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Sie hat einen Vertrag mit dem Chef

Barbara Stadtfeld: Heute wird sie beeindruckende 104 Jahre alt. Foto: privat
Barbara Stadtfeld: Heute wird sie beeindruckende 104 Jahre alt. Foto: privat FOTO: (e_pruem )
Hallschlag. Einen ganz besonderen Geburtstag feiert heute Barbara Stadtfeld aus Hallschlag: Sie wird 104 Jahre alt. Und will noch ein bisschen was dranhängen.

Hallschlag. Runde Geburtstage feiern ja viele, aber einen 104. - in Worten: Einhundertvierten - zu schaffen, das gelingt nur ganz wenigen Menschen. Zu ihnen zählt Barbara Stadtfeld, am 1. Oktober 1911 in Hallschlag geboren.
Und sie hat noch was vor: nämlich auf jeden Fall 105 zu werden. Sie habe einen Vertrag "mit dem Herrgott" darüber, sagt sie. "Aber nichts Schriftliches."
Ihren Witz hat sie offenbar behalten - und auch sonst, sagt Sohn Horst, sei Mutter Barbara noch fit: "Sie weiß noch Sachen, die wir lange vergessen haben."
Barbara war das vierte Kind von Luzia und Peter Ehlen, die insgesamt sieben Töchter hatten, ein Mädchen starb jedoch kurz nach seiner Geburt.
Auch den Vater verlor die Familie früh, er erlag mit 38 Jahren den Folgen einer Vergiftung, die er sich bei seiner Arbeit in der damaligen Munitionsfabrik "Espagit" zugezogen hatte.
Mit Kaffee über die Grenze


Ein schweres Los für die Mutter, die mit viel Mühe und Liebe ihre Kinder durchbringen konnte - und, wie damals üblich, die älteren Töchter in anderen Haushalten unterbrachte, wo sie für wenig Lohn oft schwere Arbeit verrichten mussten. Auch Barbara: Sie kam zur Tante, die außerhalb des Dorfs wohnte. Aber das Heimweh des Mädchens war so groß, dass Barbara immer wieder zur Mutter flüchtete.
1934 heiratete sie Josef Stadtfeld aus dem Nachbarort Losheim, im Jahr darauf kam Tochter Elsbeth zur Welt, 1935 Sohn Horst. Es folgte die schwere Zeit des Zweiten Weltkriegs, Barbara und die Kinder mussten ihre Heimat verlassen, Josef Stadtfeld, früh eingezogen, kehrte erst 1949 nach fünf Jahren Gefangenschaft in Russland zurück.
In der Nachkriegszeit, sagt Horst Stadtfeld, habe seine Mutter sich und die Kinder gelegentlich auch mit kleinen Schmuggeleien - "Kaffee, Pudding, Zigaretten und Tabak" - über Wasser gehalten. Außerdem beköstigte sie die Zollbeamten - die offensichtlich in jenen Zeiten ein ums andere Mal ein Auge zudrückten, da ihnen bekannt war, was so alles im kleinen Grenzverkehr ablief.
1951 bauten sich Barbara und Josef Stadtfeld ein Haus, brachten darin eine Privatpension für Sommerfrischler aus dem Raum Köln unter und betrieben sie bis Anfang der 90er Jahre.
Josef Stadtfeld starb 2006, im hohen Alter von 97 Jahren, die beiden waren beeindruckende 72 Jahre lang miteinander verheiratet. Barbara Stadtfeld wird heute von Horst und Schwiegertochter Marlies Stadtfeld gepflegt - und besucht weiterhin einmal im Jahr ihre Tochter Elsbeth Kaufmann, die in Kerpen lebt. Zum Geburtstag gratulieren heute viele Verwandte, Freunde und Bekannte - und die vier Enkel und sieben Urenkel. fpl