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Justiz
Düstere Aussichten für mutmaßlichen Eifeler Brandstifter

FOTO: Friedemann Vetter
Prüm/Trier. Das Landgericht Trier hat die Verhandlung gegen einen 24-Jährigen fortgesetzt. Geprüft wird eine unbefristete Einweisung in eine Psychiatrie. Von Friedhelm Knopp

Bei einem Brand in einem Prümer Mehrfamilienhaus gerieten im April Menschen in Lebensgefahr. Es entstand ein Sachschaden in sechsstelliger Höhe. Der 24-jährige Mieter der Wohnung, in der das Feuer ausbrach, steht unter dem Verdacht der Brandstiftung (der TV berichtete).

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass er unter einer paranoiden Schizophrenie leidet und schuldunfähig ist. Die dritte Große Strafkammer prüft, ob er aufgrund seiner Erkrankung eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit ist und dauer­haft in eine geschlossene Psychiatrie eingewiesen werden muss. Bisher ist er nur vorläufig in einer Klinik untergebracht.

Die Chancen, dass dies nur ein vorübergehender Aufenthalt sein könnte, schwinden. Der Wohnungsbrand war nur der dramatischste Vorfall im Umfeld des polizeibekannten Mannes. Die vorgeworfene Brandstiftung ist bisher nur eine Vermutung – der Tatnachweis fehlt. Der Beschuldigte selbst gibt an, das Unglück ungewollt durch fahrlässigen Umgang mit einer Zigarettenkippe herbeigeführt zu haben. Das letzte Wort dazu wird der Brandsachverständige Werner Rütz haben.

Als Zeugen hörte die Kammer nun die amtlich bestellte Betreuerin des Beschuldigten, den Mitarbeiter einer ambulanten Therapieeinrichtung sowie mehrere Polizeibeamte an. Letztere kennen den Beschuldigten von verschiedenen Vorfällen: Beleidigungen und Bedrohungen, körperliche Attacken mit und ohne Messer, kleine Brandstiftungen, Zechprellereien und unbezahlte Taxifahrten in die Niederlande. Dazu ist von Selbstmordvorbereitungen die Rede.

Der Vater des Beschuldigten berichtet unter anderem von einem Strick mit Schlinge, der vom Balken baumelte. Die Betreuerin erinnert sich, dass der Beschuldigte sich zweimal selbst mit Benzin übergossen habe. „Wir sind in der letzten Zeit vor dem Brand nur noch zu zweit in seine Wohnung gegangen“, erklärt der Mitarbeiter einer ambulanten Therapiestation. Anlass war nach Angaben des Zeugen ein Brief, den die Mutter des Beklagten an die Einrichtung geschickt hatte. Die Briefe sollten nur im Beisein eines Betreuers geöffnet werden. Grund: Mögliche Bargeldsendungen hätten den Beklagten zum Drogen- oder Alkoholkauf verleiten können. Der letzte Solo-Besuch des Betreuers endete damit, dass der Beklagte ihn mit einer Axt am Wegfahren mit dem Auto hinderte, bis Polizei eintraf. „Ich habe doch nur Angst gehabt, er könnte mich überfahren“, sagt der Beklagte dazu.

Der vom Vorsitzenden Richter Armin Hardt verlesene Bericht der behandelnden Nette-Gut-Fachärztin klingt düster. Genannt werden verschiedene Verhaltensstörungen, von einer „Desorganisation des Handelns“ ist die Rede, was sich etwa in zehnmal Duschen am Tag, plötzlichem Hinknien und Beten oder mit der Faust gegen die Wand Hämmern äußere. Der Patient sehe den Zweck seiner Behandlung nicht ein, und er verneine die von ihm initiierten Vorfälle. Er neige zu Drogen, die Medikation sei nur unter Kontrolle möglich, und eine „tragfähige Besserung ist bisher nicht erreicht worden“.

Die Verhandlung wird am Donnerstag, 29. November, um 9 Uhr, fortgesetzt. Die beiden Sachverständigen sollen dann zu Wort kommen. Anschließend sind die Plädoyers vorgesehen. Ob die Kammer an dem Tag schon zum Urteil kommt, ist offen.