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Natur
Der Kampf gegen Windmühlen

Die Blütendolden des Riesen-Bärenklaus sind nun schon in der Regel vertrocknet. Die schwimmfähigen Samen fallen ab und bleiben acht Jahre keimfähig.
Die Blütendolden des Riesen-Bärenklaus sind nun schon in der Regel vertrocknet. Die schwimmfähigen Samen fallen ab und bleiben acht Jahre keimfähig. FOTO: Frank Auffenberg
Lünebach/Prüm/Bitburg. Einige Jahre kämpften der Naturpark Nordeifel und der Eifelkreis vereint gegen die Verbreitung des Riesen-Bärenklaus. Seitdem das Programm ausgelaufen ist, stehen Grundbesitzer und Naturpark nun allein im Kampf da. Von Frank Auffenberg

So dramatisch, wie die englische Band Genesis in den 1970er Jahren den Riesenbärenklau in ihrem Song „The Return of the Giant Hogweed“ besungen hat, ist die Situation zwar nicht – die Pflanze hat keineswegs die Weltherrschaft übernommen. Doch eines zeigt sich im langsam anbrechenden Herbst: Der Kampf gegen die giftige Herkulesstaude bleibt ein Kampf gegen Windmühlen.

Dicht an dicht stehen beispielsweise am Rande von Lünebach die verblühten und trockenen Überreste mehrerer Herkulesstauden an der Prüm. Zwar hat der Eifelkreis gemeinsam mit dem Naturpark Nordeifel von 2008 bis 2011 versucht, der Verbreitung der hier nicht heimischen und leider auch ziemlich giftigen Pflanze Herr zu werden, doch alle Mühen waren zumindest in Teilen vergebens.

Eine Leserin meldete sich jüngst bei der TV-Redaktion und wies auf den giftigen Wildwuchs in Lünebach hin – mit der Frage, was man eigentlich dagegen machen könne oder ob da was gemacht werde. Eine gute Frage: Teils ist nämlich zwar noch der Naturpark Nordeifel aktiv, seit Auslaufen des Kreis-Programms aber eben nur noch in seinem Beritt.

„Wir führen zwar weiter jährlich Bekämpfungsmaßnahmen durch – allerdings nur bei uns im Einzugsbereich, und der endet bei Lünebach“, sagt Ulrich Klinkhammer, Mitarbeiter des Naturparks. Ungünstig sei, dass der Riesenbärenklau Samen hat, die sieben bis acht Jahre keimfähig blieben. „Selbst wenn man glaubt, ein Gebiet endlich frei zu haben, tauchen plötzlich im Frühjahr neue Pflanzen auf, und denen ist nicht gerade gut beizukommen. Man braucht Schutzkleidung und muss einige Regeln beim Entfernen beachten“, sagt Klinkhammer. Profis seien also gefragt oder eben äußerste Vorsicht.

Hilfe vom Kreis ist aktuell dabei wiederum nicht mehr zu erwarten. Nachdem das gemeinsame Projekt, es hat knapp 20♦000 Euro gekostet, ausgelaufen ist, hat man in Bitburg keine Neuauflage geplant. Der Kreis teilt auf Nachfrage nach Handlungsgsempfehlungen oder einer Kontaktstelle mit: „Der Eigentümer einer Fläche ist vorrangig verantwortlich für diese und damit auch dafür, dass von seiner Fläche keine Gefahren ausgehen.“ Dies liege auch im eigenen Interesse, da „die Ausbreitung des Riesen-Bärenklaus die Nutzungsfähigkeit der Fläche verschlechtert.“ Eigeninitiative ist also gefragt.

„Es gibt keine Zuständigkeit oder Verpflichtung für den Eifelkreis, Bekämpfungsaktionen durchzuführen“, merkt Kreispressesprecher Ansgar Dondelinger an. Man gibt sich ernüchtert angesichts der Erfahrungen: Bekämpfungsaktionen in größeren Bereichen könnten nicht nebenher, punktuell irgendwo erfolgen, sondern erforderten hohen logistischen, organisatorischen und finanziellen Einsatz über längere Zeiträume, so der Kreis in seiner Stellungnahme.

Einzuschätzen, wie erfolgreich das damalige Programm mit dem Naturpark Nordeifel war, sei wiederum nicht leicht. „Da keine systematische Nachkontrolle im gesamten damaligen Projektgebiet durchgeführt wurde und keine Fundstellenverzeichnisse im sonstigen Kreisgebiet existieren, ist es schwer, die Entwicklung zu beurteilen.“ Fest stehe aber: Je näher an den Oberläufen die Staude bekämpft werde, desto einfacher sei es, die Bestände unter Kontrolle zu halten.

„Uns vom Naturpark kommt das etwas entgegen, liegen doch viele Quellen und Oberläufe in unserem Gebiet“, sagt Klinkhammer. Dort, wo man weiter im kleinen Rahmen aktiv sei, habe man die weitere Ausbreitung so auch hoffentlich etwas eindämmen können. „Man muss aber eben ständig bei der Sache bleiben“, sagt Klinkhammer.

Beim Eifelkreis ist man pessimistisch. „Insgesamt ist aber realistisch gesehen von einer Zunahme der Bestände auszugehen. Besonders an der Kyll, aber auch im Einzugsbereich der Nims und an der Our sind Bestände bekannt; es dürfte kaum ein Fließgewässer im Eifelkreis ganz ohne Riesen-Bärenklau geben“, resümiert Ansgar Dondelinger.

Problematisch sei die Hartnäckigkeit der Pflanze, was ohne tatkräftige Hilfe von Fachseite zu einigem Ärger führen könne, sagt Klinkhammer. Besonders die Giftigkeit sei nicht zu unterschätzen. Weil jeder Kontakt der Pflanze bei Sonnenlicht zu extremen Hautreaktionen führen kann – dafür braucht es tatsächlich auch keine Allergie – wird empfohlen, ihr ausschließlich in Schutzkleidung zu Leibe zu rücken.

„Am besten im Frühjahr, komplett eingepackt und geschützt, geht man noch vor der Blüte der Pflanze an den Kragen. Wer Rat braucht, kann sich natürlich an uns wenden – nur können wir halt nicht unbedingt selber mit anpacken“, sagt Klinkhammer. Und wie geht man mit den nun schon verblühten Pflanzen um? „Gute Frage. Unbedingt ist zu vermeiden, dass die Samen sich ausbreiten. Sonst geht das Spiel von neuem los“, sagt Ulrich Klinkhammer.

Die Telefonnummer des Naturparks Nordeifel: 06551/985755.

Nur noch in seinem direkten Berreich kämpft der Naturpark Nordeifel gegen den Riesenbärenklau. Foto: Frank Auffenberg
Nur noch in seinem direkten Berreich kämpft der Naturpark Nordeifel gegen den Riesenbärenklau. Foto: Frank Auffenberg FOTO: Frank Auffenberg