| 16:22 Uhr

Musikfestival in Willwerath
Im Steinbruch gibt es keine Pausen mehr

Freakaz aus Köln begeisterten in den Umbaupausen auf einer zweiten Bühne das Publikum.
Freakaz aus Köln begeisterten in den Umbaupausen auf einer zweiten Bühne das Publikum. FOTO: Vladi Nowakowski
Willwerath. Das Musikfestival in Willwerath ging am Samstag mit einem neuem Konzept und bewährt gutem Programm in die siebte Runde. Von Vladimir Nowakowski

Bestes Open-Air-Wetter und erneut ein gelungenes Programm locken rund 800 Musikfans auf das Festival-Gelände im ehemaligen Steinbruch von Willwerath. Diesmal sind es gleich sechs Bands, die von den Organisatoren des Vereins „Willwerath Rock City“ (WRC) angeheuert wurden.

Bevor die Besucher den Fußweg zum Steinbruch antreten, werden sie unten am Parkplatz von „Strange Brew“ empfangen, die Songs von Eric Clapton und Cream zum Besten geben. Und zwar so gekonnt, dass sich bereits dort eine Menschentraube bildet, die die Hits der Rocklegenden mitsingt. Wer sich hier losreißt und weiter geht, wird weiter oben im Wald gleich doppelt belohnt: Am Einlass gibt es den schon traditionellen Willkommensschnaps – einige Schritte weiter wartet eines der schönsten Festival-Gelände Deutschlands. Der vom Wald umrahmte ehemalige Steinbruch, wieder perfekt farblich illuminiert, ist wie geschaffen für die Rock-Partys, die hier bis in die frühen Morgenstunden gefeiert werden.

Und es gibt Neues: „Wir haben diesmal zwei Bühnen aufgebaut“, sagt Marco Sifferath, einer der Veranstalter. „Im vergangenen Jahr gaben Jesper Munk und die Band Freakaz ein Spontan-Konzert auf der Theke des Getränkestands. Das war das Highlight der bisherigen WRC-Geschichte.“ Die Idee, eine zweite Bühne zu installieren, kommt am Samstag bestens an.

Die Umbaupausen auf der Hauptbühne nutzen Freakaz aus Köln, um dem Publikum von dem kleineren Podium aus einzuheizen. Und wie: Das Trio aus einem Sänger und Gitarristen, einem Trompeter, der auch schon mal zum Baritonhorn greift und einem Perkussionisten an der Kistentrommel, kommt wie eine Naturgewalt über die Besucher. Pausen gibt es nun nicht mehr – die Leute werden zu ihrer großen Freude abwechselnd von vorne und hinten beschallt.

Das Programm auf der Hauptbühne zeugt auch diesmal von dem feinen Händchen der Organisatoren von WRC. Es gibt Bluesrock von „The Jordan Bleu Blues Ninjas“ mit dem Gitarren-Derwisch Fred Baretto, ein atmosphärisch dichtes und begeisterndes Konzert des Duos Bender & Schillinger, die beweisen, dass man auch zu zweit ein ganzes Orchester sein kann und ausgefeilte Klänge der „Dawn Brothers“ aus Rotterdam, mit vierstimmigen Gesängen und einem Sound, der tief in den 1970er Jahren verwurzelt ist. Den Vogel schießen dann die Russen ab – zwar ist nur einer der achtköpfigen Truppe von „Ivan Ivanovich & The Kreml Krauts“  ein waschechter Russe, aber der Rest hat die Essenz der „Lieder von Schnitzel, Wodka und Schmerz“ ebenso drauf. Polka heißt die Devise und der ganze Steinbruch tanzt.

Ivan und seine Combo treten am Mittwoch übrigens auf einem ungleich größeren Festival mit mehr als 70 000 Besuchern auf: „Wir werden Wacken das Tanzen beibringen“, sagt Ivan. Unnötigen Respekt vor der riesigen Zuschauermenge, die der eher härteren Gangart der Rockmusik frönt, hat er nicht: „Polka kommt überall gut an. Hopsa, Hopsa versteht jeder auf Anhieb.“

Hunderte Besucher hat das Festival Willwerath Rock City am Samstag nach Willwerath in den Steinbruch gelockt.
Hunderte Besucher hat das Festival Willwerath Rock City am Samstag nach Willwerath in den Steinbruch gelockt. FOTO: Vladi Nowakowski
Gitarrist der Dawn Brothers aus Rotterdam.
Gitarrist der Dawn Brothers aus Rotterdam. FOTO: Vladi Nowakowski