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Verkehr
Gedacht, gemacht: Aus eins wird acht

Die Mitfahrbänke sind noch nicht da, aber die Schilder: Stadtbürgermeisterin Mathilde Weinandy (links) und Initiatorin Annemie Nickels beim Probesitzen am Johannismarkt.
Die Mitfahrbänke sind noch nicht da, aber die Schilder: Stadtbürgermeisterin Mathilde Weinandy (links) und Initiatorin Annemie Nickels beim Probesitzen am Johannismarkt. FOTO: Fritz-Peter Linden
Prüm. Nimm mich mit, Kapitän, auf die Reise: Annemie Nickels sorgt dafür, dass die Stadt Prüm gleich eine ganze Reihe neuer Mitfahrerbänke erhält. Und die Sponsoren besorgte sie gleich mit dazu. Von Fritz-Peter Linden
Fritz-Peter Linden

Annemie Nickels braucht demnächst Platz: Dann kommen nämlich acht rote Bänke, hergestellt in den Westeifel-Werkstätten in Weinsheim. „Die werden nächste Woche bei mir hinters Haus geliefert“, erzählt sie im Gespräch mit dem TV.

Allerdings werden die Bänke dort nicht bleiben. Sondern in Prüm und den Stadtteilen aufgestellt. Inklusive der nötigen Schilder: Denn es sind Mitfahrerbänke. Wer sich draufsetzt, zeigt damit an, wohin er mitgenommen werden möchte. Zum Beispiel von der Innenstadt zum Krankenhaus. Und sofern ein netter Mensch mit Auto vorbeikommt, kann der dann anhalten und den Fahrgast zum Ziel bugsieren.

Das Prinzip ist bekannt, in Speicher wurde die erste dieser Bänke in der Eifel platziert, dort läuft das gut. Auch in Prüm, sagt Annemie Nickels, existiert bereits eine solche Mitfahrgelegenheit, aufgestellt vom Verein Zeitbank plus, weshalb sie die Idee auch aufgegriffen habe: „Ich habe das angeleiert, weil ich die Bank auf der Dausfelder Höhe gesehen habe.“

Annemie Nickels mag zwar im Rollstuhl sitzen – der Grund heißt Multiple Sklerose – das hält sie aber nicht davon ab, sich für die Stadt zu engagieren. So achtet sie unter anderem darauf, dass beim Hahnplatzumbau alles möglichst behindertengerecht zugeht (der TV berichtete, siehe Info). Sie tut das auch mit der Prümer Gruppe der Deutschen Multiple-Sklerose-Gesellschaft (DMSG). Die wurde vor 20 Jahren gegründet, Annemie Nickels war von Anfang an dabei. Und als man jüngst das Jubiläum feierte, habe sie dann Stadtbürgermeisterin Mathilde Weinandy – „die ist ja bei uns auch Schirmherrin“ – die Sache mit den Bänken vorgeschlagen. Mathilde Weinandy fand’s prima: „Das ist eine gute Idee“, sagt die Stadtchefin. „Ich hoffe nur, dass es auch in Anspruch genommen wird.“

„Das ist schon seit Anfang des Jahres mein Thema“, sagt Annemie Nickels. Und sie trug es weiter, damit die Bänke – rund 600 Euro pro Stück – auch finanziert werden konnten: Zwecks Sponsoring sprach sie zuerst Frank Gompelmann an, Geschäftsführer im Hit-Markt am Kalvarienberg. Der sagte gleich zu und schlug vor, eine Bank dann auch am Markt aufzustellen. „Und schon hatte ich den Ersten“, sagt Anmemie Nickels. Dem ersten folgten noch ein Zweiter, Dritter, Vierter, vom Rewemarkt bis zu Volksbank, Kreissparkasse und Raiffeisenbank – alle sagten zu.

Einige der anderen Standorte stehen auch bereits fest: Am Prümer Friedhof soll eine hin, und auch an der DRK-Sozialstation in der Stadtwaldsiedlung. „Weil das DRK uns auch immer weiterhilft, wenn wir etwas unternehmen“, sagt Annemie Nickels.

Eine weitere Mitfahrmöglichkeit wird in Niederprüm sein. Und am Krankenhaus: Diese Bank, sagt die Initiatorin, soll den Landfrauen gewidmet werden. „Weil die uns auch seit 20 Jahren schon unterstützen.“ Die Bänke, ergänzt sie, sollen eben auch ein Dankeschön sein an alle, die der DMSG-Gruppe schon so lange zur Seite stehen. Wie auch der Musikverein – dessen Bank soll an den Tiergartenplatz.

Mit den acht Standorten soll auch noch nicht unbedingt Schluss sein: Wenn sich Interessenten melden, sagt Annemie Nickels, „dann können wir das noch ausbauen.“

Dass die Bürger dann das Angebot auch nutzen, ist das Eine. „Was mich aber wirklich begeistert“, sagt Mathilde Weinandy, „ist das Durchhaltevermögen von Annemie Nickels.“ Sie habe angesichts ihrer Krankheit „bestimmt nicht die besten Voraussetzungen, um so tatkräftig zu sein. Aber da kennt die nix.“