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Höhepunkte, Sorgenkinder und neue Pläne

Hat in den vergangenen 35 Jahren viel für die Ortsgemeinde Pronsfeld getan: Winfried Richards, fotografiert am Höhberg mit Blick über Pronsfeld. TV-Foto: Stefanie Glandien
Hat in den vergangenen 35 Jahren viel für die Ortsgemeinde Pronsfeld getan: Winfried Richards, fotografiert am Höhberg mit Blick über Pronsfeld. TV-Foto: Stefanie Glandien
Radwegenetz, Bürgerhausbau, Flurbereinigung: Winfried Richards war 35 Jahre lang Ortsbürgermeister von Pronsfeld. Eine weitere Legislaturperiode wollte er nicht mehr dranhängen. Im August übergibt er seinen Posten an Monika Winkelmann (Wählergruppe Winkelmann). Von unserer Redakteurin Stefanie Glandien

Pronsfeld. Während heute die meisten Ortsgemeinden sich glücklich schätzen können, wenn überhaupt noch jemand ehrenamtlich den Posten des Bürgermeisters übernimmt, waren vor 35 Jahren die Zeiten noch anders. Damals, 1974, gab es noch richtig "Wahlkampfgedöns", erinnert sich Winfried Richards (65). Er wurde mit 30 Jahren in Pronsfeld Nachfolger von Kaspar Kockelmann und seither immer wieder im Amt bestätigt. Doch nun ist Schluss: "Man muss auch seinen Abschied planen. Viele verpassen den richtigen Zeitpunkt", sagt Richards.

Viel erreicht und umgesetzt hat der gebürtige Pronsfelder in dieser Zeit. Ob Bürgersteigausbauten, Friedhofserweiterung, Flurbereinigung, Turnhallenbau, Bürgerhaus oder Sportplatzneubau - die Liste ließe sich endlos fortsetzen. Die Flurbereinigung, die Einrichtung für die als Mehrzweckhalle genutzte Turnhalle und die Größe der Küche im Gemeindehaus - so manches Mal wurde im Rat heftigst diskutiert.

Im Rahmen der Dorferneuerung wurde der Kirchplatz umgestaltet, "heute ist das auch schon wieder ein alter Hut", sagt Richards. Dauerthema und Sorgenkind war und bleibt die "Alte Kirche" auf dem Friedhof, die schon zwei Mal renoviert worden ist.

Lobend erwähnen möchte der scheidende Ortsbürgermeister vor allem die Vereine im Dorf, die sich stets für das Allgemeinwohl einsetzen. So baute beispielsweise der Sportverein in Eigenleistung Umkleiden am Sportplatz, die Laufgemeinschaft Lünebach-Pronsfeld war federführend bei der Einrichtung einer Nordic-Walking-Strecke und nur dank Förderverein war es möglich, die Alte Kirche wieder herzurichten. Mit zu den schönsten Höhepunkten seiner Amtszeit zählt Richards die 950-Jahr-Feier, bei der alle Vereine und viele Bürger mitgemacht hätten.

Ein "Superding" sei die Entstehung der Radwege entlang der ehemaligen Bahntrassen mit Pronsfeld als Knotenpunkt. Dort wurden kürzlich erst ein kleines Freiluft-Eisenbahn-Museum eingeweiht und ein Wohnmobil-Stellplatz angelegt. Ein großer Naturspielplatz soll folgen.

"Der Faktor Erholung hat in den vergangenen Jahren an Bedeutung zugenommen und wird es weiter tun", sagt der 65-Jährige. Dazu passt der Ausbau eines Weges zum Aussichtspunkt auf dem Hochberg, von dem man einen fantastischen Blick auf Pronsfeld genießen kann.

Auch wenn Pronsfeld keinen Lebensmittelladen und keine Post mehr hat, ist es mit seiner Nähe zu Prüm ein beliebter Wohnort. Die Einwohnerzahl (rund 1000) sei über die Jahre gleich geblieben und sogar leicht steigend, sagt Richards. Froh ist er auch über die ortsansässigen, gut florierenden Gewerbe- und Handwerksbetriebe.

"Man sagt ja, wenn es am schönsten ist, soll man aufhören", kommentiert der Ortsbürgermeister sein Ausscheiden. Seine Nachfolgerin ist Monika Winkelmann, die 15 Jahre lang schon seine Stellvertreterin war. Ob er einen Rat für sie hat, wollen wir von ihm wissen. "Die braucht eigentlich keinen Rat", sagt er. Und dann fällt ihm doch etwas ein: "Über alles mal eine Nacht schlafen und sich nicht über Leute ärgern, die alles besser wissen und alles anders gemacht hätten."

Während in Pronsfeld schon die nächsten Projekte anstehen (Erweiterung Kindergarten, Einrichtung eines Naturspielplatzes), will Richards erst einmal seine Freizeit genießen. Rad fahren, Saxofon spielen, seiner Frau im Garten helfen und, falls gewünscht, sich weiterhin ehrenamtlich einbringen.