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Radweg auf der Trasse vor dem Aus

Prüm. Die ehemalige Bahnstrecke von Prüm nach Gerolstein stößt auf wachsendes Interesse bei Eisenbahn-Unternehmen. Jetzt hat die Rhein-Sieg-Eisenbahn GmbH aus Bonn als dritte einen Antrag auf Betriebsgenehmigung gestellt. Ein Radweg auf der Trasse wird daher immer unwahrscheinlicher. Von unserem Redakteur Christian Brunker

Während im Wirtschaftsministerium darüber entschieden wird, ob das Land einen parallelen Radweg entlang der Bahnstrecke von Prüm nach Gerolstein finanzieren kann (und will) oder ob es doch den Radweg auf der Trasse favorisiert - wächst bei Eisenbahn-Unternehmen das Interesse an der Strecke. Jüngster Interessent: die Rhein-Sieg-Eisenbahn (RSE) GmbH aus Bonn.

"Wir haben bereits rund 200 Kilometer Eisenbahnstrecken, von daher würde diese Strecke in unser Portfolio passen", sagt Daniel Preis, Eisenbahnbetriebsleiter der RSE. In der Region ist das Unternehmen kein Unbekannter: Die RSE betreibt die Oleftalbahn in Nordrhein-Westfalen von Kall nach Hellenthal. "Wir wollen die Strecke zwischen Prüm und Gerolstein für den Eisenbahnverkehr herrichten und dann auch anderen Unternehmen zur Verfügung stellen", sagt Preis. Dafür könnte man sich beim Bonner Unternehmen sowohl eine Pacht als auch einen Kauf der Strecke vorstellen. "Noch ist allerdings nichts spruchreif", sagt Preis. Man habe bislang lediglich gegenüber dem Wirtschaftsministerium in Mainz sein Interesse an einem Bahnbetrieb bekundet.

Zuvor hatte bereits die Arbeitsgemeinschaft Westeifelbahn um den Vorsitzenden An dreas Kurth einen Antrag auf Betriebsgenehmigung für die Strecke gestellt. Hierfür wurde die "Westeifelbahn GmbH" gegründet, um einen Draisinenverkehr auf der Strecke einzurichten, der ohne öffentliche Zuschüsse auskommen soll.

Petry: "Einen Radweg auf der Strecke wird es nicht geben"



Nummer drei im Bunde ist Jörg Petry, der Geschäftsführer der Vulkaneifelbahn, der schon lange sein Interesse deutlich gemacht hat. Für Petry steht angesichts des großen Interesses an einer Bahnnutzung der Strecke fest: "Einen Radweg auf der Bahntrasse wird es zu 99,99 Prozent nicht geben." Eine Konkurrenz zu seinen eigenen Planungen sieht er in der Rhein-Sieg-Eisenbahn nicht. Denn die Rechtslage sehe so aus, dass jeder die vorhandenen Gleise nutzen dürfe, unabhängig von den Besitzverhältnissen. "Es geht einfach um den Erhalt der Bahnstrecke", sagt Petry, "von daher ist das Interesse der Rhein-Sieg-Eisenbahn sehr sympathisch."

In Bezug auf den von den Kommunen gewünschten Radweg wirbt Petry für einen Kompromiss. "Ein paralleler Radweg muss nicht teurer sein als ein Radweg auf der Strecke." Besonders im Bereich zwischen Müllenborn/Oos und Gondelsheim könne man sehr gut bereits vorhandene Wege nutzen. Lediglich an den beiden Streckenenden bei Prüm und Gerolstein sei ein paralleler Radweg notwendig, um allzu starke Steigungen zu vermeiden. "Ich verstehe auch nicht, warum man sich von kommunaler Seite so sperrt, denn diese Blockade macht keinen Sinn." Prüm/Passau. (ch) Die Verbandsgemeinde Prüm und die Stadt Gerolstein sind nicht die einzigen Kommunen, die gern einen Radweg auf einer ehemaligen Bahnstrecke hätten. Sehr ähnlich gelagert war der Fall der Ilztalbahn zwischen Passau und Freyung in Bayern. Auch dort wollte die Kommune auf einer stillgelegten Bahnstrecke 2006 einen Radweg bauen, um eine seit Jahren ungenutzte Strecke zu beleben. Doch auch dort gab es Widerstand gegen den Abbau der Gleise. Für den Erhalt setzte sich der Förderverein Ilztalbahn ein, der sogar eine eigene Betriebs-GmbH gründete, um die Strecke zu nutzen. Kooperationspartner dieser "Ilztalbahn-GmbH": die Rhein-Sieg-Eisenbahn, die jetzt auch auf der Strecke zwischen Prüm und Gerolstein aktiv werden will. Ungeachtet dessen sprach sich der Passauer Stadtrat mit knapper Mehrheit für einen Radweg aus und beauftragte die Deutsche Bahn Netz AG, die Entwidmung der Strecke zu beantragen, um die Gleise abbauen zu können. Doch angesichts des nachgewiesenen Interesses von Eisenbahn-Unternehmen versagte das Eisenbahn-Bundesamt (EBA) die Genehmigung für die Entwidmung, von den Radweg-Plänen musste sich die Stadt Passau verabschieden.

Die Folge: Nach einigen Genehmigungsprozessen und Instandsetzungsarbeiten sollen in diesem Frühjahr die ersten regelmäßigen Züge wieder auf der Strecke rollen.

EXTRA Die RSE Rhein-Sieg-Eisenbahn GmbH ist nach eigener Auskunft ein Eisenbahnverkehrs- und Eisenbahninfrastrukturunternehmen des öffentlichen Verkehrs mit Sitz in Bonn. Es wurde am 14. November 1994 gegründet und betreibt mit einer bundesweiten Zulassung für den öffentlichen Eisenbahnverkehr Personen- und Güterverkehre auf dem Schienennetz der DB Netz AG. Darüber hinaus engagiert man sich als Eisenbahn-Infrastrukturunternehmen in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Bayern, dort besitzt das Unternehmen Eisenbahnstrecken. Regelmäßiger Schienengüterverkehr wird in den Räumen Köln/Bonn und Koblenz/Andernach betrieben. (ch)

Meinung
Ausweg aus dem Dilemma
Die Kommunalvertreter aus Prüm und Gerolstein wollen einen Radweg auf der ehemaligen Trasse von Prüm nach Gerolstein, doch mittlerweile bekunden immer mehr Unternehmen ihr Interesse an der Strecke. Gerade das macht aber einen Abbau der Gleise nahezu unmöglich. Denn das Eisenbahngesetz besagt ausdrücklich, dass Bahnstrecken in solchen Fällen nicht abgebaut werden dürfen. Die Alternative für die Trasse lautet daher nicht Bahn oder Radweg, sondern Bahn oder nichts. Besser für alle Beteiligten wäre es, so schnell wie möglich die Varianten auszuloten und den Radweg parallel zu bauen - für diesen ist das die einzig realisierbare Möglichkeit. Hierbei darf sich auch das Land nicht aus der Verantwortung stehlen. Mehrfach hat man in Mainz betont, wie wichtig die Verbindung von Kyll- und Prümtalradweg im landesweiten Radwegenetz ist. Deshalb müssen die notwendigen Landeszuschüsse für einen parallelen Radweg bereitgestellt werden. Für die Kommunen bietet das Interesse der Rhein-Sieg-Eisenbahn ebenfalls eine große Chance: Sollte die RSE wirklich bereit sein, die Strecke zu kaufen, wäre man eine große Sorge los. c.brunker@volksfreund.de