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Jugendparlament Arzfeld: Die nächste Generation geht ans Ruder

Der erste offizielle Fototermin mit der Presse ist für manche Nachwuchsparlamentarier noch ungewohnt, spätestens in zwei Jahren zur nächsten Neuwahl sieht das sicher ganz anders aus. TV-Foto: Frank Auffenberg
Der erste offizielle Fototermin mit der Presse ist für manche Nachwuchsparlamentarier noch ungewohnt, spätestens in zwei Jahren zur nächsten Neuwahl sieht das sicher ganz anders aus. TV-Foto: Frank Auffenberg FOTO: Frank Auffenberg (aff), Frank Auffenberg ("TV-Upload Auffenberg"
Arzfeld. Das Jugendparlament Arzfeld hat seine dritte Amtszeit eröffnet. Die Parlamentarier wählten aber nicht wie ihre Vorgänger gleich einen neuen Vorstand: Man will sich erst mal besser kennenlernen. Frank Auffenberg

Als Herzensangelegenheit trieb der Bürgermeister der Verbandsgemeinde (VG) Arzfeld, Andreas Kruppert, die Gründung eines Jugendparlaments so lange voran, bis 2012 erstmals der politische Nachwuchs zur konstituierenden Sitzung zusammenfand. Krupperts Initiative sollte von Nachhaltigkeit sein: Das Gremium konnte nach den Neuwahlen im September nun in seine dritte Legislaturperiode starten (siehe Extra).

"Und das in voller Besetzung von 20 Mitgliedern. Ich bin sehr froh, dass es weitergeht und ihr so viel Interesse an einer Mitarbeit zeigt", sagt Kruppert. Besonders freue ihn, dass die dritte Legislaturperiode einen regelrechten Generationenwechsel mit sich bringe. "Ich blicke fast nur in neue Gesichter. Wer von Euch hat denn eigentlich überhaupt schon mal an einer Ratssitzung teilgenommen?", fragt er. "Keiner? Na, das können wir ändern. Ihr seid herzlich eingeladen, mal im VG-Rat vorbeizuschauen." Angst vor zu viel Bürokratie müsse übrigens niemand haben: "Ich gehe nun einmal rum, begrüße jeden per Handschlag, und damit ist meine formelle Arbeit auch erst mal getan. Wie es weitergeht, bestimmt alleine ihr."

Und das macht der politische Nachwuchs auch prompt. Statt wie seine Vorgängergremien den Vorstand bereits in der konstituierenden Sitzung zu bestimmen, beschließt man geschlossen, erst zur nächsten Sitzung wählen zu wollen. "Um sich besser kennenzulernen, ist das sicher sinnvoll", kommentiert die noch amtierende Vorsitzende Sabrina Hontheim (26, Daleiden) diese erste Abstimmung.

Sie sei gespannt auf die kommenden zwei Jahre, denn der Generationenwechsel habe nicht nur neue Gesichter mitgebracht, insgesamt sei das Plenum auch deutlich verjüngt worden. "Die erste Runde war noch sehr gemischt, in der zweiten war ein Großteil bereits jenseits der 18. Jetzt sind sehr viele Mitglieder sogar noch nicht volljährig. Die Arbeit mit ihnen wird sich sicher ganz anders gestalten." Wie sie konkret aussehen werde, entschieden die Mitglieder schließlich selbst.

"Ich bin neugierig, was wir machen werden und freue mich einfach drauf, Projekte zu planen und umzusetzen", sagt Daniel Kandels (17, Üttfeld). Er gehört zu den 15 Neulingen, die erstmals am Jugendparlament teilnehmen. Vorstellungen, wie die aussehen könnten, habe er aber noch nicht. Bereits zum zweiten Mal dabei ist Johannes Schneider (20, Pintesfeld). "Die erste Legislaturperiode hat mir gut gefallen. Ein Highlight war sicher die Reise nach Berlin." Unter anderem habe der Eifeler Bundestagsabgeordnete Patrick Schnieder einen spannenden Einblick in seinen politischen Tagesablauf gegeben. "Das war sehr interessant und zeigte uns mal, was es für eine Herausforderung ist, die Interessen des Eifelkreises und unserer VG mit der konkreten politischen Arbeit im Bundestag zusammenzubringen." Er sei vor zwei Jahren ins Jupa gegangen, weil er nicht mehr nur zusehen wollte, wie andere Politik machen: "Das Jupa ist eine gute Gelegenheit, um sich selber mal einzubringen."

Extra: Mit dem Nachwuchs kam die Förderung

Bereits in seinem ersten Wahlkampf 2009 kündigte Andreas Kruppert, Bürgermeister der Verbandsgemeinde (VG) Arzfeld, an, im Falle seiner Wahl ein Jugendparlament (Jupa) gründen zu wollen. Dabei galt Kruppert mit damals nur 30 Jahren selbst noch als politischer Nachwuchs. Er konnte sich damals erfolgreich gegen vier Mitbewerber durchsetzen und wurde nach seiner ersten Amtszeit im September ohne Gegenkandidaten wiedergewählt. Bis tatsächlich ein erstes Jugendparlament in der VG Arzfeld gewählt wurde, sollten zwar zwei Jahre vergehen, doch im Sommer 2012 kamen tatsächlich 20 junge Leute zwischen 14 und 26 Jahren zur ersten konstituierenden Sitzung im Arzfelder VG-Ratssaal zusammen. Die Parlamentarier entwickelten in den kommenden Jahren selbst ihr Arbeitsprogramm: eine Mischung aus sozialem Engagement und politischer Bildungsarbeit. Zwei Jahre später wurde Krupperts Initiative erneut aufgegriffen und zur Wahl eines zweiten Jupa aufgerufen, zur Bundestagswahl 2017 wurde es erstmals nicht nur per Briefwahl, sondern auch mit einem Urnengang bestimmt.

Meinung

Populisten das Wasser abgraben

Wer früh den parlamentarischen Alltag kennenlernt, wer zeitig eine Diskussionskultur entwickelt und sich im Austausch von faktenbasierten Argumenten übt, wird leicht die Verführungen des Populismus entlarven können. Das marktschreierische Herausbrüllen von Scheinwahrheiten ist dann erfolglos, wenn der Samen des Hasses auf wohlinformierten Boden fällt.

f.auffenberg@gmx.de