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Entwicklung
Die Kunst muss warten

Vorerst wird keine Kunst auf dem Hahnplatz aufgestellt. Der Stadtrat Prüm hat beschlossen, erst nach dem Ende der Bauarbeiten erneut darüber zu debattieren.
Vorerst wird keine Kunst auf dem Hahnplatz aufgestellt. Der Stadtrat Prüm hat beschlossen, erst nach dem Ende der Bauarbeiten erneut darüber zu debattieren. FOTO: Frank Auffenberg
Prüm. Das erste Pflaster ist auf dem unteren Hahnplatz verlegt, da kommen schon Anfragen zur Errichtung von Kunst auf. Stadtbürgermeisterin Mathilde Weinandy will darüber nicht alleine bestimmen und bringt das Thema in den Rat. Von Frank Auffenberg

Am Gerberweg wachen die Statuen der Karolinger über die Buswartehäuschen, auf dem Kreisel am Friedhof sind zwei Stelen des Kaiser-Lothar-Preisträgers Werner Bitzigeio zu bewundern – Prüms öffentlicher Raum bietet seit eh und je Platz für Kunstwerke aller Art, auch auf dem alten Hahnplatz, wo bis zum Umbau unter anderem die Skulptur eines Jakobspilgers am Wegesrand stand. Doch wie soll es auf dem Platz weiter gehen? Der Stadtrat Prüm hat beschlossen, darüber erst nach Abschluss der Bauarbeiten zu entscheiden.

„Es gab in den vergangenen Wochen von vielen verschiedenen Seiten aus Anfragen, ob und wo auf dem Hahnplatz wieder Kunstobjekte aufgestellt werden“, sagt Stadtbürgermeisterin Mathilde Weinandy. Sie habe bisher immer darauf verwiesen, dass der Platz erstmal fertig werden müsse. Anlass, das Thema nun doch vorzeitig dem Rat vorzulegen, seien verschiedene Anfragen zur Gestaltung des Platzes gewesen. Jüngst sei die Anregung gekommen, die Metallkrone, die bereits an verschiedenen Stellen in Prüm gestanden habe, in die Mitte des Kreisels am Haus des Gastes zu stellen. „Ich bin nicht dafür, aber letztlich ist das keine Entscheidung, die ich allein treffen sollte“, sagt Mathilde Weinandy.

Peter Wind (CDU) kommentiert: „Wir haben das Thema in der Fraktion besprochen und waren uns einig, dass wir bis zur Fertigstellung des Hahnplatzes dort keine wie auch immer gearteten Kunstwerke sehen wollen – weder eine Krone noch ein rostiges Schaf oder irgendwas anderes.“ Man wolle zunächst abwarten, wie sich der Platz nach Bauende darstellt und erst dann überlegen, was dort eventuell hinpasst. „Nun, wo zehn Quadratmeter Pflaster fertig sind, einfach irgendwas hinstellen und ein Sammelsurium zu bekommen. Das lehnen wir ab.“

Wie sehr das Thema die Bürger beschäftige, sei an den Irritationen zu merken, die eine Plastik des Kaiser-Lothar-Preisträgers Werner Bitzigeio auf dem Kreisel an der Bahnhofstraße mit sich brachte. „Das ist aber etwas anderes. Jeder Preisträger stiftet uns ein Werk. Wir als Rat sagten gleich, dass, wenn Werner Bitzigeio uns was schenkt, wir es nicht im Haus des Gastes oder im Konvikt verstecken werden, sondern draußen aufstellen.“ Im Zuge des Aufbaus sei dann aber gleich gefragt worden: „Warum Bitzigeio und nicht ich?“

Bodo Hiltawski (SPD) kommentiert: „Zwischen Kunstwerken und Kunstwerken ist ja immer auch ein Unterschied, aber das ist eine andere Diskussion. Wir wollen uns dem Vorschlag von Peter Wind anschließen“, sagt Bodo Hiltawski (SPD). Die Krone könne man doch auch gut in den Gerberweg stellen - dem inoffiziellen Karolingerweg.

Dass es für eine Entscheidung fasst zu spät sei, merkt Erich Reichertz (FWG) an: „Wie gehen wir denn mit Sachen um, die da nun schon stehen? Ich meine die zwei Fahrräder, die dort schon sind.“ Er verweist damit auf eine Werbeaktion für zwei Cafés. „Was für einen gilt, muss auch für alle gelten“, sagt Reichertz. „Ich habe keine Fahrräder genehmigt“, wirft die Stadtbürgermeisterin ein. Stimme der Stadtrat dafür, dass die Regelung für alle gelte, dann könne man das so beschließen und wenn gewünscht, gerne jemand der Wirtin mitteilen, dass die Räder weg müssen.

Die Diskussion driftet ab. Wind glättet die Wogen: „Bei aller Grundsätzlichkeit, die Räder stören jetzt wirklich niemanden. Es geht nur darum, dass in den folgenden Wochen nicht einfach irgendwo irgendwelche Dinge hingestellt werden.“ Die Diskussion rund ums Rad beruhigt Wind mit dem Hinweis, dass es bei dem goldenen Fahrrad – mittlerweile steht nur noch eins da – ja eher um Werbung und Deko und weniger um Kunst gehe.

Monika Rolef (FWG) stimmt ihm zu. „Ich bin ja dafür, den Platz zu gestalten, und besonders dafür, dass wir mehr auf unsere Bedeutung als Karolingerstadt hinweisen. Aber zunächst sollten wir abwarten, bis alles fertig ist und dann an einem großen Konzept arbeiten“, sagt sie.

Eine viel beachtete Anregung gibt Ulrich Keller im Zusammenhang mit dem Umgang mit Kunst und den Schenkungen der Kaiser-Lothar-Preisträger: „Wir haben ja unseren Kurpark, der nicht richtig als Kurpark wahrgenommen wird. Vielleicht wäre es eine gute Idee, das Konzept auf Kur und Kultur auszuweiten.“ Ein Vorschlag, der mit Interesse aufgenommen wird. Der Rat beschließt einstimmig vorerst keine Kunst auf dem Hanplatz aufzustellen und erst nach Abschluss der Arbeiten wieder drüber zu beraten.

Auf dem Kreisel an der Bahnhofstraße steht nun ein Werk des Kaiser-Lothar-Preisträgers Werner Bitzigeio.
Auf dem Kreisel an der Bahnhofstraße steht nun ein Werk des Kaiser-Lothar-Preisträgers Werner Bitzigeio. FOTO: Frank Auffenberg