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Benefizkonzert
Ein Eifeler kehrt noch einmal heim ...

Berliner aus Rommersheim: Fagottist Holger Simon.
Berliner aus Rommersheim: Fagottist Holger Simon. FOTO: Bettina Stöß
Prüm. ... und musiziert dort für die Sanierung der Basilika Prüm. Holger Simon von der Deutschen Oper Berlin gastiert in der Abtei, gemeinsam mit den Bläsersolisten des Deutschen Ärzteorchesters. Von Fritz-Peter Linden
Fritz-Peter Linden

Kaum haben wir über die neu aufgetretenen Finanzsorgen bei der Innensanierung der Basilika berichtet (TV von Dienstag), da naht bereits erste Hilfe – sogar von Ärzten. Die aber machen in diesem Fall Musik. Und ihr Dirigent kommt aus Berlin. Er heißt Holger Simon.

Am Samstag, 1. September, 20 Uhr, leitet er im Fürstensaal des Regino-Gymnasiums ein Konzert mit den Bläsersolisten des Deutschen Ärzteorchesters – zugunsten der Basilikasanierung.

Aber Berlin? Genau: Denn dort ist Holger Simon Fagottist im Orchester der Deutschen Oper. Und wer sich nun fragt, wie das Konzert in Prüm zustande kam: Holger Simon stammt aus Rommersheim. „Meine Eltern leben immer noch da“, sagt er im Telefonat mit dem TV. „Und für mich ist die Eifel Heimat.“ In die er gern und oft zurückkehrt. Voriges Jahr habe er mit seinen Eltern, Mutter Heidemarie und Vater Karl-Heinz, dabei auch die Basilika besucht. Sie erzählten ihm von der anstehenden Sanierung. „Da habe ich gedacht: Da muss man was machen“, sagt der 53-Jährige.

Jetzt macht er – mit den Bläsersolisten des Deutschen Ärzte-Orchesters. Das habe ihn vor Jahren darum gebeten, mit den Musikern Stücke einzustudieren, seitdem besteht die Verbindung. „Die haben ein sehr gutes Niveau“, sagt Simon. Und das wollen sie dem Prümer Publikum am 1. September zeigen, in Zusammenarbeit mit dem Verein der Ehemaligen und Freunde des Regino-Gynasiums. Schließlich sind Simon und dessen Geschwister Jutta (Oboistin und Lehrerin) und Arne (Geiger und Medizinprofessor an der Europa-Uni Saarbrücken) ebenfalls Ehemalige der Schule. Wie übrigens auch ihr Vater Karl-Heinz, er war am Regino Lehrer für Biologie, Chemie und Sport.

Die Geschwister spielten irgendwann zusammen im Kammerorchester, damals noch unter der Leitung von Engelbert Berg. Prägend für Holger Simon war aber ein anderer Musiklehrer: Klaus-Martin Heinz. Der habe eines Tages mit dem Fagott-Koffer in Rommersheim vor der Tür gestanden, erzählt Simon, und gesagt: „Du lernst das jetzt.“

 Also lernte er. Und machte daraus seinen Beruf, auch dank der Eltern, die ihre Kinder ständig zum Musikunterricht fuhren. Sein Vater habe dabei vermutlich zwei Mal die Erde umrundet, so viele Kilometer seien dabei zusammengekommen.

Holger Simon studierte in Würzburg, am Mozarteum Salzburg und in Mannheim. Schon während des Studiums spielte er in namhaften Orchestern in Österreich und Deutschland, seit 1991 gehört er dem Orchester der Deutschen Oper Berlin an. Dort wurde er 1996 zum Berliner Kammermusiker ernannt.

Nebenher aber engagiert er sich in der musikalischen Jugend- und Nachwuchsarbeit: Simon erfand „Klassik is‘ cool!“, ein Programm, das mehr als 15 Jahre lang erfolgreich an der Deutschen Oper Berlin angeboten wurde. Dort habe man etwa 30 000 Jugendlichen im Jahr die Oper nähergebracht, erzählt er.

 Simon war Manager der Deutsch-Skandinavischen Jugend-Philharmonie, Interimsgeschäftsführer des Bundesjugendorchesters (2000 und 2001) und, gemeinsam mit dem Dirigenten Christoph Altstaedt, Begründer des trinationalen Jungen Klangforums Mitte Europa, das sich stark für die Aussöhnung zwischen Tschechien, Polen und Deutschland engagiert. Er wurde mit einer Reihe von Preisen ausgezeichnet, darunter der Innovationspreis Ehrenamt, der Marion-Dönhoff-Förderpreis und der Europäische Jugendorchesterpreis. Bei „Jugend musiziert“ gehört er regelmäßig der Jury im Bundeswettbewerb an.

Neben seinem Hauptberuf studierte er später zusätzlich Kulturmanagement und Betriebswirtschaft an der Fernuniversität Hagen. Denn in den Nachwendejahren sei zunächst nicht klar gewesen, ob die Deutsche Oper, als eines von drei Berliner Opernhäusern, bestehen bleiben würde. Mittlerweile aber sei die Erhaltung dank einer Stiftung gewährleistet. „Ich bleibe also wahrscheinlich bis zum Ende meiner Laufbahn Fagottist“, sagt Holger Simon. Und so sei es ihm am liebsten.

Die Musiker werden schon einige Tage vor dem Konzert in Prüm proben – und den Schülern am Gymnasium ihre Instrumente vorstellen, „damit möglichst viele ins Konzert kommen“, sagt er. Und freut sich über die Unterstützung von Aloysius Söhngen, dem Bürgermeister der Verbandsgemeinde. Der nämlich habe sich dafür eingesetzt, dass die Musiker im Jugendgästehaus günstig einen Proberaum mieten konnten.

Auf dem Programm am Samstag, 1. September, 19.30 Uhr, stehen Stücke von Ludwig van Beethoven, Franz Lachner, Gordon Jacob und die „Petite Symphonie“ B-Dur von Charles Gounod.

Karten für 15 Euro (ermäßigt 8 Euro) kann man vorbestellen in der Prümer Buchhandlung Hildesheim, Telefon 06551/2489.