| 13:04 Uhr

Handwerk
Eifeler Jungschreiner vertritt sein Land in München

Johannes Regnery – sein Gesellenstück ist dieses Jahr das beste in Rheinland-Pfalz.
Johannes Regnery – sein Gesellenstück ist dieses Jahr das beste in Rheinland-Pfalz. FOTO: Harald Schmitz / TV
Stadtkyll/Feusdorf. Johannes Regnery aus Feusdorf hat in der Stadtkyller Schreinerei von Udo Görres das beste Gesellenstück in Rheinland-Pfalz gebaut. Im März fährt er damit zum Bundesentscheid nach München. Von Fritz-Peter Linden
Fritz-Peter Linden

„Als Gesellenstück ist es perfekt“, sagt Schreinermeister Udo Görres mit Blick auf das Sideboard, das sein Lehrling Johannes Regnery für die Gesellenprüfung in seinem Stadtkyller Betrieb gebaut hat.

Auf Deutsch heißt das Möbelstück meist „Anrichte“, aber so richtig will das Wort hier nicht passen: Viel zu elegant sieht das fein geschreinerte Werkstück aus sogenannter Riss­eiche aus – mit gerundeten Seiten und gläserner Schubladenfront.

Meister Udo Görres mit dem prämierten Gesellenstück seines Lehrlings.
Meister Udo Görres mit dem prämierten Gesellenstück seines Lehrlings. FOTO: Fritz-Peter Linden / TV

Was zugleich auch heißt: Da stecken ein paar echte Schwierigkeiten für den Handwerker drin. Die man vielleicht nicht sofort bemerkt, weil das Sideboard zugleich durch seine gestalterische Zurückhaltung überzeugt.

Genau: „Die runden Formen und der runde Schubkasten – das so hinzukriegen, dass alles perfekt zusammenpasst, das war das Schwierige“, sagt Johannes Regnery. Ebenfalls knifflig: die exakte Verbindung der einzelnen Teile an den Kanten.

Als er den Entwurf gesehen habe, sagt Udo Görres deshalb auch, habe er seinem Lehrling gleich mitgeteilt: „Wenn du das so hinbekommst, wird es ne glatte Eins.“ Johannes kriegte es hin. Und holte sich die Bestnote.

Die Risse im Holz sind übrigens sichtbar, sie gehören zur Gestaltung des Möbels, das sich der Meister genauso gut unter einer Garderobe wie unter einem schicken Flachbild-Fernseher vorstellen kann. Oder einfach so in einem Raum, der das Sideboard zur Geltung bringt.

Der 20-jährige Johannes Regnery hat mit seinem Gesellenstück nicht nur eine Top-Prüfung hingelegt, sondern dann auch beim Landeswettbewerb der Handwerksjugend den ersten Platz geholt – und wird nun Mitte März beim Bundesentscheid unter dem Titel „Die gute Form“ in München Rheinand-Pfalz vertreten.

Bei seinem Werkstück, schrieb die Landesjury, „überzeugt die roh anmutende Oberfläche als Kontrapunkt zum homogenen Glas und birgt eine gelungene Farbabstimmung.“ Die „hohe handwerkliche Kompetenz“ des jungen Schreiners erkenne man auch am „fein dimensionierten Schubkasten“, der durch indirekte Beleuchtung geschickt in Szene gesetzt werde.

Auf nach München also. Was rechnet sich Johannes da aus? „Oh, das weiß ich, ehrlich gesagt, nicht. Ich kenne ja die Stücke der anderen auch nicht. Ich find’s schon gut, dass ich dabei bin. Man kann ja eigentlich nicht verlieren: Es ist schon eine große Ehre, da hinzudürfen.“

Und wie geht es für ihn jetzt weiter? Meister werden? Das habe er vor, sagt der 20-Jährige: „Wahrscheinlich nächstes Jahr oder in zwei Jahren. In näherer Zukunft auf jeden Fall.“

Das Sideboard steht derzeit noch in der Schreinerei in der Stadtkyller Auelstraße. Und nach dem Auftritt in München, sagt Johannes Regnery, „kommt es zu mir nach Hause und ins Wohnzimmer.“ Obwohl er für sein prämiertes Unikat bestimmt einen guten Preis erzielen könnte. Aber verkaufen? „Auf gar keinen Fall.“

Meister Udo Görres mit dem prämierten Gesellenstück seines Lehrlings.
Meister Udo Görres mit dem prämierten Gesellenstück seines Lehrlings. FOTO: Fritz-Peter Linden / TV