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Retrospektive zwischen Akt und abstrakt

Wer sind diese Menschen? Helmut Barthel verrät es nicht. Die Bürgermeisterin von Prüm, Mathilde Weinandy, rätselte schon, ob es der Stadtrat sei. TV-Foto: Stefanie Glandien
Wer sind diese Menschen? Helmut Barthel verrät es nicht. Die Bürgermeisterin von Prüm, Mathilde Weinandy, rätselte schon, ob es der Stadtrat sei. TV-Foto: Stefanie Glandien
Prüm. Er malt und malt und malt: Helmut Barthel steht auch mit 93 Jahren noch jeden Tag an der Staffelei. Im November zeigt er im Konvikt in Prüm einen Querschnitt seines Schaffens. Auch seine neusten, abstrakten Bilder werden zu sehen sein.

Prüm. Es gibt kaum einen leeren Platz an den Wänden im Haus von Helmut Barthel, an dem nicht ein Bild von ihm hängt. Während im Erdgeschoss ein ganzes Zimmer mit seinen Werken gefüllt ist, hat er noch verschiedene Schätzchen in der, wie er sie selbst despektierlich nennt, Rumpelkammer untergebracht. Im ersten Stock ist sein als Atelier umfunktioniertes Büro.
Wie fleißig der 93-jährige dort zum Pinsel greift, davon zeugt der Teppich, der bei manchem schwungvollem Strich den ein oder anderen Tropfen Farbe abbekommen hat. Barthels künstlerisches Spektrum ist breit gefächert. Da gibt es verschiedene Akte, die aus der Zeit stammen, als er an der Kunstakademie Trier entsprechende Seminare besucht hat. Doch auch Blumen und Landschaften der Eifel hat er auf Leinwand gebannt. Ebenso moderne, plakative Arbeiten und Abstraktes. "Da ich alter Kerl keine Neuheiten bringen kann, suche ich mir Motive aus der modernen Malerei zur Anregung", sagt er. Aber auch Reisen nutzt er zum Studium.
Hobbymaler - kein Künstler


Eins seiner jüngeren Werke zeigt den Ort Radebeul in Sachsen. "Daneben habe ich das Elbsandsteingebirge gemalt. Ich habe es einfach nach Radebeul versetzt", sagt Barthel und lacht spitzbübisch. Künstlerische Freiheit eben. Als großen Kunstschöpfer möchte er sich jedoch nicht verstanden fühlen. "Ich bin ein Hobbymaler", stellt der gebürtige Thüringer klar.
Die künstlerische Ader hat er wahrscheinlich von seinem Vater geerbt, der Holzbildhauermeister war. Schon als Schüler hat Barthel gerne gezeichnet. "Wenn ich keine Vokabeln gelernt habe und die Lehrer mich deswegen nicht mit in den Garten gehen ließen, um dort zu zeichnen, das war die höchste Strafe für mich."
Da er bis 1989 in leitender Position in der Bekleidungsindustrie tätig war, entdeckte er erst 1992, im Alter von 72 Jahren, die Kunst wieder für sich. Kursen bei der Volkshochschule schlossen sich Seminare in Köln und in Trier an der Kunstakademie an. Längst ist das Hobby zur täglichen Aufgabe geworden. "Am Nachmittag wird prinzipiell gemalt", sagt Barthel. Alle drei bis vier Jahre ist es dann so weit. Wenn er genügend Bilder zusammen hat, werden die der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. So auch am 11. November, im Konvikt - Haus der Kultur in Prüm. Unter dem Titel "Retrospektive - und neu!" sind dann bis zum 6. Dezember neue Arbeiten zu sehen. sn