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Ehrenamt
Kräfte bündeln, Katastrophen verhindern

Willi Schabo, Erich Zaums, Alexander Thiel, Randolf Stich, Moderator Thomas Vatheuer und Jürgen Larisch (von links) sprechen über die Zukunft des Ehrenamts.
Willi Schabo, Erich Zaums, Alexander Thiel, Randolf Stich, Moderator Thomas Vatheuer und Jürgen Larisch (von links) sprechen über die Zukunft des Ehrenamts. FOTO: Frank Auffenberg
Schönecken. Auf Anregung des Deutschen Roten Kreuzes hat der Eifelkreis erstmals zu einer Blaulichtkonferenz eingeladen. Sie zeigt, dass vieles sehr gut läuft, aber auch, dass die Landespolitik noch deutlich nachbessern kann.

Dass die erste Blaulichtkonferenz im Eifelkreis keine Minute zu spät kam, dürfte angesichts der Unwetter der beiden vergangenen Wochenenden jedem klar sein. Das Gute: Der Katastrophenschutz im Eifelkreis Bitburg-Prüm funktioniert. Bei der ersten Blaulichtkonferenz des Kreises Bitburg-Prüm am vergangenen Samstag lobte Landrat Joachim Streit so auch ausdrücklich die gute Zusammenarbeit zwischen allen rettenden Akteuren – der sogenannten Blaulichtfamilie.

Gemeinsame Gastgeber waren der Kreis, das Technische Hilfswerk (THW), die Feuerwehr und das Deutsche Rote Kreuz (DRK), das zur Premiere die Organisation der Konferenz übernommen hatte.

„Es sind die Ehrenamtlichen, die bereitstehen, wenn Unwetter und Unheil auf die Menschen zukommen, die dann nicht an ihren Beruf denken, sondern an ihre Mitmenschen“, sagte Streit zur Eröffnung der Konferenz. So viele Ehrenamtliche an der Seite der Hauptberuflichen zu wissen, sei gut, sagte der Landrat, denn alleine würde das niemand sonst schaffen.

Es sei wichtig, ein großes und gestärktes Ehrenamt in allen Gemeinden des Kreises zu haben.

„Ist Helfen noch selbstverständlich?“ lautete der Titel der Podiumsdiskussion, bei der Staatssekretär Randolf Stich, der Kreisfeuerwehr-
inspekteur Jürgen Larisch, Alexander Thiel, Wehrleiter der Verbandsgemeinde Prüm, Erich Zaums, THW Logistik, und Willi Schabo, Katastrophenschutzbeauftragter des DRK, über die Zukunft des Katastrophenschutzes berieten.

Die Bewährungsprobe im Organisationsverbund habe man während der Flutereignisse bestanden, sagt Larisch, aber eben weil alle bestens zusammengearbeitet haben. „Nur gemeinsam sind solche Einsatzlagen zu bewältigen.“

Ein Problem gebe es von Seiten der Feuerwehren besonders hinsichtlich der Ausbildungslage, sagt Thiel. Zwar seien Arbeitgeber dazu verpflichtet, ihre Mitarbeiter für die zweiwöchigen Kurse freizustellen, viele Wehrleute reichten aber beispielsweise trotzdem Urlaub ein. Man erhoffe sich von Seiten der Landesregierung hierbei mehr Unterstützung.

Vieles sei bereits in Mainz angestoßen worden, und auch die Novellierungen des Rettungsdienstgesetzes und des Brand- und Katastrophenschutzgesetz seien auf dem Weg. Auch die Arbeitgeber habe Innenminister Roger Lewentz inzwischen zu einem runden Tisch gebeten, um mit den Vertreterverbänden, aber auch Kommunen über die Notwendigkeit der Unterstützung zu sprechen. Demnächst wolle man sie mit gezielten Kampagnen für das Thema sensibilisieren.

Larisch regt an, die zentrale Feuerwehrausbildung zu überdenken. „Bei uns arbeiten viele Feuerwehrleute in Luxemburg. Dort müssen sie für Ausbildungen nicht freigestellt werden“, sagt er. Abhilfe würde hier sicher eine Art Abendkursprogramm bieten, die für alle die Ausbildung erleichtern würde. Zaums mahnt zudem, dass viele Ehrenamtler vom Verwaltungs- und Dokumentationspensum abgeschreckt seien. „Der Aufwand hält viele Leute ab, sich zu engagieren.“

Und auch von Seiten des DRK sieht man Stellen, an denen das Land die Arbeit stärken könnte. „Wir haben ein First-Responder-System, aber viele können mit dem Begriff nichts anfangen“, sagte Schabo. Die Funktion dieser Ersthelfer, von denen es im Idealfall je einen in jeder Gemeinde geben sollte, sei einfach zu unbekannt. Ebenfalls sei die Abdeckung mit Defibrillatoren noch immer unzureichend, verglichen mit den Nachbarländern. Stich versichert, dass er alle Anregungen mit nach Mainz nehme. Bezüglich der Wiederbelebungsgeräte sei die Situation bekannt, allerdings rein finanziell eine Herausforderung: „2200 Gemeinden im Land mit Defibrillatoren auszustatten ist eine Masse, die sehr viel Geld kosten wird.“ Er werde aber alle Anregungen mit nach Mainz nehmen. „Wir haben die Blaulichtkonferenz angestoßen in der Hoffnung, daraus etwas Regelmäßiges machen zu können. Ich bin glücklich und dankbar, dass so viele Besucher und Teilnehmer zusammengekommen sind“, sagt Rainer Hoffmann, Geschäftsführer des DRK Bitburg-Prüm.