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Guter Geist: Gielens Gretchen

Die gute Seele von Brandscheid: Margarete Gielen. TV-Foto: Joachim Schröder
Die gute Seele von Brandscheid: Margarete Gielen. TV-Foto: Joachim Schröder
BRANDSCHEID. Das Wohnhaus steht unmittelbar neben der Kirche, die Beziehung zu diesem Gotteshaus ist eine besondere. Seit drei Jahren versieht Margarete Gielen hier den Küsterdienst, doch das ist nicht alles. Sie hilft auch tatkräftig Menschen in Not. ARRAY(0x8b0d18f0)

Sie kann viel, weiß viel, tut viel - anpacken heißt ihre Devise, nicht reden. In der Kirche, die soeben eine Runderneuerung im Außenbereich erfährt, versieht sie gerade den Putzdienst und schaut nach den Blumen. "Ja, hier verbringe ich viel Zeit", sagt die 69-jährige Ehefrau und Mutter von fünf Kindern. Das Leben hier oben auf Brandscheids Höhen war nicht immer leicht: Sehr gut erinnert sich ihr Ehemann Karl, als am 5. Februar 1945 die Amerikaner ins Dorf einmarschierten und alles in Schutt und Asche legten. "Das Verdun der Eifel stand in Flammen und unsere Pfarrkirche war ein Trümmerhaufen." Da sie viel krank war und einige schwere Operationen überstehen musste, kam Gretchen, wie sie liebevoll genannt wird, der Gedanke auf, "etwas gutzumachen". So wurde die Idee geboren, einen großen Erntedankbasar in Brandscheid auszurichten. "Schon im letzten Jahr gab es einen Probelauf", sagt die Küsterin und erinnert an den Kuchenverkauf in der Kirche. In diesem Jahr sollte alles viel größer werden, doch einige Zeitgenossen ließen erkennen, "dass ich das nicht allein schaffe". Doch wer Margarethe Gielen kennt, weiß, dass sie eine resolute und emsige Streiterin für die gute Sache ist. Auch Ehemann Karl musste ran: "Ich hab Holunder und andere Früchte gepflückt", sagt er rückblickend auf die Vorbereitungszeit. Martha kochte indes tüchtig ein: "30 Gläser Zucchini-Salat, 40 verschiedene Marmeladen, 20 Gläser Rote Bete, 40 Tüten Spritzgebäck und 27 Flaschen Holunderlikör hab ich gemacht", sagt sie und verweist auf jede Menge Arbeit. Restlos alles wurde dann am Erntedanktag verkauft, der Erlös der Veranstaltung betrug schließlich stolze 2870 Euro. "Unsere Jugendgruppe gab dankenswerterweise auch noch 300 Euro dazu", lobt Margarethe Gielen den dörflichen Nachwuchs. "Wenn ich krebskranke Kinder sehe, läuft es mir kalt den Rücken runter", sagt die gläubige Christin, die mit viel Eifer den Küsterdienst versieht. "Blumenschmuck, Glocken bedienen, Kirche putzen, Wäsche erledigen - das alles zählt zu meinem Dienst", sagt sie. Klar, dass die rüstige Seniorin am Erntedankfest den Altar besonders attraktiv mit Früchten und Blumen schmückte, wie ihre Bilder anschaulich dokumentieren. Viel Lob gab es für die Gielen-Initiative. Dechant Karl Kneißl würdigte die "gute Teamarbeit in Brandscheid" und schloss Organist, Lektor und Kommunionhelfer in sein Lob ein. Am kommenden Samstag, 21. Oktober, feiern Gretchen und Karl die goldene Hochzeit. Viele Mitbürger werden den beiden gratulieren. Und viele werden kommen, um zu danken - für ihren sozialen Dienst und das große Maß an Mitmenschlichkeit.