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Neues aus der Prümer Scheibenwelt

Frisch geschnitten: Arnold Rings entnimmt die Scheiben, aus denen Sägeblätter werden. TV-Foto: Fritz-Peter Linden
Frisch geschnitten: Arnold Rings entnimmt die Scheiben, aus denen Sägeblätter werden. TV-Foto: Fritz-Peter Linden FOTO: (e_pruem )
Prüm. Still und ohne Tamtam arbeitet die Prümer Firma Neuhäuser daran, ihre weltweite Marktposition zu festigen: Gerade hat das Unternehmen eine halbe Million Euro in eine Laseranlage gesteckt, die die Werkteile präzise schneidet. Fritz-Peter Linden

Prüm. Klaus-Dieter Neuhäuser ist ein sehr genau arbeitender Mensch. Und ein außerordentlich geduldiger: Man sieht das daran, mit wie viel Langmut er dem begriffsstutzigen Laien von der Zeitung zu erklären versucht, was seine Firma da eigentlich seit mittlerweile fast 110 Jahren macht - und seit 2002 ausschließlich in Prüm (siehe Extra).
Neuhäuser entwickelt und baut Werkzeuge. Und zwar ganz spezielle: zum Beispiel Sägeblätter oder Kreismesser, die extrem präzise Arbeit verrichten müssen. Im Flugzeugbau etwa: Mit Neuhäuser-Produkten werden die Gehäuse hergestellt, in denen die Triebwerke von General Electric oder Rolls-Royce stecken.
Von Airbus bis Boeing


"Es gibt in der neueren Zeit wohl kein Flugzeug ohne Teile, die mit unseren Werkzeugen gebaut werden. Egal, ob das ein Airbus ist oder eine Boeing", sagt der 57-Jährige. Nicht im prahlerischen Ton - sondern, weil es eben einfach so ist. Bei Spezialwerkzeugen für die Herstellung von Komposit-Werkstoffen sei man Weltmarktführer. Ein solcher zusammengesetzter Werkstoff wird auch für die Waben-Elemente verwendet, die in Flügeln oder Bordwänden eingebaut werden. "Das sind Papiere, verstärkt mit Kevlarfasern. Extrem belastbar."
Wir sitzen also auf dem Weg in den Urlaub tatsächlich in, mehr oder weniger, Papierfliegern. Hatte man so auch noch nicht gewusst.
Oder wie präzise man arbeiten muss, um die Lamellen für einen Autokühler herzustellen - sie sind aus feinstem Aluminium, das mehrfach und in unterschiedliche Richtungen gefaltet wird. "Sie glauben nicht, was das für eine anspruchsvolle Arbeit ist", sagt Neuhäuser. Sein Unternehmen baut auch dafür das Werkzeug - bis zu 25 Scheiben, die nebeneinander angebracht werden und mit speziellen Aufsätzen diese "Faltung" vornehmen. Das Toleranzmaß für die Dicke dieser Scheiben, sagt Neuhäuser, liege gerade einmal im Tausendstel-Millimeterbereich.
Extrem fein arbeitet auch die neue Laser-Schneidanlage im Prümer Werk - dazu leise und energiesparend. In kurzer Zeit sind aus einer Stahlplatte die Scheiben geschnitten, auf einem Schlitten wird alles aus dem abgeschlossenen System herausgefahren, Maschinenführer Arnold Rings muss die Scheiben nur noch aus der Platte nehmen, bevor sie in die Weiterverarbeitung gehen. Der Laser löst die bisher hier arbeitende Stanze ab. Sie steht direkt gegenüber: "Die ist 60 Jahre alt", sagt Klaus-Dieter Neuhäuser. "Und läuft immer noch wie ein Uhrwerk."
Man hat den Eindruck: Die ganze Firma läuft so. 70 Mitarbeiter hat Neuhäuser, fast alle aus der Region, viele im Betrieb ausgebildet. Das ist wichtig, denn in Prüm entstehen knifflige Dinge: "Das hat nichts mit Normwerkzeugen zu tun", sagt Neuhäuser. Auch nicht mit Großserie: "Wir haben tausende verschiedene Artikel. Zu unserem Leidwesen." Aber auch zum Glück der Prümer. Denn so haben sie ihre Position auf dem Weltmarkt erreicht. "Es ist eine anspruchsvolle Tätigkeit. Wir haben den schwierigen Weg gewählt: Wir müssen Dinge machen, die die anderen nicht können und nicht wollen."
Deshalb gibt es auch so wenige Konkurrenten in diesem Segment. Auch wenn mittlerweile etliche Kopisten unterwegs sind, und es immer schwieriger werde, die Position zu halten. Noch muss man sich aber nicht sorgen: Es gibt einfach zu wenige, die das können, was Neuhäuser kann.Extra

Gustav Neuhäuser gründet im Jahr 1906 im baden-württembergischen Pforzheim mit Adolf Hellerich die Firma Hellerich & Neuhäuser. Das Unternehmen produziert Metallkreissägeblätter für die Schmuckindustrie, für die Verarbeitung von Stahl und anderen Metallen. Hellerich stirbt 1927, Neuhäuser wird alleiniger Inhaber. Das Unternehmen weitet sein Angebot aus, nach dem Zweiten Weltkrieg wird es in der französischen Besatzungszeit demontiert. 1948 erfolgt der Wiederaufbau. 1959 gründet Neuhäusers Sohn Hans das Zweigwerk in Prüm, Enkel Klaus-Dieter wiederum gründet 1984 in den USA die Vertriebsgesellschaft Controx. Nach schwierigen Zeiten in den 1990er Jahren konzentriert Neuhäuser die Verwaltung und Produktion in Prüm. Seit 1986 leitet Klaus-Dieter Neuhäuser in dritter Generation das Unternehmen und produziert mit seinen insgesamt 70 Mitarbeitern ausschließlich in der Eifel. Zum Umsatz macht die Firma keine Angaben. red/fpl