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Kolumne Eifel-Einsichten
Sitzspocht! Spochtsitzen!

FOTO: Frank Auffenberg
Wie sieht denn die Seite hier schon wieder aus? Wenn ich so an mir, also an der Kolumne, runtergucke, ist das nicht schön. Da unten ist ja gar kein Platz, um irgendwas Vernünftiges neben die Anzeige zu stellen. Von Fritz-Peter Linden
Fritz-Peter Linden

Andererseits ... ich könnt es ja genauso machen wie vorige Woche, als ich einfach von oben bis ganz unten durchgelabert habe.

Wie gut also, dass Josef Hupperts aus Niederprüm wieder mal anrief, um mir noch einen zu stecken. Moment, kommt gleich.

Apropos an sich runtergucken: Der Wanst, der wegsoll – ein schon mehrfach verworfenes Projekt – und die freie Sicht auf die Äquatorialzone behindert. Sofern man nicht alles anspannt wie verrückt und dabei noch bescheuerter aussieht als sowieso schon. Der wird jetzt weggeprügelt. Jawohl! Ich habe übrigens im vorigen Satz anstatt „sofern“ zuerst „sferno“ geschrieben. Diese Vertipper nehmen lgansam überhand, verdammt.

Egal. Der einzige Spocht allerdings, den ich ansatzweise zu betreiben in der Lage mich sehe, ist natürlich einer, bei dem man sitzen kann (klar, wir sind wieder beim Thema, wie vorigen und vorvorigen Samstag). Nein, nicht Schach, dazu reicht es nicht. Leute die „sferno“ statt „sofern“ tippen, die verlieren auf dem Brett völlig die Orientierung, sobald der erste Bauer in die Schachschlacht geschickt ist. Nein, Spochtsitzen, das heißt bei uns zu Haus: Rudermaschine. So eine schöne aus Holz mit Wassertank vorne. Das ist fast wie Meditieren, ich sing mir dabei im Kopf immer Lieder vor, wunderbar, ein wahres musikalisches In ... sferno.

Leider sagt einem das Dingen aber auch genau, wie viele Kalorien man verbraucht und wie weit man rausgerudert ist, und bei mir ist das ... naja. Bis zum Kreisverkehr am Ortseingang von Jünkerath und halb wieder zurück. Knapp. An guten Tagen. Und der Bauch ist auch nicht weggegangen, sondern nur strammer geworden. Aber immerhin – man sitzt und kann trotzdem sagen: Ich habe was getan!

Und schon schenkt einem, weil man es sich verdient hat, Hupperts Juppes noch eine Story: „Die hat mein Schwiegervater mal erzählt“, sagt er am Telefon und diktiert: „Früher war gegenüber der Tankstelle von Jarys in Prüm der Friseursalon Bolten. Und samstagsmorgens saßen die Männ’ alle um 8 Uhr da im großen Wartesaal.“ Dann sei eines Tages ein alter Prümer da reinspaziert. Habe geguckt, sich einen Platz gesucht, sich hingesetzt, genussvoll ausgestreckt und dann in den Warteraum hinein gesagt: „Wenn mer die janz Näächt jeläjen hat (gelegen hat), dann ass mer fruh (froh), wenn mer morjens en bessche sitze kaan.“

Top, Jupp, bedankt! Und jetzt haben wir genug fürs Sitzen getan.

Ich schreib doch bis unten durch, ist sowieso zu spät. Ich hab nämlich noch einen gefunden, von Horst Follmann aus Prüm. Von seinem Onkel: „Ein Bauer von echtem Schrot und Korn.“ Der habe eines Tages, im hohen Alter, bei Tante Amei gesessen, die ebenfalls die 80 schon weit hinter sich gelassen hatte. Und dann gesagt: „Gell, Amei, mir kennen och net mie son, dat mer jong gestorwen sin.“ Schön. Und beneidenswert.

Et jit net jerannt.