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Sportlich, friedlich, brüderlich: Läufer und Raffer bestreiten an Ostermontag die Schönecker Eierlage

Aufmerksam verfolgt der spätere Sieger Läufer Sven Faßbender (links) mit seinem Gegner Raffer Stefan Hermes das korrekte Auslegen der Eier.
Aufmerksam verfolgt der spätere Sieger Läufer Sven Faßbender (links) mit seinem Gegner Raffer Stefan Hermes das korrekte Auslegen der Eier. FOTO: Klaus Kimmling
Schönecken. Der eine läuft nach Seiwerath und zurück, der andere sammelt in der Von-Hersel-Straße 104 Eier auf, beide angefeuert von vielen Besuchern: In Schönecken treten an Ostermontag, wie schon seit Jahrhunderten, Läufer und Raffer zur Eierlage an. Fritz-Peter Linden

Schönecken. Bruderkampf im Flecken: Christian Gitzen und Christian Rabe haben am Sonntag vom Vorstand der Junggesellensodalität den Zuschlag für die Eierlage erhalten. Die beiden hatten sich, so will es die Tradition des jahrhundertealten Brauchs, gemeinsam beworben und gingen als Gewinner aus der Versteigerung heraus (siehe Extra).Jeder gönnt\'s dem anderen


"Das wird ein spannender Wettkampf", sagt der 32-jährige Christian Gitzen. Er muss die 104 Eier, in der Von-Hersel-Straße im Abstand einer Elle ausgelegt, einzeln einsammeln und in einem Korb vor dem Vereinslokal ablegen. "Wir sind beide fit und auf demselben Niveau. Es wird wohl von der Tagesform abhängen."
Sein 27-jähriger Mitstreiter Christian Rabe bleibt noch vorsichtig: "Leicht angespannt", sei er, wie er bekennt. "Ich denke, dass ich einen sportlich harten Gegner habe." Gitzen halte sich schon seit Jahren für die Eierlage fit.
Aber einen Verlierer wird es ohnehin nicht geben - der alte Brauch ist ein brüderlicher Wettstreit: "Ja, definitiv", sagt Rabe, der sich an Ostermontag auf die 7,28 Kilometer lange Laufstrecke nach Seiwerath begeben wird (der Raffer legt insgesamt 6,9 Kilometer zurück, wenn er alle Eier schafft). "Aber mit einem sportlichen Aspekt. Wir sind schon ambitionierte Läufer. Aber jeder gönnt dem anderen den Sieg."
Christian Gitzen bestätigt diese Haltung: Der Zweite sei kein Verlierer. "An dem Tag versucht man halt alles zu geben. Aber der Gewinn ist, die Eierlage einmal gemacht zu haben."
Derzeit hat die Sodalität 47 Mitglieder, davon haben sich 14 diesmal paarweise beworben - eine stolze Zahl, findet Schriftführer Michael Bastuck: "Es ist schon immer schwieriger geworden. Nicht mehr alle wohnen im Ort, es ist viel Zeitaufwand und man muss viel trainieren."
An diesem Wochenende ist das alles vergessen: Die Feiern rund um die Eierlage beginnen am Sonntag, 4. April, um 15 Uhr mit einem Konzert des Musikvereins Schönecken bei Kaffee und Kuchen im Forum im Flecken, um 20 Uhr spielen dort The Fanatic Five, und DJ Crazy A legt Platten auf.
Am Ostermontag dann ziehen die Sodalen mit Läufer, Raffer, Musik- und Handwerksverein um 9 Uhr durchs Dorf zur Messe in der Pfarrkirche mit der Segnung der Wettkämpfer. Anschließend werden die Eier in der Von-Hersel-Straße ausgelegt. Der friedliche Bruderkampf beginnt um 14 Uhr.Extra

Sie wird bereits seit mehreren Jahrhunderten nahezu unverändert im Burgflecken ausgetragen: die Eierlage, der sportliche Wettstreit zwischen Läufer und Raffer. Die erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 1764, obwohl es damals bereits hieß, der Brauch bestehe "seit Zeugens Gedenken". Einer Sage zufolge geht er auf den Zwist zwischen zwei Schönecker Rittern zurück, die damit herausfinden wollten, wer den besseren Knappen hatte. Der Vorstand der Jungesellensodalität, die die Eierlage organisiert, entscheidet in einer Versteigerung am Sonntag vor Ostern über die Wettkämpfer: Die Bewerber erhalten das Angebot, für 25 Euro Lohn den Wettkampf auszutragen - und steigern sich dann in 50-Cent-Schritten nach unten. Den Zuschlag erhielten dieses Jahr Christian Gitzen und Christian Rabe bei 21,50 Euro. Der Vorstand allerdings behält sich vor, unter den drei Finalisten-Paaren selbst die Glücklichen zu bestimmen - eine Rolle spielen dabei auch die Verdienste um den Verein oder die Fitness der Bewerber. Die Wettstreiter müssen die 104 Eier übrigens selbst beschaffen - und am Dienstag danach landen diese im Vereinslokal "Bei Kampen" in der Bratpfanne. Die Eierlage ist ein hochspannender Brauch: Ein Moderator hält dabei die Zuschauer über die Zahl der verbleibenden Eier und über die Position des Läufers auf dem Laufenden. Und ein Böllerschuss verkündet, wenn dieser auf dem Rückweg von Seiwerath jene Stelle passiert hat, von der aus er in Schönecken wieder zu sehen ist. Der Wettkampf dauert im Schnitt etwas mehr als eine halbe Stunde. fplExtra

Zwar gilt Schönecken als Heimat der Eierlage, doch auch andere Orte richten in der Eifel mittlerweile ähnliche Wettkämpfe aus. Hier eine Übersicht: Bollendorf, Ostersonntag, 14 Uhr auf der Flaniermeile am Sauerstaden; Geichlingen, Ostersonntag, 14 Uhr auf dem Sportplatz; Echternacherbrück, Ostersonntag, 14 Uhr in der Mindener straße; Neuerburg, Ostersonntag, 15 Uhr auf dem Marktplatz; Neroth, Ostersonntag, 15 Uhr, Heltenbergstraße. mat

Die Eier werden platziert (links). Rechts oben: Michael Bastuck als Raffer 2012. Darunter die beiden aktuellen Wettstreiter: Christian Rabe (links) und Christian Gitzen. Fotos (3): TV-Archiv/F. Vetter/K. Kimmling/N.Rosskopf
Die Eier werden platziert (links). Rechts oben: Michael Bastuck als Raffer 2012. Darunter die beiden aktuellen Wettstreiter: Christian Rabe (links) und Christian Gitzen. Fotos (3): TV-Archiv/F. Vetter/K. Kimmling/N.Rosskopf FOTO: Friedemann Vetter
Startklar für Ostermontag: Christian Gitzen (links) und Christian Rabe bestreiten die Eierlage. Foto: Norbert Rosskopf
Startklar für Ostermontag: Christian Gitzen (links) und Christian Rabe bestreiten die Eierlage. Foto: Norbert Rosskopf FOTO: Foto: Norbert Rosskopf