Thalfang am Erbeskopf, sprach von einem "Gipfelproblem", das seit der Sprengung des Kaiser-Wilhelm-Turms im Jahr 1961 durch das amerikanische Militär bestehe. Einer der 29 eingereichten Entwürfe zur Neugestaltung der Konversionsfläche stammte von Künstler Christoph Mancke, der zusammen mit dem Büro Ernst und Partner, Landschaftsarchitekten aus Trier, den Wettbewerb und das Preisgeld von 5000 Euro gewonnen hat.
360 Seiten Statikberechnung


Rund 800 000 Euro soll das gesamte Projekt, inklusive Skulptur, Info-Punkt, Wegeanlage und Parkplätze kosten. Bauherr ist der Zweckverband Erbeskopf. Das Land hat Zuschüsse von 554 000 Euro zugesagt.
Derweil wird in der Eifel schwer gearbeitet. 16,50 Meter wird die Skulptur hoch sein. Der Steg soll 70 Meter lang werden. Die Stahlkonstruktion wird mit einheimischen Hölzern verkleidet. Allein die Berechnungen der Statik füllen 370 Seiten eines Ordners. Gefertigt wird die Skulptur in Schönecken vom Stahlbauer Matthias Görres und der Zimmerei Peter Floss. Der Entwurf soll bis September realisiert werden.
In der Zwischenzeit hat Mancke, Kaiser-Lothar-Preisträger der Stadt Prüm, das nächste Projekt vor Augen. Er wird für die Stadt Völklingen eine ebenerdige Bodenskulptur konzipieren. "Dafür habe ich im Januar sechs Wochen lang in einem Steinbruch in Vietnam gearbeitet", sagt Mancke. Bodenwasserkunst aus dem Atelier Mancke gibt es auch in der Region zu bewundern. So hat der 58-Jährige unter anderem auf dem Trierer Kornmarkt ein bewässertes Bodenrelief gestaltet. Gipfelgestaltung: Der Kerngedanke des Siegerentwurfs "Kopf der Region" ist es, eine zusätzliche Motivation zu schaffen, den Erbeskopf zu erklimmen. Blickfang des Projekts ist die Skulptur "Windklang". Sie wird Bestandteil des Saar-Hunsrück-Steigs. In Form eines Fußabdrucks führt der sandgebundene Rundweg um den Gipfel herum. Verweil- und Info-Stationen begleiten den Wanderer. Auf dem Gipfel sollen an einem Info-Punkt Sichtlinien in Form von Betonachsen Bezug nehmen auf die anderen (Berg-)"Köpfe" der Region wie den Idarkopf. iro