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Ärztliche Versorgung
Finanzspritze? Nur vom Doktor!

Schöne Finanzsp(r)itze: 500 Euro für ihre Praktikanten, das wünschen sich auch die Kinderärzte in der Eifel.
Schöne Finanzsp(r)itze: 500 Euro für ihre Praktikanten, das wünschen sich auch die Kinderärzte in der Eifel. FOTO: Fritz-Peter Linden
Bitburg/Daun/Prüm/Gerolstein. Praktikumsförderung bei Kinderärzten in der Eifel: Sollen die Kommunen das mit Geld oder anderen Mitteln unterstützen? Der TV holte sich ein paar Antworten. Von Fritz-Peter Linden
Fritz-Peter Linden

Und wieder: Eifeler Ärzte. Und die Frage, wie sie ihre Nachfolge regeln können. In diesem Fall geht es um die Kinder- und Jugendmediziner. Der TV berichtete in den vergangenen Tagen darüber, dass diese sich fragen, warum die Kassenärztliche Vereinigung (KV) ihnen nicht, wie allen anderen Hausärzten, 500 Euro Förderung pro Monat für ihre Praktikanten bereitstellt.

Zweck der Förderung: die Praktika – Fachbegriff Famulaturen – für junge Mediziner attraktiver zu machen. Das hätten auch die Kinderärzte gern, zumal sie ohnehin per Gesetz zu den Hausärzten gezählt werden.

Nur eben nicht, sofern es um das Fördergeld geht, von der KV. Die hatte gegenüber dem TV anklingen lassen, dass sich dieser Umstand eventuell ändern könne: Allerdings müsse die Vertreterversammlung im Herbst einen entsprechenden Beschluss fassen. Und sie rief (TV von vorigem Samstag) die Kreise, Städte und Verbandsgemeinden dazu auf, sich an der Praktika-Förderung zu beteiligen. Wir fragten, ob man sich das dort vorstellen kann.

Aloysius Söhngen, Bürgermeister der Verbandsgemeinde (VG) Prüm, kann das nicht so richtig: „Wir sind ja immer bereit, irgendwo zu helfen“, sagt der Kommunalchef und stellvertretende Vorsitzende des Gemeinde- und Städtebunds Rheinland-Pfalz. Aber er schränkt ein: Wenn die Kommune Geld für solche Praktika zu bezahlen anfange, „dann kommen auch andere“. Denn dann sei die Frage zu stellen, ob nicht auch in weiteren Berufen Praktikanten auf diese Weise gefördert werden könnten.

Ein weiteres Problem für Söhngen: „Du fängst dann einen Wettbewerb an zwischen den Kommunen um die Praktikanten“, sagt Söhngen. „Und am Ende gewinnen dann die finanzkräftigen.“ Nein, unterm Strich „und bei allem Verständnis fürs Anliegen: Es ist Sache der KV“, sagt Söhngen. „Die hat das zu finanzieren und muss es auch regeln.“

Für Martin Robrecht, den Stadtbürgermeister von Daun, wäre das hingegen „eine überlegenswerte Sache“, sagt er. „Allerdings wäre das eine freiwillige Leistung.“ Und er gibt zu bedenken, dass man unter dem Regiment der Kommunalaufsicht stehe.

Vorgreifen wolle er zudem auch nicht: Wenn, dann müsse „der Stadtrat das beschließen“. Und zwar einen gewissen Obolus, der dann an die Praktikanten entrichtet würde. Essensgutscheine, wie ebenfalls vorgeschlagen, „bringen nichts“, findet Robrecht.

In einem Punkt aber sagt er das Gleiche wie VG-Kollege Söhngen in Prüm: „Natürlich sind die Kommunen daran interessiert, Ärzte zu bekommen. Aber das Problem ist zuerst bei der KV zu lösen.“

„Gleiches Recht für alle“ fordert der Gerolsteiner Stadtbürgermeister Friedhelm Bongartz und hält die Ungleichbehandlung der Kinderärzte im Förder-Fall für „eine Disqualifizierung“. Sie seien unheimlich wichtig „für uns alle – daher sollte man sehen, dass sie die nötige Unterstützung erhalten“. Als Kommune könne man durchaus etwas tun, indem man für ein Praktikum zum Beispiel bei der Wohnungssuche helfe. Und finanzielle Hilfe? „Das würden wir sofot machen, wenn wir könnten. Aber wir haben’s nicht.“

Joachim Streit, der Landrat des Eifelkreises Bitburg-Prüm, hält indessen nichts davon: „Wir geben unseren Praktikanten auch nichts“, sagt er. Und außerdem: „Das wäre für uns eine freiwillige Leistung. Da wir aber einen defizitären Haushalt haben, ist uns diese leider verboten.“ Da stünden die Verbandsgemeinden finanziell schon besser da.

Der Landrat sieht aber trotzdem keinen Sinn darin, so zu agieren: „Wir brauchen uns vor Ort nicht darüber zu streiten, wer was zu zahlen hat, wenn wir selbst nicht für die Ungerechtigkeit verantwortlich sind und sie auch nicht herbeigeführt haben“, sagt Joachim Streit. Deshalb gelte: „An erster Stelle ist für die Ungleichbehandlung der Praktikanten die KV verantwortlich, und sie kann es durch einen Vertreterbeschluss auch lösen. Ich empfände es als Unverschämtheit, wenn die reichste berufsständische Vereinigung ihre internen Probleme auf Dritte abwälzt.“