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Pächter ante Portas

Dasburg. Die Ruine der Dasburg, seit 65 Jahren in Landesbesitz, wird weiter saniert - und steht vor einer deutlich lebhafteren Zukunft. Denn die Anlage soll in absehbarer Zeit verpachtet und touristisch genutzt werden. Fritz-Peter Linden

Dasburg. "Auf unserer Burg tut sich was", sagt Ortsbürgermeister Werner André. Er freut sich nicht nur über die laufende Sanierung, sondern auch über das, was sie auslösen soll. Stichwort: "touristische Inwertsetzung". Die sperrige Wendung bedeutet so viel wie: Es gibt da etwas eigentlich Wertvolles, nur hat keiner etwas davon - und das wollen wir ändern.
In diesem Fall sind es Landesregierung, Orts- und Verbandsgemeinde (VG), die die Dasburg - mehr als 800 Jahre alt, nach wechselhafter Geschichte verfallen, seit 1947 im Besitz des Landes - wiederbeleben wollen.
Seit mehr als zwei Jahren lässt die Generaldirektion Kulturelles Erbe (GDKE), eine Einrichtung des Bildungs- und Kulturministeriums, die Anlage sanieren (der TV berichtete). Zuständig unterm Dach der GDKE ist die Direktion Burgen, Schlösser, Altertümer. Der erste Bauabschnitt, bei dem für 1,4 Millionen Euro die innere und die äußere Mauer der Burg repariert wurden, ist seit dem Vorjahr abgeschlossen. Sobald es das Wetter zulässt, folgt der zweite Abschnitt, unter anderem werden die Reste des Turms dabei ausgebessert und stabilisiert. Dafür sind 1,1 Millionen Euro kalkuliert. Voraussichtlicher Bauabschluss: Ende 2013.
Bereits 2011 beschloss der Ortsgemeinderat die Entwicklung eines Konzepts zur Vermarktung der Ruine für die Zeit nach der Sanierung, er erhielt dabei Unterstützung von VG und Kreis und Zustimmung vom Land. Das Ziel: eine Verpachtung der Anlage, zu der auch das ehemalige - und ebenfalls denkmalgeschützte - Forsthaus gehört. "Ein supertolles Gebäude", schwärmt André, denn von dort habe man eine traumhafte Aussicht über das Ourtal und ins nahe Luxemburg.
Knifflige Besitzverhältnisse


Die Ortsgemeinde käme dem Land auch als möglicher Pächter nicht ungelegen, auch weil die Besitzverhältnisse rund um Burg und Forsthaus vertrackt sind: Zufahrt mit Brücke und Dorfgemeinschaftshaus mit Teilen des Burghofs gehören ohnehin den Dasburgern, Forsthaus, Ruine und alle anderen Flächen dem Land. Angela Kaiser-Lahme, Direktorin von Burgen, Schlösser, Altertümer, sagte bereits voriges Jahr zum TV, dass man die Gemeinde gern als Pächter sähe und bei der Vermarktung unterstützen würde.
Nachdem diese Überlegungen jedoch bekannt wurden, meldeten sich weitere Anwärter, die ebenfalls gern die Liegenschaft pachten würden. Das wiederum resultierte in einer öffentlichen Ausschreibung, die die GDKE vorige Woche im Amtsblatt der Verbandsgemeinde Arzfeld und auf ihrer Website veröffentlichte.
"Es gibt mehrere Interessenten, aus diesem Grund muss ausgeschrieben werden", sagt Armin Kraft, Leiter der Abteilung Liegenschaften bei Burgen, Schlösser, Altertümer. "Wir müssen da fair agieren." Wobei jeder Pächter selbstverständlich die Auflagen von Denkmalschutz und -pflege einhalten müsse.
Gesucht werde, so heißt es auf der GDKE-Website, "ein Pächter/eine Pächterin, die mit eigenen Ideen und Kreativität ein verbessertes kulturtouristisches Angebot schafft, das Forsthaus und möglichst auch das Nebengebäude einer öffentlichen Nutzung zuführt und so zur kulturellen und touristischen Inwertsetzung beiträgt". Das gelte auch für das beim Westwall-Bau unter dem Areal angelegte Stollensystem. Noch bis Mittwoch, 15. Februar, nimmt die GDKE in der Koblenzer Festung Ehrenbreitstein Bewerbungen entgegen.
VG-Bürgermeister Andreas Kruppert ist froh über die Bewegung, die in die Sache gekommen ist: "Allein die Tatsache, dass etwas passiert, ist für die Gemeinde ein großer Gewinn." Die Ortsgemeinde werde sich nun dem Wettbewerb stellen und ins Pacht-Rennen gehen, zumal die Dasburger "ein schlüssiges Konzept" entwickelt hätten. "Und wenn jemand anderes besser ist - okay."
Werner André könnte auch mit einem privaten Pächter leben - sofern eine Bedingung erfüllt ist: "Wenn schon ein Wettbewerb angestoßen wird, dann ist auch wichtig, dass das bestmögliche Konzept zum Tragen kommt. Egal, wer es macht: Auf jeden Fall kommt Leben auf die Burg."