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Kommunen
Stadt Prüm in Aufwärtsbewegung

 Kran vor Kirchturm: Prüm bleibt Baustellenstadt, wie zu sehen hier in der Montherméer Straße, wo gerade das Seniorenheim auf dem Parkhaus entsteht.
Kran vor Kirchturm: Prüm bleibt Baustellenstadt, wie zu sehen hier in der Montherméer Straße, wo gerade das Seniorenheim auf dem Parkhaus entsteht. FOTO: Fritz-Peter Linden
Prüm. Wo gebaut wird, stehen Kräne, ein gutes Zeichen: Die Haushaltssitzung des Stadtrats Prüm läuft in seliger Harmonie ab. Und die nächsten Projekte nach dem Hahnplatz drängen schon. Von Fritz-Peter Linden
Fritz-Peter Linden

Sie hätte, sagt Stadtbürgermeisterin Mathilde Weinandy (CDU), eigentlich alles, was sie in den vergangenen drei Jahren zum Hahnplatz von sich gegeben habe, „in die Tonne hauen“ können: So schmerzhaft lange dauere der Umbau ja bereits. Aber jetzt, doch, sei abzusehen, „dass der dieses Jahr fertig wird“.

Das Fünf-Millionen-Projekt (Gesamtumfang) ist nach wie vor Teil des Haushalts, den die Bürgermeisterin, die im Mai wiedergewählt werden möchte, in der Sitzung am Dienstagabend den Fraktionen vorlegt. Und der weist, bei Erträgen und Aufwendungen einen Überschuss in Höhe von 565 640 Euro auf. Im Finanzhaushalt steht unterm Strich – und mit einem „Plus“ – die Summe von 275 860 Euro. Natürlich wissen alle, wem sie das vorrangig zu verdanken haben: Den Bürgern, die als Unternehmer, Beschäftigte, Grundbesitzer, Privatleute brav ihre Steuermillionen gezahlt haben.

Und dass das alles in ein blitzblankes, 230 Seiten dickes Dokument geflossen sei, dafür rühmt Mathilde Weinandy Stadtkämmerer Andreas Backes von der Verbandsgemeinde, der erstmals die Arbeit daran wesentlich verantwortete. Da gibt’s dann auch Applaus von allen, weil sie das genauso sehen.

Mit dabei, weil es um den Haushalt geht: VG-Bürgermeister Aloysius Söhngen. Er sieht „in der Stadt der Kräne“ erfreut einen, wie in den vergangenen Jahren, ausgeglichenen Haushalt.

Dennoch wird man für weitere Ausgaben Kredite in Höhe von 978 000 Euro aufnehmen müssen. Es steht ja auch allerhand an, mit der einen Großbaustelle im Zentrum ist es in Prüm längst nicht getan: Das Baugebiet Steinertsbach war so schnell ausverkauft und mit Häusern verdichtet, dass man bereits Nummer 2 plant. Derzeit, sagt Mathilde Weinandy, würden auf der Wiese „alle Blumen gezählt“, in der Hoffnung, dass sich die Fläche nicht als wertvoller Magerrasen erweise und man dort zügig loslegen könne.

Dann sind da die Oberberg- und die Spiegelstraße, die erneuert werden müssen, ebenfalls dieses Jahr. Der Bauhof, für den das neue Domizil in der Prümtalstraße herzurichten ist. Da sind Ausgaben für Kindergärten, Spielplätze, Haus der Jugend, insgesamt mehr als 350 000 Euro. Da ist das Geld für die wieder anstehende Grenzlandschau: 293 000 Euro, die aber voraussichtlich durch Standgebühren und Eintrittsgeld wieder reinkommen werden, auch wenn man die Besucherzahl natürlich nicht exakt kalkulieren kann.

Aus den Fraktionen kommt nur Lob, besonders ausführlich, klar, von der CDU und deren Sprecher Peter Wind, der aber auch gar nichts Negatives finden kann – sodass man, dank umsichtiger Haushalterei, in der Lage sei, „mit relativ gut gefüllten Kassen gemeinsam Stadtpolitik machen zu können“. Auch die niedrige Verschuldung pro Bürger – 1000 Euro – sei dafür ein gutes Zeichen, liege der landesweite Schnitt doch bei 4400 Euro. Und dann singt er das Lied der Bürgermeisterin: Die sei, als Ehrenamtlerin, auf die bei den Personalausgaben gerade mal drei Prozent der Kosten entfielen, „ein echtes Schnäppchen und die wertvollste Mitarbeiterin der Stadt“.

Im Gegenzug fasst sich Johannes Reuschen (Prümer Bürgerbewegung/FWG, will im Mai ebenfalls Bürgermeister werden) extrem kurz, schlägt aber den gleichen Ton an: Haushalt? „Top, alles“, auch er lobt die Stadtbürgermeisterin und schließt sich, dankend, dem Vorredner an. Das tut auch Paula Sonnen von der SPD, die zwar, wenn auch nicht im Detail ausgeführt, „Höhen und Tiefen“ im Haushaltsplan erkennt, zusammenfassend aber ebenfalls das Dokument befürwortet – und erfreut unterstreicht, dass man im Rat fast alles einstimmig beschlossen habe. Ergo: „Es gibt für uns als SPD keinen Grund, diesen Haushalt abzulehnen.“ So kommt’s dann auch: Einstimmig segnen alle den Haushalt ab.

Das Gleiche geschieht bei den weiteren Punkten: Die Stadtbürgermeisterin verweist darauf, dass sie von einigen Prümern (“sehr lobenswert“) gefragt worden sei, wie und wo sie „ihre Schilder anbringen können“, wenn sie etwa jenseits des Hahnplatzes – für den ein Gestaltungskonzept besteht – ihre Hinweise auf Betriebe, Gastronomie und Ähnliches installieren wollen. Ergebnis der kurzen Diskussion: Ursula Esten-Schaaf von der Agentur Bik in Oberstadtfeld soll sich Gedanken machen, wie das aussehen könnte.

Der letzte Punkt liegt vor allem Monika Rolef von der FWG am Herzen: Es sei ihr „schon lange ein Anliegen“, dem Prümer Dechant Josef Zilliken ein ehrendes Andenken zu bewahren. Zilliken stellte sich bereits in den 30er Jahren den Nationalsozialisten entgegen, wurde verhaftet und starb im Konzentrationslager Dachau. monika Rolefs Idee: Da Zilliken aus Mayen stammte, könnte ein Basaltstein am Kalvarienberg an den Dechant erinnern.

Auch hier: nur Zustimmung. „Um den Stein“, sagt Mathilde Weinandy, „würde ich mich schon am Dienstag kümmern, da bin ich in Mayen.“ Man könne gar nicht genug an solche Menschen erinnern, sagt Paula Sonnen. Und Johannes Reuschen ergänzt, dass es gerade so kurz vor der Europawahl wichtig sei zu zeigen, „dass hier in Prüm auch antifaschistischer Widerstand stattgefunden hat“. Kurz: Einstimmig.

 Kran vor Kirchturm: Prüm bleibt Baustellenstadt, wie hier in der Montherméer Straße, wo gerade das Seniorenheim auf dem Parkhaus entsteht.
Kran vor Kirchturm: Prüm bleibt Baustellenstadt, wie hier in der Montherméer Straße, wo gerade das Seniorenheim auf dem Parkhaus entsteht. FOTO: Fritz-Peter Linden