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Kolumne Eifel-Einsichten
Sitzen geblieben gelassen geworden

FOTO: Frank Auffenberg
Ich komm noch mal zurück auf vorletzte Woche: das Sitzen. Und dass es so ungesund sei. Und dass man uns wahrscheinlich so lange mit dieser Erkenntnis dürängelen (Eifel für: nerven, Dank an Willi Krämer aus Wiesbaum, der noch einmal auf dieses schöne Wort hinwies) wird, bis es keine Stühle mehr gibt. Von Fritz-Peter Linden
Fritz-Peter Linden

Kulturhistorischer Einschub zum Thema: In dem hinreißenden Billy-Wilder-Film „Eins, zwei, drei“ spielt James Cagney einen amerikanischen Coca-Cola-Manager, der von Berlin aus den Nachkriegs-Osten mit Limo fluten soll und dabei in die herrlichsten Kalamitäten gerät. Morgens, wenn er in die Firma stürmt, springt immer die ganze Berliner Belegschaft aus Muffensausen vor dem Chef von ihren Stühlen hoch. Und Cagney, weil er kein Deutsch kann, brüllt jedesmal: „Sitzen machen!“

Freundin Maja Hotz aus Baasem lieferte im Rahmen dieser Debatte, divenhaft im Gartenstuhl am Cocktail nippend, den abschließenden Kommentar zur Frage, was man denn da jetzt statt Sitzen tun könne: „Naja ... besser als Sitzen ist doch nur ... Liegen!“ Genau.

Und so liegt es mir nun am Herzen, erneut von Gastwirtin Julia Peter zu künden, die diese Woche in der Redaktion aufschlug, um mich zu fragen: „Kannst du nicht auch mal schreiben: Et jit net jemoult?“ Ich ahnte schon, was sie antrieb. Das phasenweise geballt auftretende Prümer Volksleiden: Meckern. Und Julia (die übrigens in Sachen Integration in ihrem Laden Wunderbares leistet, das sollte hier auch einmal gesagt werden. Jetzt hab ich’s gesagt!) legte los: „Das Leben ist so schön! Und das Wetter! Und der Hahnplatz wird auch bald fertig! Alles ist doch gut!“ Aber was sei zu hören? Gemecker.

Ich mutmaße ja, Julia, das ist kein Meckern. Das ist so eine Art abteistädtischer Qualitätskontrolle: Die Prümer wissen schon, dass bei ihnen alles super ist, sogar noch viel superer als in, zum Beispiel, Tri ... (Rest unleserlich). Die tun das nur, weil sie nach Perfektion streben. Glaub ich.

Ach so: Weil wir grade in Prüm sind und weil heute doch dieses besondere Datum ist (achtzehnter Achter achtzehn) und rauf und runter die Hochzeiten gefeiert werden, hat sich Marion Wagner von der Dausfelder Höhe gemeldet und uns die perfekt passende Geschichte runtergefunkt. Mit dem Zusatz, dass sei „kein Verzellchen“, sondern selbst erlebt.

Ich zitiere: „Es war Mitte der sechziger Jahre. Der sonntägliche Spaziergang war (sofern keine dringende Ernte eingebracht werden musste) sozusagen Pflichtprogramm. Im tiefsten Wiesengrund, wo sich sonst nur Fuchs und Hase ,Gute Nacht’ sagten, begegneten wir einer Nachbarin.“

Diese Nachbarin war unverheiratet, „also junggesellich“, sagt Marion. „Auf unsere Frage: Has du dann keen Angst su alleen?“, habe die Dame retourniert: „Wofier soll ech dann Angst han?“ Die besorgte Antwort: „Dat eene kennt.“ Und die Nachbarin: „Ech han mie Angst, et kennt keenen.“

Anmerkung von Marion: „Es kam nie einer.“ Bedankt, die Damen, aus tiefstem Herzensgrund!

So. Das war jetzt aber eine ziemliche Luxuskolumne. Ich muss meine schwindenden Kräfte einteilen. Erst mal schön ... sitzen machen. Oder gleich liegen.

Et jit net jemou ... jerannt!