| 21:48 Uhr

Radweg nach Gerolstein für 2,8 Millionen?

Ob ein Radweg bald die Gleise nach Gerolstein ersetzt, bleibt offen. TV-Foto: Archiv/Christian Brunker
Ob ein Radweg bald die Gleise nach Gerolstein ersetzt, bleibt offen. TV-Foto: Archiv/Christian Brunker
Der Radweg von Prüm nach Gerolstein wird entweder auf den Gleisen der ehemaligen Bahnstrecke gebaut werden oder eben gar nicht. Denn die Untersuchung von Alternativen hat gezeigt, dass diese deutlich teurer sind. Nun hängt alles davon ab, ob das Eisenbahnbundesamt grünes Licht für den Abbau der Gleise gibt. Von unserem Redakteur Christian Brunker

Prüm. Einen familienfreundlichen Radweg von Prüm nach Gerolstein kann es nur geben, wenn das Gleis auf der ehemaligen Bahnstrecke abgebaut und an ihrer Stelle der Radweg gebaut wird. So lässt sich das Ergebnis der nun vom Landesbetrieb Mobilität (LBM) Gerolstein im Verbandsgemeinderat Prüm vorgestellten Prüfung zusammenfassen. Die Variante, den Weg komplett neben dem bestehenden Gleis zu bauen, sodass diese für einen Bahnbetrieb genutzt werden können, ist für die Kommune nicht finanzierbar. Auch wenn dabei vorhandene Wirtschaftswege genutzt werden, liegen die Kosten um ein vielfaches höher als bei einem Abbau der Gleise.

Im Auftrag des Wirtschaftsministerium hatte der LBM die verschiedenen Varianten unersucht. Das Ergebnis: Der Radweg auf den Gleisen wäre mit 2,8 Millionen Euro am günstigsten. Die Lösung, den Weg auf der Bahntrasse neben den Gleisen zu bauen, schlägt mit 7,35 Millionen Euro zu Buche. Das liegt laut Oliver Arimond vom LBM vor allem daran, dass zahlreiche Brücken neu gebaut und Erdarbeiten vorgenommen werden müssen.

Denn nach dem Rückbau der ehemals zweigleisigen Strecke auf nur noch ein Gleis sei dieses in einer Ideallinie verlegt worden. Das heißt, die Schienen liegen mal am rechten, mal am linken Rand der Trasse. Folglich müsste auch der Radweg jedes Mal über die Schienen auf die andere Seite wechseln. Da man aber aus Sicherheitsgründen keine zusätzlichen Bahnübergänge anlegen könne, müsse neben den Gleisen Platz geschaffen werden.

Im Bereich zwischen Gondelsheim und Oos sei es zwar möglich, den Radweg über vorhandene Wirtschaftswege zu führen und so Kosten zu sparen. Dennoch rechnet der LBM bei dieser dritten Variante immer noch mit rund 6,7 Millionen Euro Gesamtkosten.

LBM-Chef Harald Enders widersprach der häufig gehörten "Legende", dass die Strecke wegen der Steigungen nicht als Radweg geeignet sei. "Auf der Bahntrasse haben wir eine maximale Steigung von 1,3 bis 1,7 Prozent, das ist weniger als beim sehr erfolgreichen Maare-Mosel-Radweg", sagt Enders. Von daher sei der Weg sehr wohl sehr attraktiv. Eine ähnlich gute Lösung sei mit der Einbeziehung von Wirtschaftswegen schlicht nicht möglich.

Daran zweifelt Erdal Dogan (SPD). Egal ob auf Bahntrasse oder Wirtschaftswegen, der Radweg sei wegen der Topographie nicht familientauglich. Es sei allein das "krankhafte und krampfhafte Bemühen", eine Verbindung von St. Vith zur Mosel herzustellen. Weil der Radweg auf der Trasse zudem an den Orten vorbeiführe, solle man sich das Geld besser sparen.

Auch Bernd Weinbrenner kritisiert die "Versessenheit" des LBM und der Verwaltung auf den Radweg. "Tourismus heißt nicht nur Radfahren", sagt Weinbrenner. Man könne bequem und billig die Bahn fahren lassen. Außerdem zweifelt Weinbrenner an dem Erfolg der Entwidmung, gegen die es seines Wissens zwei Einsprüche gebe.

Darüber soll es bald Klarheit geben. Laut VG-Bürgermeister Aloysius Söhngen ist das formelle Verfahren eingeleitet, mit einer Entscheidung des zuständigen LBM rechnet er bis Ende September. "Dann können wir weitersehen." EXTRA Um eine Bahnstrecke abbauen zu können, muss sie formal vom Eisenbahnbundesamt vom Bahnbetrieb freigestellt, also entwidmet werden. Voraussetzung ist, dass die Strecke auch mittelfristig nicht für den Bahnbetrieb genutzt werden soll. Für die Gleise nach Gerolstein interessieren sich allerdings drei Betreiber, darunter die Rhein-Sieg-Bahn und die Vulkaneifelbahn. (ch)