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Stadtgeschichte
Zum Glück ist’s nur eine Erinnerung

Der Prümer Pranger ist zurück (von links): Kai Lentz, Heike Biermann, Adelheid Meyer, Andrea Triendl, Monika Rolef und Valentin Dietzen.
Der Prümer Pranger ist zurück (von links): Kai Lentz, Heike Biermann, Adelheid Meyer, Andrea Triendl, Monika Rolef und Valentin Dietzen. FOTO: Fritz-Peter Linden
Prüm. Der Hahnplatz hat wieder einen Pranger – wenn auch nur symbolisch. Die Initiative Frauenschuh gab das gute Stück bei Valentin Dietzen in Auftrag. Von Fritz-Peter Linden
Fritz-Peter Linden

Früher, in jenen analogen Zeiten, an die sich kaum noch ein Mensch erinnert, da wurden die Leute noch an einen echten Pranger geklemmt. Oder, wie in Prüm, an einen Schandpfahl, um dann ihrer ganzen schlimmen Vergehen wegen verspottet zu werden. Ob das immer zurecht geschah, wir wollen es gern bezweifeln.

Heute gibt’s den Pranger immer noch. Heißt jetzt aber Internet. Wo sich dann jeder über jeden auslassen und ihn tüchtig beschimpfen kann.

Der Prümer Pranger, so erzählt es die Lokalhistorie, gab auch dem Hahnplatz seinen Namen: Von „Hohn“ soll der nämlich kommen und vom Verhöhnen. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts wurden dort „Randalierer, Schläger, Verleumder und Diebe“ an Kopf und Händen festgekettet.

Monika Rolef und ihre Mitstreiterinnen von der Initiative Frauenschuh wollten daran erinnern – und so gaben sie bei Valentin Dietzen eine kleinere Version des Schandpfahls in Auftrag.

Jetzt fand Dietzens Arbeit ihren Platz am oberen Hahnplatz, an der Fassade von Kai Lentz’ Versicherungsagentur, mitsamt einer Plexiglastafel, die über die Geschichte des Prümer Prangers informiert. Klar, sagt Kai Lentz: „Ich hab auch überlegt, ob das so eine gute Idee ist, einen Pranger an einer Versicherungsagentur anzubringen.“ Aber er registriere eben bei vielen Bürgern und Besuchern ein großes Interesse an diesen historischen Dingen.

Und deshalb hängt er jetzt dort, der Pranger. Leider kann man die Ketten und die Handschellen nicht bewegen – es wüsste doch jeder mindestens einen, den man da mal dranhängen und verspotten wollen würde.

Aber nein, lieber nicht, sagt auch Bildhauer Valentin Dietzen: „Sonst wird damit nur Blödsinn gemacht.“ Könnte stimmen.

Der Prümer Pranger ist zurück, am oberen Hahnplatz.
Der Prümer Pranger ist zurück, am oberen Hahnplatz. FOTO: Fritz-Peter Linden