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Schienenbus auf dem Weg zum Abstellgleis?

Die Diskussion um die künftige Nutzung der Bahntrasse Prüm-Gerolstein spitzt sich zu. Für die Sitzung des Verbandsgemeinderats Prüm am Dienstag, 11. Dezember, um 14.30 Uhr gibt es eine Beschlussvorlage mit drei Varianten. Von unserem Redakteur Marcus Hormes Von Marcus Hormes

Prüm. In der Öffentlichkeit und hinter den Kulissen seit Monaten intensiv diskutiert, steht das Thema Bahntrassen-Nutzung endlich auf der Tagesordnung eines der beiden entscheidenden Gremien: Der Rat der Verbandsgemeinde (VG) Prüm soll ein Nutzungskonzept beschließen. Der Stadtrat Gerolstein als Herr über die anderen acht Kilometer der 23 Kilometer langen Strecke wird sich voraussichtlich in seiner folgenden Sitzung damit befassen.Draisinenbahn ist offenbar chancenlos

Wichtige Weichen wurden bei einem Treffen zwischen den CDU-Fraktionen beider Räte gestellt. Die CDU stellt die absolute Mehrheit im Prümer VG-Rat und in Gerolstein. Zur Prümer Sitzung gibt es drei Beschluss-Varianten:Bau eines Radwegs direkt auf der Trasse, Antrag auf Freistellung von Bahnbetriebszwecken beim Eisenbahn-Bundesamt mit dem Ziel GleisabbauNutzung der Schienen für touristische Bahnfahrten durch einen privaten Betreiber (Bewerber Vulkan-Eifel-Bahn)Bahnbetrieb plus Radwegbau neben den Schienen.Der Landesbetrieb Mobilität in Gerolstein schätzt die Kosten für einen Radweg auf der Trasse auf rund 1,7 Millionen Euro. Der übliche Fördersatz durch das Land liegt bei 60 bis 70 Prozent der förderfähigen Kosten - eine Bewilligung vorausgesetzt. Ganz neu in der Vorlage von der VG-Verwaltung ist eine Schätzung des Bauamts für einen Radweg neben den Schienen: Unterbau und Asphalt-Fahrbahndecke würden demnach 2,6 Millionen Euro kosten, hinzu kämen Brücken-Erweiterungen für rund 400 000 Euro.Textlich nicht eingangen wird auf die Möglichkeit, teilweise vorhandene Wirtschaftswege mitzunutzen und die Radstrecke durch einen anderen Verlauf abzukürzen (der TV berichtete). "Das beigefügte Höhenprofil zeigt, dass bei diesen anderen Streckenabschnitten zum Teil erhebliche Steigungen bewältigt werden müssten", erklärt Bürgermeister Aloysius Söhngen (CDU) auf Anfrage. Darin sieht auch CDU-Fraktionssprecherin Mathilde Weinandy einen großen Nachteil, etwa bei Dausfeld/Weinsheim. Für SPD-Fraktionssprecherin Birgit Nolte-Schuster ist das Rennen jedoch keineswegs gelaufen: "Vom Ministerium gibt es nur den Wunsch, dass sich die Region einigen soll. Wenn wir die Gleise abbauen, sind sie für immer weg." Die Option Draisenbetrieb ist in der Vorlage zwar erwähnt, hat aber offenbar keine Chancen mehr. Meinung (Ent)Scheiden tut weh Alles andere als ein Ratsvotum für Radwegbau und Gleisabbau wäre eine Riesenüberraschung. Neben der Meinungsbildung in Mehrheitsfraktion und Verwaltungsspitze drängen inzwischen auch nackte Zahlen darauf, wenn 1,7 Millionen Euro satten drei Millionen Euro für die Radwegvariante mit Bahn gegenüberstehen. Doch aus zwei Gründen wird die Entscheidung manchen schmerzen. Erstens bedeutet sie einen Abschied von der Bahn für immer — keine Chance für Nutzung durch Touristen und eines Tages vielleicht auch wieder durch andere Fahrgäste. Zweitens bleibt das Gefühl, dass die Variante mit Wirtschaftswegen nicht intensiv geprüft wurde. Bei nüchtern-realistischer Betrachtung hätte vermutlich auch diese Prüfung zu keiner anderen Mehrheitsentscheidung geführt. m.hormes@volksfreund.de