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Radweg neben der Strecke ist (zu) teuer

Zu teuer: Ein Radweg parallel zu den Gleisen von Prüm nach Gerolstein scheidet offenbar aus. TV-Foto: Archiv/Christian Brunker
Zu teuer: Ein Radweg parallel zu den Gleisen von Prüm nach Gerolstein scheidet offenbar aus. TV-Foto: Archiv/Christian Brunker
Prüm. Ein paralleler Radweg neben den Gleisen der Strecke von Prüm nach Gerolstein würde rund zehn Millionen Euro kosten. Das haben die Planungen des rheinland-pfälzischen Wirtschaftsministeriums ergeben. Für Aloysius Söhngen, Bürgermeister der VG Prüm, hat sich diese Lösung damit erledigt. Von unserem Redakteur Christian Brunker

Die schier endlose Geschichte um die ehemalige Bahnstrecke von Prüm nach Gerolstein wird noch komplizierter. Die als Variante zum Radweg auf den Gleisen diskutierte Lösung, den Weg direkt neben die Strecke zu bauen, scheidet offenbar als zu teuer aus. "Die Herstellung des Radwegs auf der Bahntrasse bei gleichzeitiger Nutzung durch den Schienenverkehr lässt sich mit rund 7,8 Millionen Euro beziffern", schreibt Minister Hendrik Hering an die Verbandsgemeinde Prüm und die Stadt Gerolstein, denen die Strecke gehört. "Über die Herstellungskosten hinaus werden überdies zahlreiche Sondermaßnahmen erforderlich werden, wie die Herstellung von Zäunen und Geländern, von Stützmauern und neuen Brückenbauwerken. Die Gesamtkosten betrügen deswegen mindestens rund zehn Millionen Euro." Zuvor hatte das Land bereits die Kosten für die Reaktivierung der Bahnstrecke, um sie auf den aktuellen Stand als reguläre Bahnverbindung zu bringen, auf rund sechs Millionen Euro geschätzt.

Vor allem Jörg Petry, Geschäftsführer der Vulkaneifelbahn und einer der drei Interessenten an einem Bahnbetrieb, hatte sich immer wieder für eine parallele Streckenführung ausgesprochen - und sieht sich bestätigt. "Wir haben ja nie davon gesprochen, den Radweg auf den gesamten 23 Kilometern neben die Strecke zu bauen", sagt Petry. Eine parallele Streckenführung sei nur zwischen Prüm und Gondelsheim sowie zwischen Lissingen und Müllenborn sinnvoll. "Das sind zwischen sieben und acht Kilometer." Die restliche Strecke könne man gut über vorhandene Wirtschaftswege führen und so Kosten einsparen. "Aber eine solche Variante ist noch nie ernsthaft geprüft worden", sagt Petry.

Doch gerade die parallelen Abschnitte an den von Petry genannten Stellen seien es, die den Radweg so teuer machen, betont Prüms VG-Chef Aloysius Söhngen. Dort müsse man einen komplett neuen Unterbau anlegen und mehrere Brücken bauen. Für Söhngen hat sich angesichts der Berechnungen des Ministeriums ein Radweg direkt neben der Strecke erledigt. Nun will er mit den Fraktionsvorsitzenden im VG-Rat und den Beigeordneten beraten, wie das Schreiben weitergehend zu bewerten sei. Der VG-Chef setzt aber immer noch auf den Radweg anstelle der Bahntrasse. Schließlich hätten auch die möglichen Bahnbetreiber noch keine finanzierbaren Konzepte vorgelegt.

Jetzt gehe es nur noch um die Frage der Entwidmung, sagt Söhngen. "Dabei steht die große Mehrheit der Bevölkerung, die den Radweg will, gegen das vornehmlich private Interesse der Bahnbetreiber."

Meinung

Bund muss entscheiden

Von Christian Brunker

Ginge es allein nach dem öffentlichen Interesse und den Nutzungsmöglichkeiten, müsste die Bahnstrecke abgebaut werden, damit die kostengünstigste und familienfreundlichste Radweg-Verbindung auf der Trasse geschaffen werden kann. Ein touristischer Schienenbus mag eine schöne Abwechslung sein, aber angesichts der begrenzten Nutzungstage im Jahr tritt sie gegenüber einem Radweg, der von Radfahrern, Spaziergängern und Inline-Skatern in einem viel längeren Zeitraum genutzt werden kann, klar zurück. Doch es geht eben nicht nur um das öffentliche Interesse. Denn das Allgemeine Eisenbahngesetz sieht hohe Hürden für einen Abbau von Strecken vor, was einen Radweg auf der Strecke unwahrscheinlich bis unmöglich macht. In diesem Dilemma fehlt die definitive Entscheidung des Eisenbahn-Bundesamts, ob die Bahnstrecke trotz der vorhandenen Interessenten entwidmet werden kann oder eben nicht. Denn erst dann sind die Akteure wirklich gezwungen, über realisier- und finanzierbare Lösungen nachzudenken - auch wenn sie nicht perfekt sein mögen. c.brunker@volksfreund.de