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"Ich wollte das gar nicht glauben"

Ein Moment der Freude (von links): Bürgermeisterin Diane Schmitz, Cäcilia Keip und Spenderin Ilse Pottgießer mit Gemälde beim Treffen in Stadtkyll. TV-Foto: Fritz-Peter Linden
Ein Moment der Freude (von links): Bürgermeisterin Diane Schmitz, Cäcilia Keip und Spenderin Ilse Pottgießer mit Gemälde beim Treffen in Stadtkyll. TV-Foto: Fritz-Peter Linden
Vor kurzem berichtete der TV über das Thema Armut in der Eifel - und über die in finanzielle Not geratene Familie Keip aus Hallschlag. Nach der Lektüre des Artikels beschloss Ilse Pottgießer aus Daun, den Keips zu helfen. Von unserem Reporter Fritz-Peter Linden

Hallschlag/Daun. Armut in der Eifel - mit diesem Thema beschäftigten sich im Januar zwei Ausstellungen in Prüm und Jünkerath (der TV berichtete). Und in Hallschlag berichtete Cäcilia Keip, wie sie und ihr Mann Guido nach schweren Erkrankungen selbst in Not geraten waren.

Die Geschichte geht aber noch weiter: Denn vor einigen Wochen starb Guido Keip, nur 53 Jahre alt. Seine Frau muss nun alleine weitermachen. In all diese Traurigkeit hinein schickte dann aber eine Leserin einen kleinen Lichtblick: Nachdem der Artikel über die Keips erschienen war, meldete sich Ilse Pottgießer aus Daun - sie wollte helfen.

Und sie setzte sich in Verbindung mit Diane Schmitz, der Bürgermeisterin der Verbandsgemeinde Obere Kyll. Schnell war zwischen den beiden abgemacht: Ilse Pottgießer wird versuchen, für Familie Keip Geld zu sammeln. Und die Bürgermeisterin unterstützt sie dabei mit einem offiziellen Empfehlungsschreiben.

"Und dann bin ich mit dem Artikel und dem Schreiben von Frau Schmitz bewaffnet zu den Leuten gegangen", erzählt sie. "Die Leute" - das waren zunächst vor allem die Mitglieder ihrer Malgruppe "Rouge" und die Teilnehmer ihrer Kurse bei der Volkshochschule Daun. "Und es hat sich keiner gedrückt", sagt Ilse Pottgießer.

Nur bei ganz wenigen Menschen sei sie auf Ablehnung gestoßen mit ihrem Anliegen. Motto: "Armut? Das gibt es heute bei uns nicht mehr!" Am Schluss, und das ist das Erfreuliche, hatten aber dann doch 27 Bürger gespendet. Jeder mit Namen auf einer Liste und seiner Spendensumme korrekt verzeichnet: "Ich bin Kauffrau, verstehen Sie", sagt ´Ilse Pottgießer und lacht. "Man muss da schon System und Ordnung reinbringen." Die Summe: 575 Euro.

Schön - aber an dieser Stelle kommt die deutsche Bürokratie ins Spiel. Denn zunächst hätte das Geld den Keips überhaupt nichts genützt, denn es hätte als "Vermögen" verbucht werden müssen. Cäcilia Keip erhielt aber die sogenannte Grundsicherung zum Lebensunterhalt im Alter und hätte deshalb kein Geld haben dürfen: "Sobald Vermögen da ist, müssen wir das einkassieren", sagt Diane Schmitz.

Nach Guido Keips Tod aber erhielt seine Frau nicht mehr diese Grundsicherung, sondern drei Monatsrenten ihres Mannes. "Die müssen bis Ende Juni reichen, weil ich ab dann die Witwenrente bekomme." Erst jetzt darf sie aber auch die Spende offiziell entgegennehmen, ohne dass ihr das Geld wieder abgezogen wird.

Und so trafen sich die drei Frauen nun in der Stadtkyller Pizzeria, um endlich die Spendenübergabe zu feiern - wobei Ilse Pottgießer noch eine Zugabe mitbrachte: eines ihrer Bilder mit farbkräftigen Blumen als Motiv. Und deshalb herrscht bei Cäcilia Keip auch an diesem Tag Freude: "Ich wollte das gar nicht glauben, als ich davon gehört habe", erzählt sie. Auch nach dem Tod ihres Mannes hätten weitere Menschen geholfen: "Da waren viele liebe Beileidsbriefe, wo etwas dazugelegt war. Sonst hätte ich meinen Mann ja gar nicht beerdigen können."

"Ich freue mich natürlich, dass da jemand sich so spontan einsetzt", sagt Diane Schmitz. "Und dass man Frau Keip so etwas Gutes tun kann, und wir jetzt hier zusammensitzen. Ich hoffe nur, dass das Thema jetzt nicht direkt wieder aus den Köpfen raus ist."

Ilse Pottgießer weiß, dass sie am Ende nur einen kleinen Beitrag leisten kann: "Man müsste mehr Leuten helfen können. Man kann eben nicht die ganze Welt retten. Aber in kleinen Stücken kann man sicher etwas tun. Und ich hoffe, dass jetzt der eine oder andere Freund den Artikel sieht und vielleicht noch etwas gibt."