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Großes Potenzial dank Vennbahn

Besuch in Pronsfeld: Bahntrassenradweg-Experte Achim Bartoschek inspiziert den Eifel-Ardennen-Radweg. TV-Foto: Christian Brunker
Besuch in Pronsfeld: Bahntrassenradweg-Experte Achim Bartoschek inspiziert den Eifel-Ardennen-Radweg. TV-Foto: Christian Brunker
Prüm/Pronsfeld. Er hat wohl so viele Kilometer auf Bahntrassenradwegen in Deutschland und Europa in den Beinen wie kaum ein anderer. Seit rund zehn Jahren befasst sich der Leverkusener Informatiker Achim Bartoschek mit der neuen Nutzung ehemaliger Bahnstrecken. Entstanden ist eine Internetseite, auf der sich jährlich rund 750 000 Besucher informieren. Christian Brunker

Prüm/Pronsfeld. Ob Eifel-Ardennen-Radweg, Enztalradweg oder Maare-Mosel-Radweg: In den vergangenen Jahren sind die stillgelegten Bahnstrecken in der Eifel systematisch zu Radwegen umgebaut worden. Mehrere Millionen Euro hat das Land in den Ausbau der Infrastruktur investiert, um den Radtourismus zu fördern. Einer, der diese Entwicklung mittlerweile in ganz Europa intensiv beobachtet, ist der Leverkusener Achim Bartoschek.
Seit Ende der 1990er Jahre ist der Informatiker und passionierte Hobbyradler mehrere Zehntausend Kilometer auf Radwegen gefahren und hat dabei ein spezielles Interesse an Strecken auf ehemaligen Bahn trassen entwickelt. "Das Faszinierende ist, dass man auch in einer Mittelgebirgsregion nie mehr als ein paar Prozent Steigung hat", sagt Bartoschek. "Dazu hat man die Bahninfrastruktur wie Dämme, Viadukte oder Tunnel wie in Bleialf, die weiter genutzt wird. Und im Idealfall gibt es Stellen wie am Bahnhof in Pronsfeld, wo die Bahnvergangenheit wirklich greifbar wird."
Weil es damals kaum gebündelte Informationen über diese Strecken gab, machte sich der 44-Jährige ans Werk. Entstanden ist die Internetseite www.bahntrassenradeln.de, auf der sich mittlerweile 750 000 Besucher jährlich informieren. Dort sind 570 Wege in Deutschland und 745 Wege in 19 weiteren Ländern mit einer Länge von insgesamt rund 15 000 Kilometern erfasst und eine Auswahl von 500 Wegen detailliert beschrieben. Die Entwicklung in der Eifel verfolgt Bartoschek dabei mit großem Interesse und ist immer wieder vor Ort, um sich selbst von den Fortschritten zu überzeugen.
Für ihn ist erfreulich, wie gut die verschiedenen Strecken mittlerweile vernetzt sind und wie systematisch der Ausbau in den vergangenen Jahren vorangegangen ist. Denn mit der Vernetzung der Wege wachse auch deren touristisches Potenzial. "Die Wertschöpfung ist ganz enorm und schlägt sich in den Zahlen bei Übernachtungen oder der Gastronomie nieder - wie bereits einige Studien gezeigt haben."
Ein Projekt in unmittelbarer Nachbarschaft wird dem Radtourismus in der Eifel einen weiteren Schub geben, davon ist Bartoschek überzeugt: "Wenn die Vennbahn fertig ist, wird das gigantisch", sagt Bartoschek.
Von Aachen bis Luxemburg


Diese Strecke soll vom kommenden Jahr an Aachen mit dem luxemburgischen Troisvièrges quer durch das Hohe Venn verbinden. "Das ist eine der Strecken, die wirklich ein enormes Potenzial haben", sagt er. Denn zum einen nutzt die rund 125 Kilometer lange Strecke einen hohen Anteil der alten Trasse. Zum anderen hat die Eifel gleich zwei Verbindungspunkte an die Vennbahn. In St. Vith stößt der Eifel-Ardennen-Radweg von Prüm auf die Strecke, weiter nördlich ist es die Verlängerung des Kylltalradwegs, der von Hallschlag über Losheim nach Büllingen führen soll, aber noch nicht fertiggestellt ist. Erst vor wenigen Tagen hat Bartoschek die Vennbahn selbst unter die Räder genommen. "Die Strecke ist, wenn man sie von Aachen aus fährt, von den Höhenmetern nicht ganz ohne", sagt Bartoschek. "Es ist zwar nie steil, aber es kommen ein paar Meter bergauf zusammen." Um sie dennoch für alle Nutzer attraktiv zu machen, empfiehlt Bartoschek den Aufbau einer Infrastruktur für E-Bikes.
Ein Manko ist für Bartoschek allerdings die Lücke zwischen Gerolstein und Prüm. Die derzeit ausgewiesene Strecke halte viele Radfahrer davon ab, den Schritt vom Kyll- ins Prümtal zu machen. Grundsätzlich sei eine gute Bahnanbindung der Radwege wichtig, und wenn eine Bahnstrecke für den regulären Personennahverkehr reaktiviert werde, habe dies eindeutig Vorrang, sagt Bartoschek. "Aber die Gründe, die zu einer Stilllegung geführt haben, kann man nicht wegdiskutieren." Optimal wäre beides, also Bahn und Radweg, "aber das ist eine finanzielle Frage und daher vermutlich unrealistisch."