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Rettungsdienste
Die Frauen, wer sonst? In Prüm, na klar!

 150 Jahre DRK in der Eifel – und wenn man genau hinguckt, erkennt man die Basilika Prüm, wo der Ur-Verein gegründet wurde (von links): Rainer Hoffmann, Monika Fink, Mathilde Weinandy und Aloysius Söhngen.
150 Jahre DRK in der Eifel – und wenn man genau hinguckt, erkennt man die Basilika Prüm, wo der Ur-Verein gegründet wurde (von links): Rainer Hoffmann, Monika Fink, Mathilde Weinandy und Aloysius Söhngen. FOTO: Fritz-Peter Linden
Prüm/Bitburg. Das Deutsche Rote Kreuz feiert in der Eifel ein großes Jubiläum: Am kommenden Samstag vor 150 Jahren gründete sich in der Abteistadt der „Vaterländische Frauenverein“. Erinnert wird daran mit Aktionen bis in den Herbst. Von Fritz-Peter Linden
Fritz-Peter Linden

Den Vorsitz durfte sie übernehmen, einen Vornamen aber gönnte man ihr, zumindest im Gründungsdokument, nicht: Erste Präsidentin des „Vaterländischen Frauenvereins Prüm“ im Roten Kreuz – mit stolzen 97 Mitgliedern – wurde, am 16. März 1869, „Frau Lederfabrikant Franz Alff“, Stellvertreterin eine „Frau Dr. Altendorf“, wobei man davon ausgehen kann, dass der Doktortitel ebenfalls zum Gatten gehörte. Schriftführer und Schatzmeister waren dann schon wieder zwei Männer, das traute man den Damen wohl noch nicht zu.

Aber egal, es war die Geburtsstunde des Roten Kreuzes in der Eifel, und sie wurde von Frauen initiiert. Deshalb treffen wir uns zum Jubiläum auch mit den Hauptverantwortlichen in Prüm: Kreis-DRK-Präsidentin Monika Fink, ihrer Stellvertreterin (und Stadtbürgermeisterin) Mathilde Weinandy, Geschäftsführer Rainer Hoffmann und Aloysius Söhngen, Ortsvereinsvorsitzender und Bürgermeister der Verbandsgemeinde.

In Prüm ging’s also los, Bitburg folgte, den Dokumenten zufolge, 1880, später die anderen Orte, und irgendwann stiegen auch die Männer ein. Heute, sagt Hoffmann, „haben wir insgesamt 14 Ortsvereine im Kreis, die aus diesen Wurzeln gebildet wurden“. Im Dezember 1972 gingen die damaligen Kreisverbände Bitburg und Prüm dann zusammen.

Und aus der Organisation, die anfangs – im Sinn von Henri Dunant, der das Rote Kreuz 1863 unter dem Eindruck der Schlacht von Solferino gegründet hatte – vorrangig Kriegsverletzten helfen wollte, habe sich längst, sagt Söhngen, „ein umfassend tätiger Wohlfahrtsverband“ entwickelt. Mit einem Jahresbudget in Höhe von 18 Millionen Euro und allein 2100 Fördermitgliedern in Prüm, dem stärksten Ortsverband. Insgesamt fördern im Kreis 13 000 Menschen das DRK, damit habe man bundesweit einen der stärksten Verbände und gemessen an der Einwohnerzahl, sagt Hoffmann, praktisch „in jedem Haushalt ein Rotkreuzmitglied sitzen“.

Das DRK unterhält Bereitschafts- und Sozialdienste, hat acht Rettungswachen und zwei Sozialstationen, eine Tagespflege, es betreibt betreute Wohnanlagen in Prüm und Bitburg und hat eine Jugendorganisation. Viele Menschen, die vielen helfen. Auch in der Kinder- und Jugendpflege, ein zuletzt wachsender Sektor, sagt Rainer Hoffmann, allein dort arbeiten aktuell mehr als 70 Menschen.

Und 180 sind eifelweit als Retter unterwegs. Der Rettungsdienst mache pro Jahr etwa zwei Millionen Euro Defizit, sagt Rainer Hoffmann. „Was nur dadurch funktioniert, dass wir auf Landesebene einen Ausgleich haben.“ Ein solches Defizit, sagt Monika Fink, könne sich manch einer nicht vorstellen. Aber der Dienst müsse eben überall 24 Stunden am Tag bereitstehen. Und zwar auf dem Land, wo deutlich weniger Einsätze auf erheblich weiteren Strecken zu leisten seien als in den städtischen Gebieten.

Deshalb sorgt man sich durchaus darüber, sagt Monika Fink, dass auf europäischer Ebene eine Privatisierung diskutiert werde. Denn da gehe es um den Profit, sagt Mathilde Weinandy. Und der sei auf den Dörfern nicht zu erzielen.

Außerdem: Wenn irgendwo ein großer Unfall geschehe, sagt Rainer Hoffmann, „dann können wir das aus eigenen Ressourcen bestreiten“– weil man eben so viele Ehrenamtliche in seinen Reihen habe.

Große Unfälle, bei denen auch die Rotkreuzhelfer gebraucht wurden: Das waren in der Eifel unter anderem die Prümer Explosionskatastrophe am Kalvarienberg, die sich 2019 zum 70. Mal jährt. Das war die Explosion eines Tanklagers in Niederstedem vor 65 Jahren. Und es war der schreckliche Unfall vor bald 35 Jahren, als im Dezember 1984 ein Schulbus am Niederprümer Bahnübergang mit einer Güterlok zusammenstieß. Damals starben der Busfahrer, ein 15 Jahre alter Schüler und in den Wochen danach drei weitere Kinder.

Dass man vor 150 Jahren „solche Leute hier in Prüm“ gehabt habe, „erfüllt mich mit Dankbarkeit und Stolz“, sagt Mathilde Weinandy. Und dass es, gewiss auch wohlhabende, Frauen waren, die sich für andere einsetzen wollten. Denn die Frauen, sagt die Stadtbürgermeisterin, „die durften ja nichts“. Heute ist das zum Glück anders. Und normal.

Für Monika Fink ist noch ein weiterer Punkt wichtig: die Internationalität des Roten Kreuzes und des Roten Halbmonds, der Partnerorganisation in der islamischen Welt – und vor allem beider Neutralität. „Das haben wir gemerkt, als die ganzen Flüchtlinge kamen.“ Bei denen habe das Symbol der Helfer sofort Vertrauen geweckt.

Vertrauen, Hilfe, Betreuung, seit 150 Jahren – daran erinnert das Kreis-DRK bis in den Spätherbst hinein. Zwar wird am anstehenden Geburtstag, zumal dann der Beda-Markt läuft, nicht gefeiert. Aber dann: Zum Welt-Rotkreuztag am Mittwoch, 8. Mai, wird es ein „Dankeschön-Frühstück“ für alle Unterstützer und Förderer geben. Außerdem starten ein Mal- und ein Fotowettbewerb, in der Eifel soll das größte Rote Kreuz der Welt gestrickt werden, am 8. September bietet der Prümer Ortsverein einen Tag der offenen Tür, weitere Termine folgen – bis zur Jubiläumsgala am Freitag, 15. November, im Haus Beda in Bitburg.

 DRK im Rettungseinsatz.
DRK im Rettungseinsatz. FOTO: Fritz-Peter Linden